Von den news.de-Redakteuren Florian Blaschke und Konrad Rüdiger
Was für ein Coup: Günther Jauch wird von 2011 auf dem bisherigen Sendeplatz von Anne Will einen ARD-Polittalk moderieren und bekommt einen Drei-Jahres-Vertrag. Wie es aussieht, bedeutet das das Ende für Stern TV. Und für Anne Will?
Wohl kaum ein Gesicht hat einem Sender in den vergangenen Jahren so gut getan wie das von Günther Jauch RTL. Nun aber wechselt der beliebteste deutsche Moderator zur ARD. Ab Herbst 2011 wird Jauch am Sonntagabend nach dem Tatort im Ersten eine politische Gesprächssendung moderieren. NDR und WDR haben den Moderator für einen Drei-Jahres-Vertrag mit der ARD gewinnen können, wie der Sender heute mitteilte. Die Verabredung stehe jedoch unter dem Vorbehalt, dass die damit zu befassenden Gremien der ARD ihr zustimmen.
Dem Coup war ARD-intern einiger Ärger vorausgegangen. Sowohl Anne Will als auch Frank Plasberg (Hart aber fair) wurden im April nur kurze Vertragsverlängerungen angeboten, um Jauch im Fall der Fälle einen attraktiven Sendeplatz offen zu halten. Der Knatsch war berechtigt, zumal Anne Will in den vergangenen Monaten mit starken Quoten glänzen und ihre Marktführerschaft unter den Polittalks behaupten konnte.
RTL reagiert zerknirscht
«Schön, dass es im zweiten Anlauf geklappt hat», sagt Jauch zu seinem Senderwechsel. «Jetzt freue ich mich auf meine Sendung am Sonntagabend im Ersten.» Erst Ende vergangenen Jahres hatte die ARD einen Pressebericht über ihr anhaltendes Interesse an einer Zusammenarbeit mit Jauch zurückgewiesen. Das Medienmagazin New Business hatte ARD-Programmdirektor Volker Herres seinerzeit mit den Worten zitiert, «man sei gesprächsbereit, falls Jauch wieder Interesse haben sollte».
Jauchs Haussender RTL ist derweil wenig erfreut über den teilweisen Verlust seines Zugpferdes. «Wir sind natürlich nicht glücklich über seine Entscheidung in Sachen Stern TV», wird Geschäftsführerin Anke Schäferkordt zitiert. Man freue sich «jedoch sehr auf die Fortsetzung unserer bewährten Zusammenarbeit im Showbereich». Ein Nachfolger von Jauch für die Moderation von Stern TV soll demnach im kommenden Jahr präsentiert werden.
Jauch über die ARD: «Gremien voller Gremlins»
Jauch hatte schon Anfang 2007 Nachfolger von ARD-Polittalkerin Sabine Christiansen im Ersten werden sollen, das Engagement jedoch von sich aus abgesagt. Er hatte unter anderm mokiert, dass sich «Gremien voller Gremlins» mit der Sache beschäftigt hätten. Und er wolle sich nicht zum «Spielball der politischen Farbenlehre» machen lassen. Hintergrund des Streits war, dass sich Jauch damals einen größeren Anteil am Unterhaltungskuchen der ARD erhofft hatte. Branchenkenner haben in den vergangenen Monaten aber viele Verträge gezählt, die die ARD mit Jauchs Produktionsfirma I & U abschloss. Das galt als deutliches Indiz dafür, dass man Jauch milde stimmen wollte.
Nun aber ist der überraschende Wechsel perfekt und er soll sich nicht auf die Höhe der Rundfunkgebühren auswirken, wie der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust betont: «Wir bieten dem Großmeister der journalistischen Unterhaltung ein Programmumfeld, das seinen Fähigkeiten entspricht. Und den Gebührenzahler kostet seine Verpflichtung keinen Cent mehr. Dazu die Vereinheitlichung der Tagesthemen-Anfangszeiten: ein perfekter Coup.» Die Nachrichten sollen künftig immer um 22.15 Uhr beginnen.
Jauch macht bei Wer wird Millionär? weiter
Wie das Medienmagazin DWDL berichtet, soll Jauch für sein Engagement im Ersten seine RTL-Sendung Stern TV aufgeben, eine Sendung, die er immerhin schon seit 20 Jahren moderiert. Wer wird Millionär?, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), gehe jedoch weiter – mit Jauch. Anne Will schließlich soll ihre Sendung behalten dürfen, auf einem neuen Sendeplatz, wie die ARD mitteilt.
Mit Jauchs Verpflichtung sendet das Erste ab Herbst 2011 an fünf aufeinanderfolgenden Tagen Talkshows: Jauch am Sonntag, Reinhold Beckmann am Montag, Frank Plasbergs Hart aber fair am Mittwoch sowie Anne Will und Sandra Maischberger dienstags und donnerstags, wie die FAZ weiter schreibt. Welche der beiden Moderatorinnen welchen Sendeplatz erhalten, müsse jedoch noch entschieden werden. Und jetzt liegt es allein an den «Gremien voller Gremlins», Jauch zu inthronisieren.
news.de/dpa
Einfach nur langweilig, wenn man an mehreren Abenden immer den Herrn Jauch sehen muss. Fernsehen lebt doch durch Vielfalt und Anne Will macht ihre Sache genauso gut wie Jauch und auf ihre Art. Ich werde auch am Mittwoch einschalten. Damit wird sich das Erste keinen Gefallen tun!
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