Von news.de-Redakteur Michael Kraft, Leipzig
Aufs Länderspiel verzichten für ein Rockkonzert? Da müssen schon die Sportfreunde Stiller auf der Bühne stehen. Ihre Show in Leipzig hatte trotzdem ganz viel mit Fußball zu tun.
Fußball und Sportfreunde: Das gehört zusammen - nicht erst, seit die Band aus München den Soundtrack zum Sommermärchen geliefert hat. Gestern Abend war das besonders frappierend: Während die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zum letzten Mal ihre WM-Tauglichkeit testete, brachten die Sportfreunde Stiller zum letzten Mal ihr Unplugged-Programm auf eine deutsche Konzertbühne. Und, anders als Jogis Jungs, erwiesen sie sich bei der Show in der Leipziger Parkbühne von Anfang an in Hochform.
Auch für die Sportfreunde Stiller steht eine wichtige Bewährungsprobe ins Haus: Heute sind sie bei Rock am Ring zu sehen, tags darauf bei Rock im Park. Auch sie hatten ein paar Einwechslungen: Gastsängerin Julia trat zweimal auf, Christoph von den Emil Bulls half bei einem Song an der Gitarre aus und Roman Fischer, der schon das Vorprogramm bestritten hatte, verstärkte am Ende den Chor. Und auch sie haben ein paar Stars eingebürgert, um noch schlagkräftiger zu werden: So gab es natürlich die Coverversion von Udo Jürgens' Ich war noch niemals in New York. Und auch den Subways-Kracher Rock'N'Roll Queen machten sich die Sportfreunde zu eigen (und ließen dazu einen Gorilla ein Gitarrensolo spielen).
«Das ist schon toll. Aus gerade einmal drei Akkorden machen die Subways so einen super Song», kommentierte Sänger Peter Brugger die eigene Freude an der gelungenen Coverversion. Diese kurze Erkenntnis ist ganz zentral, wenn man verstehen will, warum das Konzert in Leipzig ein so gelungener Abend war. Denn zum einen wissen die Sportfreunde Stiller sicherlich selbst, dass auch sie nicht gerade die größten Virtuosen sind, wenn es um Instrumente, Gesang, Texte oder Komposition geht. Trotzdem haben sie es zu mittlerweile fünf Top-10-Alben gebracht, spielen längst in der Champions League der deutschen Rockmusik, stehen nun im Anzug und mit Streichern auf der Bühne - und wundern sich offensichtlich ab und zu immer noch selbst darüber.
Zum anderen ist ihnen auch beim dritten Konzert innerhalb von drei Tagen noch nicht die Freude an der eigenen Musik vergangen. Wenn sie kurz vor der Zugabe einen Kreis bilden (eben wie ein Fußballteam), wenn Peter Brugger kurz versucht, wie Lena Meyer-Landrut zu tanzen (und dabei im Anzug doch eher aussieht wie Caleb Followill von den Kings Of Leon) oder wenn sie sich bei Wunderbare Jahre kurz an HipHop wagen, dann muss man staunen, wie viel Spaß nach wie vor in den Sportfreunden Stiller steckt.
Deshalb können sie es sich erlauben, den Hit Ein Kompliment schon zu spielen, als es noch hell ist. Als das Lied vorbei ist, singen die 3000 Fans in der Parkbühne einfach weiter. «Das ist bisher noch nie passiert» , stellt Brugger ehrlich gerührt fest - und damit ist schon nach einem Drittel der Show ein Punkt erreicht, an dem man sich fragen muss (wie beim Fußball), ob sie damit ihr Pulver nicht zu früh verschossen haben.
Doch die Sportfreunde Stiller haben noch genug Kondition und reichlich Tricks auf Lager, nicht zuletzt die Fußballhits. Ich, Roque ist eine beeindruckende Schlussoffensive. 54, 74, 90, 2010 wird fast nur auf die Streicher reduziert - und so zu einer Art Eleanor Rigby für Hooligans. So viel Spielfreude kann man Jogis Jungs bei der WM nur wünschen.
ruk/reu/news.de