Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Kleiner Mann ganz groß in Fernsehen und Kino: Joachim Król ist der Meister der perfekt platzierten Andeutung. Der künftige Tatort-Kommissar ist heute Abend im TV-Drama Windland zu sehen. Ein Porträt des Schauspielers.
Herbst liegt über der Landschaft. Der Wind fegt über den Westerwald. Forstwirt Oskar fährt seiner Wege oder zieht sich kartographierend an seinen Schreibtisch zurück. Zwischendurch versorgt er seinen todkranken Vater. Mehr hält das Leben nicht für ihn bereit. Das Einzige, das sich um ihn herum bewegt, sind die Windräder. Erst als ein achtjähriges Mädchen brutal ermordet wird und Oskars jüngerer Bruder unter Verdacht gerät, muss der passionierte Einsiedler endlich raus aus seinem Schneckenhaus.
Dieser Oskar ist eine Rolle wie geschaffen für Joachim Król. Er ist der Meister der kleinen Gesten und der perfekt platzierten Andeutung. Minimalistisch ist sein Ausdruck. Allenfalls mit wachen Augen und nach innen gewandtem Blick gibt er in dem ARD-Fernsehfilm Windland, der am 8. Juni im Bayerischen Rundfunk gezeigt wird (Erstausstrahlung 2007), Einblicke in das Seelenleben seiner vereinsamten Figur. Über die Lippen kommt ihr nur selten etwas Persönliches.
Schüchtern – das Wort wird oft verwendet, wenn es gilt, den Menschen Joachim Król zu beschreiben. Der Sohn eines Bergmannes aus dem Ruhrgebiet (Jahrgang 1957) ist auch in seinem Beruf der schüchterne Sympath vom Dienst. Neben Typen wie Lauterbach, Schweiger, Ochsenknecht ist Król eher ein Anti-Held. Die Figuren, die er spielt, wirken oft so, als stünden sie sich selbst im Weg, so, als wollten sie sich für ihr Verhalten entschuldigen. Król war der wortkarge Analphabet in Detlev Bucks Wir können auch anders (1992), wurde spätestens als sanfter Schwuler in der Komödie Der bewegte Mann (1994) zum Star und glänzte in Helmut Dietls Satire Rossini (1996) als scheuer Schriftsteller.
Das Publikum reagiert auf Król mit Sympathie, ob im Kino, im Fernsehen oder im Theater. Dort hat er gelernt, nach Zivildienst und Teilzeit-Kneipier. In der Otto-Falckenberg-Schule in München hat er sich zum Schauspieler ausbilden lassen. Die Arbeit für Fernsehen und Kino hat die Engagements für die Bühne wie bei den Nibelungen-Festspielen in Worms zurückgedrängt, trotzdem er für einzelne Aufgaben (Kirschgarten am Kölner Schauspiel), für Lesung und Rezitation (Król sammelt Gedichte) immer wieder in die Bühnenhäuser zurückkehrt. «Am Theater kann man auftanken, da ist man als Schauspieler viel wichtiger», hat Król, der weiß, wo er herkommt, einmal gesagt. Unverdrossen ist er, wie schon sein Vater, Fan des Fußballklubs Westfalia Herne, mittlerweile in der fünftklassigen NRW-Liga.
Der Schauspieler Król ist vielseitig und spielt ganz unterschiedliche Rollen. Doch von Krimis bekommt er offenbar nie genug: Er ermittelte eine Folge als Wilsberg, zwei Jahre als Commissario Brunetti in den Donna-Leon-Verfilmungen, er war Doktor Matthäi im Remake Es geschah am hellichten Tag und gab drei Jahre den Essener Kommissar Lutter. Im Dezember 2009 folgte der Ritterschlag für den TV-Polizisten: Mit Nina Kunzendorf geht Król demnächst im Frankfurter Tatort auf Verbrecherjagd (erster Sendetermin Mitte 2011).
Król kann Kommissar. Das zeigt er auch in dem vom Hessischen Rundfunk produzierten Drama Windland, wenngleich er in dem Film nur ein Hobby-Ermittler ist. Es ist kein klassischer Krimi, eher eine Ansammlung kleinerer und größerer Dramen. Und je weniger die Menschen sprechen, umso mehr wissen die Bilder zu erzählen. Der Erzählstil von Regisseur Edward Berger ist von Reduktion geprägt. Ein Grund mehr, weshalb Król diesen Theo spielen musste. Für die Rolle wurde er mit dem Hessischen Filmpreis ausgezeichnet.
Windland, 8. Juni, 21.45 Uhr, Bayerischer Rundfunk.
car/ivb/news.de