Games Convention Online Leipzig hat ausgespielt

Games Convention Online (Foto)
Es hat sich ausgezockt. Zur Games Convention Online werden in diesem Jahr nur noch Fachbesucher eingelassen. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Von überfüllten Hotels kann in diesem Frühsommer in Leipzig keine Rede mehr sein. Die Videospieler bleiben der Stadt fern. Gezwungenermaßen. Bei der Games Convention Online sind nur noch Fachbesucher erwünscht. Das ist das Ende einer Ära.

Für die Gamer war es ein Tod auf Raten. Wenn auch kein überraschender - spätestens seit die Kölner Gamescom der einstigen Leipziger Großmesse das Wasser abgegraben hat. Nur knapp teilte die Leipziger Messe gestern mit, dass diejenigen, die der Industrie für Onlinespiele ihre eigentliche Existenzberechtigung geben, vom 8. bis 12. Juli auf der Leipziger Messe nicht mehr eingelassen werden.

Die «geplante Publikumsausstellung wird 2010 nicht stattfinden», hieß es in einer kurzen Pressemitteilung. «Das ist eine bedauerliche, aber notwendige Entscheidung», sagte Strategy Director Silvana Kürschner von der Leipziger Messe. Zu gering seien die Zahlen der Aussteller und geplanten Präsentationen gewesen. Das «gewohnt hohe Niveau» der Messen, die bislang unter dem Titel «Games Convention» firmierten, wäre damit nicht zu halten gewesen.

Absehbar war das bereits, nachdem die erste Games Convention Online (GCO) ihre Pforten geöffnet hatte. Damals waren die beiden Messehallen, in denen sich das Publikum tummeln sollte, nicht einmal ansatzweise ausgefüllt. Und auch der Besucherstrom, der sich in den Jahren zuvor nur mit Schubsen und Stoßen voran bewegte, war nicht einmal zur sonst üblichen samstäglichen Hoch-Zeit zu spüren.

Überraschend war damals, dass die Messeleitung trotz offensichtlicher Mängel einen Termin für eine zweite GCO 2010 nannte. Der Optimismus, doch noch eine Wende herbeiführen zu können, war groß. Und er hielt über den März dieses Jahres hinaus. «Mit der Gründung des Beirates im Frühjahr 2010 sind wir von einer Sogwirkung ausgegangen», begründet Kürschner auf news.de-Nachfrage, warum die Entscheidung, die Publikumsmesse abzusagen, nicht schon viel früher gefallen sei.

Doch der Versuch, international renommierte Spielefirmen nach Leipzig zu holen, die große Erfolge im Onlinebereich feierten, «ist uns nicht so gut gelungen», räumt Kürschner ein. Was an Ausstellern eingeworben wurde, sei deutlich hinter der hohen Erwartungshaltung des Hauses Leipziger Messe zurückgeblieben.

Ob Leipzig jemals wieder in den Genuss kommt, ein Magnet für die Fans digitaler Spiele zu sein, steht in den Sternen. Zu möglichen neuen Konzepten, das Publikum wieder einzubinden, wollte sich Kürschner nicht äußern. Stattdessen heißt es: «Wir sind in erster Linie eine Plattform für die Industrie, in der derzeit viel im Umbruch ist.»

Lange hat die Videospielindustrie der Wirtschaftskrise getrotzt - und zum Teil sogar noch im vergangenen Jahr steigende Verkaufszahlen präsentiert. Doch damit ist vorerst Schluss. Spieleaffine Käuferschichten geben weniger Geld für die digitale Unterhaltung aus. Das ist die Chance für jene Spielefirmen, deren Erfolgswelle jetzt online ihren Lauf nimmt - nicht zuletzt dank Geschäftsstrategien wie kostenloser Spielewelten.

Andererseits werden die Auswirkungen der Spielerfluktuation hier noch stärker zu spüren sein. Wer der technischen Entwicklung hier hinterher hinkt, der verliert User. Gleiches gilt für jene, die nicht ständig neue Inhalte und Funktionen bieten, die den Geschmack der Spieler treffen.

Die Communities sind das bindende Element der Onlinespieler. In Asien und den USA treffen sich die längst nicht nur im Netz, sondern auch real. Auf diesen Trend hatten die Macher der GCO auch im vergangenen Jahr gesetzt. Doch die Zugkraft dieser Communities muss sich in Deutschland erst noch entwickeln, anders als in Asien oder den USA.

Das zumindest will die Messe Leipzig auch bei der bleibenden GCO-Fachmesse berücksichtigen, die sich als Business- und Netzwerktreff etablieren soll. Kürschner kündigt an: «Parallel zur Messe wird es am 9. Juli erstmals eine Konferenz für Community-Manager geben.»

mik/reu/news.de

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