So., 27.05.12

«My Name is Khan» 10.06.2010 Forrest Gump in den Zeiten des Terrors

Bollywood (Foto)
Ein Mann kämpft gegen Vorurteile: Shah Rukh Khan im Film My name is Khan. Bild: 20th Century Fox

Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann

Bollywood mischt die Amis auf: Diesmal gibt es keine Säuselei in quietschbunten Saris, sondern einen Freak, der sich gegen die Diskriminierung von Moslems stemmt. My Name is Khan - brisanter Stoff und mittendrin Superstar Shah Rukh Khan.

Nein, hier gibt es keinen bombastischen Sari-Taumel. Wer bei Bollywood an bonbonbunte Massentänze, jaulende Gesänge und schmachtende Blicke denkt, liegt zwar grundsätzlich richtig, wird aber von dem neuen Blockbuster aus Mumbai My Name is Khan überrascht. Der Film spielt nicht mal in Indien.

Der Anfang gibt sich spröde: kühle Farben, Finger, die über eine Computertastatur sausen, Turnschuhe, dann die karge Abfertigungshalle eines Flughafens. Keine Spur von Blumenwiesen, schneebedeckten Gipfeln, Fußkettchen und wiegenden Hüften. Rizvan Khan (Shah Rukh Khan) will nach Washington, weil er den Präsidenten treffen muss. Eines will er dem Staatsmann unbedingt sagen: «My name is Khan and I am not a terrorist.» («Mein Name ist Khan und ich bin kein Terrorist.») Auf diese berückend einfache wie treffende Formel bricht der Film My Name is Khan die Diskriminierung von Moslems seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 herunter.

Doch minimalistisch ist der Film noch lange nicht, so viel Bollywood muss dann doch sein. Khan (Shah Rukh Khan) ist Moslem und lebt mit der Diagnose «Asperger Syndrom». Er verliebt sich in die Hindu Mandira (Kajol). Mit hölzernem Charme gewinnt Khan das Herz der schönen Inderin. Die alleinerziehende Mutter heiratet den Sonderling und hier wäre in einer Hollywood-Schnulze wohl schon der Abspann gelaufen. Aber My Name is Khan holt jetzt erst zum ganz großen Rundumschlag aus: 11. September, Kopftuchdebatte, Diskriminierung von Moslems, islamistische Hassprediger, Hurrikan Katrina, Obamas Wahl – all das in epischer Breite.

Die Filmemacher schaffen es mit bewundernswerter Unbekümmertheit all diese Fässer zu knacken und vor den Füßen des Kinopublikums auszugießen. Das ist eine Flutwelle, aber was hat man nicht alles erlebt, während dieser Film über einen hinweg rollt. Da stirbt der kleine Sohn, weil er den muslimischen Namen seines neuen Vaters Khan trägt und wem bei der herzzerreißenden Pietà-Szene, in der die Mutter ihr totes Kind beweint, nicht die Tränen über die Wangen rinnen, hat wahrscheinlich gar nicht hingesehen. Mandira grollt dem Mann, dessen Name zur Zielscheibe von Rassisten wurde und deshalb macht sich Khan auf eine abenteuerliche Reise zum amerikanischen Präsidenten, um ihm mitzuteilen, dass man Moslem und friedfertig sein kann.

Trailer «My Name is Khan»
Auf der Suche nach dem Präsidenten
Video: 20th Century Fox

Moralische Botschaft in Versalien

Die emotionale Wucht von My Name is Khan ist überwältigend. Vieles wird dem westlichen Publikum ungewohnt erscheinen, die komödiantischen Szenen und die hin und wieder etwas arg aufgedrehte Kajol, die dramatischen Herz-Schmerz-Szenen, die in Versalien formulierte moralische Botschaft. Hier ist alles ein bisschen greller als es die Kinogänger hierzulande gewohnt sind. Nimmt man das so hin, so verbirgt sich dahinter ein sehr kluger Film mit einer ambitionierten Mission. Regisseur Karan Johar nimmt sich viel Zeit für sein Werk und verpackt in My Name is Khan eine Geschichte, die andere in vier abendfüllenden Teilen erzählt hätten.

Aus Rücksicht auf das untrainierte westliche Publikum ist die internationale Fassung um fast 40 Minuten gekürzt worden. Doch leider hat die Geschichte darunter gelitten: Die schrägen Szenen, in denen Khan bei einer Südstaatenfamilie Unterschlupf findet, sind leider rausgeflogen. Auch die schmerzhafte Entscheidung der Schwägerin, ihr Kopftuch abzulegen, kommt in der Light-Version nicht so recht zur Geltung.

