Von news.de-Mitarbeiterin Cornelia Wystrichowski
Sie wurde berühmt als die Frau, die in Werbespots Rudi Assauer das Bier bringen darf. Doch längst ist Simone Thomalla aus dem Schatten des Fußball-Machos herausgetreten, mit dem sie acht Jahre lang liiert war: Die Bierholerin hat sich zum Star gemausert.
Auch wenn sie als Leipziger Tatort-Kommissarin Eva Saalfeld wenig mehr drauf hat als skeptisch die Stirn zu runzeln und die stark geschminkten Augen zusammenzukneifen, lockt Simone Thomalla dennoch regelmäßig über acht Millionen Zuschauer vor den Bildschirm. «Das ist eine schöne und neue Phase in meinem Leben», sagte die 45-Jährige, die im Krimi Tatort: Heimwärts (6. Juni, 20.15 Uhr, Das Erste) ihren achten Fall seit dem Debüt 2008 löst.
Gemeinsam mit ihrem Kollegen Andreas Keppler (Martin Wuttke) muss Kommissarin Saalfeld den Mord an einer Altenpflegerin klären. Das Duo stößt auf vernachlässigte Senioren und überforderte Familienangehörige, und Thomalla hat wieder mal die Gelegenheit, als Eva Saalfeld die Betroffenheitstante herauszukehren, der jede soziale Ungerechtigkeit in der Seele weh tut.
Ein Bild, das sich nicht unbedingt mit dem Hart-aber-herzlich-Image der Schauspielerin deckt, das regelmäßig von neuen Schlagzeilen genährt wird. Vor einigen Monaten zog sie sich mit 44 Jahren für das Männermagazin Playboy aus, voriges Jahr wurde sie auf der Autobahn mit 146 Stundenkilometern geblitzt, wo nur Tempo 100 erlaubt war, legte aber erfolgreich Einspruch gegen das fällige vierwöchige Fahrverbot ein. Für Aufsehen sorgte auch der Zoff zwischen Thomalla und ihrem Ex Rudi Assauer vorigen Sommer auf Sylt, als sich die beiden in aller Öffentlichkeit einen handfesten Streit lieferten. Mittlerweile ist sie mit dem 20 Jahre jüngeren Handball-Torwart Silvio Heinevetter liiert.
Bei Journalisten ist die in Berlin lebende Aktrice zwar nicht uneingeschränkt beliebt, lässt sie Gesprächspartner bei unwillkommenen Fragen doch mitunter ganz schön auflaufen. Dennoch ist die Mutter von TV-Sternchen Sophia, die sich das Porträt ihrer lieben Mama Simone auf den Arm tätowieren ließ, aus den bunten Blättern nicht mehr wegzudenken.
Und während andere Tatort-Kommissare kaum Rollen außerhalb der ARD-Krimireihe ergattern können, hat Simone Thomalla auch andere Eisen im Feuer. Gerade stand sie für den ZDF-Film Fröhlich in anderen Umständen als Kosmetikerin und für die Sat.1-Komödie Voodoo für Anfänger als rachsüchtige betrogene Ehefrau vor der Kamera. «Die Akzeptanz innerhalb der Branche hat sich verändert», sagt die Schauspielerin über ihren Karriereschub seit dem Tatort-Debüt vor zwei Jahren. Gemessen an den Einschaltquoten gehört das Leipziger Duo zu den beliebtesten Ermittlerteams.
Es war ein später Durchbruch, immerhin gab die gebürtige Leipzigerin ihr Schauspieldebüt bereits 1982 im Drama Abgefunden. Die Tochter eines Filmarchitekten und eines Fotomodells studierte an der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin, drehte vor dem Fall der Mauer einige DDR-Filme und spielte in den 1990ern recht häufig in Serien und Spielfilmen mit. Doch richtig bekannt wurde sie erst als Frau an der Seite des damaligen Fußballmanagers Assauer, der ihre Arbeit gönnerhaft als eine Art besseres Hobby belächelte. Dass ausgerechnet die augenzwinkernde Rolle als hübsches Accessoire eines Fußball-Chauvis in den gemeinsamen Werbespots Simone Thomalla die Chance gab, so richtig durchzustarten, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Tatort: Heimwärts, 6. Juni, 20.15 Uhr, Das Erste