So., 27.05.12

TV-Komödie 02.06.2010 Hartz IV ist, wenn man trotzdem lacht

Ein Schnitzel für drei (Foto)
Kleine Aufbesserung von Hartz IV: Ein Schnitzel für drei. Bild: WDR/Thomas Kost

Von news.de-Redakteur Christian Vock

Leben mit Hartz IV: Armin Rohde und Ludger Pistor machen in Ein Schnitzel für drei aus einem traurigen Stoff einen sympathischen Film, der diese triste Welt leicht nimmt, aber eben nicht auf die leichte Schulter. Heute Abend im Ersten.

Deutschland, Ruhrgebiet, Dortmund. Die Arbeitslosigkeit hat auch vor Günther Kuballa (Armin Rohde) und Wolfgang Krettek (Ludger Pistor) nicht Halt gemacht. Die beiden sind unten angekommen, beziehen Hartz VI und müssen die erniedrigenden wie sinnlosen Prozeduren der Arbeitsagentur über sich ergehen lassen. Ihre Perspektive: keine. Da leiht sich Günther den Werkzeugkasten des dementen Nachbarn und macht eine Entdeckung: Der Kasten ist vollgestopft mit Geldscheinen. Offenbar hat der alte Mann das komplett vergessen. Doch was nun? Die ungleichen Freunde hecken einen Plan aus. Sie behalten das Geld, erledigen dafür als Ausgleich die Hausarbeit für den senilen Nachbarn. Damit schlittern sie jedoch erst richtig hinein in die Geschichte.

Hartz IV und plötzlicher Reichtum, das klingt zunächst nach einem Stoff, entweder für ein tristes Sozialdrama oder für eine klischeebeladenen Proletenkomödie. Doch Ein Schnitzel für drei ist weder das eine noch das andere. Regisseur Manfred Stelzer, der mit einigen Tatorten und Polizeirufen im ernsten Fach bisher ebenso mit Niveau brillierte wie bei Komödien (Superstau), hat sich für den Mittelweg entschieden, für eine Sozialkomödie und zwar eine von der guten Sorte.

Das liegt vor allem an dem hervorragenden Hauptdarstellerduo Rohde und Pistor. Die Klischeekiste wird gar nicht erst aufgemacht, weil das schon äußerlich so unterschiedliche Paar grundverschieden das Hartz-IV-Dasein zu meistern versucht. Rohdes Kuballa ist der hemdsärmelige Arbeiter, der sich von der vermeintlich voreingenommenen Sachbearbeiterin der Arbeitsagentur nicht auf der Nase herumtanzen lässt. Er will seinen alten Job als Tierpfleger wiederhaben, die von der Agentur auferlegte Weiterbildung für ein Callcenter bricht er am ersten Tag ab.

Ganz anders hingegen Pistors Krettek. Der gelernte Herrenausstatter, in dessen Vokabular in der Tat Worte wie Herrenoberbekleidung überlebt haben, ist stets gut gekleidet und gibt den Zweckoptimisten. «Verhalten optimistisch», so fasst er seine Aussichten zusammen, obwohl er genau weiß, dass seine Realität eine ganz andere ist: Das Geld reicht hinten und vorne nicht, seine Frau hat schon lange den Respekt verloren und im Ehebett passiert längst nichts mehr.

Ein Schnitzel für drei beschönigt nichts. Es zeigt eine Welt zwischen Dauerarbeitslosigkeit und Behördenfrust, zwischen Hoffnung und Resignation.Trotzdem streicht Stelzer diese Welt mit einer anständigen Portion Humor bunt an, verzichtet aber auf grelle Klamaukfarben. Dafür liegt ihm zu viel an seinen Figuren. Zum Beispiel, wenn die beiden Freunde den unverhofften Reichtum zunächst verheimlichen wollen, dann aber doch das Geld ein wenig auf den Kopf hauen. Das sieht dann im Pott nämlich so aus: Essengehen im besten Schnitzel-Lokal des Ruhrgebiets. Und wenn sich Kuballa beim gemeinsamen Schrankaufbauen traut, der hübschen Nachbarin ein Kompliment zu machen, dann ganz bodenständig: «Also, Sie können aber Schnittchen machen, das muss man schon sagen.»

Genauso auf dem Teppich bleibt der ganze Film. Hier gibt es weder Westerwelle-Parolen noch Armutsromantik. Es ist, wie es ist, und mit etwas Humor ist sowieso alles besser zu ertragen.

Ein Schnitzel für drei Mittwoch, 2. Juni um 20.15 Uhr im Ersten.

car/reu/news.de
Leserkommentare (5) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Sascha
  • Kommentar 5
  • 03.06.2010 09:43
 

Habe mir den Film angesehen und war sehr positiv überrascht, obwohl ich vorher skeptisch war. Das ist ja nicht ein Thema zum lachen, aber trotzdem habe ich viel Spass beim sehen gehabt.Da war soviel Wahrheit und Situationskomik und tolle Schauspieler.Mein Glückwunsch an den Drehbuchautor, als hätte er viele Situationen selbst erlebt, wie den Begegnungen im Arbeitsamt oder sinnlose Umschulungen.Mein Fazit ein heißes Thema, trotzdem gefühlvoll und mit einem Augenzwinkern umgesetzt.

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  • michaela schmidt
  • Kommentar 4
  • 03.06.2010 07:49
 

guten morgen ich werde mir den mist nicht ansehen,habe leider bei mir im umfeld genug hartz4empfänger und lachen kann man darüber schon lange nicht mehr.eigentlich ist es schade das sowas gedreht wird ich habe 2 bekannte die regelmässig zur caritasche gehen,dort bekommen sie nur abgelaufenen sachen und das ist ein mann von 58 seit 2jahren arbeitslos da die firma konkurs angemeldet hat ,ich kann echt nur sagen armes trauriges deutschland

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  • rufuss1
  • Kommentar 3
  • 03.06.2010 03:14
 

frage mich: "kann man bei hartz 4 noch humor haben? anschauen ja - sollten aber auch die anschauen, die gesetze gemacht haben und sich einiges überlegen. doch die interessiert das nicht! ein köhler bekommt 200.000 euro im jahr, chauffeur mit dienstwagen. was bekommt einer der deutschland aufgebaut hat - einen tritt in arsch. sein geld wird eingeheimst, in die eigene kasse. zahlen ja, aber nichts bekommen. in der polik sind nur absahner, korupte und auf sich schauende zu finden

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  • qwert
  • Kommentar 2
  • 02.06.2010 17:32
 

Schau ich mir an. Kommt ja mit Untertitel.

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  • Peter Prey
  • Kommentar 1
  • 02.06.2010 16:02
 

Diskutieren sollte man sicher erst über den Film, wenn man ihn gesehen hat. Dennoch glaube ich als Betroffener, daß es höchste Zeit für einen solchen Film ist, auch wenn das Thema mit Humor betrachtet wird. Ein Film dieser Art hat sicher auch das Zeug für eine große Zuschauergemeinde.

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