Reichlich Gelungenes gibt es dennoch: Shah Rukh Khan spielt die Rolle des Rizvan Khan erfrischend uneitel und überzeugt mit einfühlsam beobachteten Symptomen des Asperger Syndroms. Nie entgleitet ihm die Figur zur Karikatur, er spielt den Forrest Gump des indischen Kinos mit Respekt und Hingabe. Erstaunlich, dass sich der Frauenschwarm an eine derart uneitle Figur wagt.

Ausgerechnet das Asperger Syndrom

Dass Bollywood-Superstar Khan, der bislang gern im flatternden Hemd seinen Waschbrettbauch in die Kamera reckte, ausgerechnet einen Mann mit Asperger Syndrom spielt, ist spannend. Menschen, die unter dieser schwachen Form des Autismus leiden, haben Schwierigkeiten, ihre Gefühle zu äußern und die Gefühlsregungen ihrer Mitmenschen zu deuten. Eigenschaften, die so gar nicht in das Klischee von gefühlstriefenden Bollywood-Schmonzetten passen wollen.
Doch schaut man sich den Vorgängerfilm Om Shanti Om aus dem Jahr 2007 an, in dem Shah Rukh Khan ebenfalls die Hauptrolle spielte, ist die Figur in My Name is Khan die logische nächste Stufe in der Karriere des indischen Superstars. In Om Shanti Om karikiert sich Khan erstaunlich humorvoll in seiner Rolle als säuselnder Herzensbrecher und damit auch das Genre. Damit hat er einen amüsanten Bruch vollzogen, nach dem jetzt nur etwas ganz anderes kommen konnte.

Auch wenn die politische Botschaft von My Name is Khan dem Zuschauer recht holzschnittartig entgegen poltert, ist hier ein erstaunlicher Film mit großer Wirkung gelungen. Als das Werk auf der Berlinale Anfang des Jahres vorgestellt wurde, hat es sofort hohe Wellen geschlagen: In Indien hagelte es Proteste und radikale Hindus riefen zum Boykott des Films auf. Die Anti-Pakistanische Hindu-Partei Shiv Sena hat Khan vorgeworfen, dass er sich gegen die Diskriminierung pakistanischer Spieler der indischen Cricket-Liga gestellt hat und damit die so genannte Mumbai-Krise ausgelöst hat. Ausgerechnet am Kolonialsport Cricket, den einst die Briten nach Indien brachten, entzündet sich der Streit. Khan sagte seine Interviewtermine auf der Berlinale ab, um die Wogen in der Heimat zu glätten.

Auch während der Dreharbeiten war der Star betroffen: Khan ist selbst Moslem und mit einer Hindu verheiratet. Doch das ist nicht die einzige Parallele zwischen Schauspieler und Rolle: Als Khan im August 2009 in die USA einreisen wollte, wurde der Superstar am Flughafen verhaftet und stundenlang verhört, weil den Sicherheitsbeamten sein Name verdächtig erschien. Der Film macht gleich mit einer solchen Szene auf: Da wird Khan aus den Passieren herausgepickt, weil er nervös Suren aus dem Koran vor sich hinmurmelt. Die Sicherheitsbeamten untersuchen jede Körperöffnung und scheinen jeden Respekt vor dem wunderlichen Mann verloren zu haben. Die Grenzen zwischen Schauspieler und Figur fransen hier aus. Das ist Bollywood, Distanz zur Sache wäre fehl am Platz. Hollywood muss sich warm anziehen.

Titel: My name is Khan
Regie: Karan Johar
Darsteller: Shah Rukh Khan, Kajol Devgan
Produktionsland: Indien
Verleih: 20th Century Fox
Filmlänge: 160 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Filmstart: 10. Juni 2010

amg/voc/ivb/news.de
Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Susanne
  • Kommentar 2
  • 10.06.2010 13:25
 Antwort auf Kommentar 1

tomahawk... und du VOLLDEPP solltest erst mal richtig Deutsch lernen und dann gleich nach Österreich auswandern. Denn da wirst du dich heimisch fühlen. Wenn man keine Ahnung hat, ist es besser den Mund zu halten, bevor nur Müll rauskommt... Schönen Tag noch und Allah oder Gott möge dir Hirn schicken !

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  • tomahawk
  • Kommentar 1
  • 10.06.2010 12:19
 

Dieser Volldepp sollte lieber dafür dorgen, das kaine Christen mehr in mosl. Ländern verfolgt werden und hier das schöne Land nicht mehr mit hässlichen Moscheen verschanselt wird

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