Von news.de-Redakteur Christian Vock
Es ist angerichtet. Mit Vergebung kommt nun der letzte Teil von Stieg Larssons Millennium-Trilogie in die Kinos. Dann heißt es Abschied nehmen von einer der faszinierendsten Figuren der letzten Jahre. Und packender könnte dieser Abschied nicht sein.
Nun soll es also enden. Was als scheinbar simpler Kriminalfall begann, in einem Psychogramm seine Fortsetzung fand, gipfelt in seinem Finale in einer politischen Verschwörung. Stieg Larsson hat mit seiner Millennium-Trilogie sicher nicht das Krimi-Genre neu erfunden. Auch stilistisch hat er keine bleibenden Maßstäbe gesetzt. Was er aber geschafft hat, ist diese besondere Mischung aus der persönlichen Geschichte seiner Hauptfiguren und dem Puzzlespiel eines Politkrimis, kurz, er schafft Atmosphäre.
Ähnliches gelang vor ihm Henning Mankell mit seinem Wallander. Doch wo Mankell einst aufhörte, am Übergang vom analogen Ermittler zum digitalen Detektiv, macht Larsson weiter. Und hier kommt die Figur ins Spiel, mit der seine ganze Trilogie steht und fällt: Lisbeth Salander. Sie ist nicht nur die Nadel, die die drei Teile zu einer spannenden Geschichte zusammenstrickt, mit ihr hat Larsson zudem einen der stärksten Charaktere der letzten Jahre geschaffen. So richtig zur Geltung kommt sie aber erst, wenn man sie auf der Leinwand sieht, exzellent verkörpert von der vor der Millennium-Trilogie international wenig bekannten Noomi Rapace.
Wie ein Panther im Käfig
Sie ist es auch, die im abschließenden Teil der Geschichte im Mittelpunkt steht, auch wenn sie sich dort fast nur an zwei Orten bewegen darf: im Krankenhaus und im Gerichtssaal. Dort laufen nun alle Fäden zusammen, denn Salander muss sich dem Vorwurf stellen, sie habe zwei Journalisten und ihren staatlichen Vormund ermordet. Während Mikael Blomkvists Schwester Annika (Annika Hallin) im Gerichtssaal für Salander kämpft, versucht Journalist Blomkvist (Michael Nyqvist) draußen Beweise für deren Unschuld zu finden. Dabei dringt er immer tiefer in den politischen Komplott ein, der sich um Salanders Person entsponnen hat.
Der letzte Teil der Millennium-Trilogie hält das ein, was bereits die beiden ersten Teile auszeichnete: eine ständig spürbare Spannung. Während um sie herum ein Sturm aus Mord, Verschwörung und Intrige tobt, sitzt Lisbeth Salander zur Untätigkeit verdammt im Krankenhaus, bewacht von der Polizei. Sie, die Hacker-Punkerin, die sonst ihr Leben in die eigene Hand nimmt, weil die Regeln der Gesellschaft für sie keine Bedeutung haben. Sie also sitzt nun da und wartet auf ihren Prozess, dessen Ende absehbar scheint. Eine geheime Gruppe will, um ihre Verschwörung zu vertuschen, Salander aus der Welt schaffen, sei es durch Mord oder durch Einweisung in die Psychatrie. Und wieder hat der Psychiater Peter Teleborian seine Hände mit im Spiel. Der Mann, der sie schon einmal sexuell missbraucht hat.
Auch Vergebung schafft es, die vielen scheinbaren Nebenkriegsschauplätze zu einer packenden Geschichte zu verknüpfen. Alles wird plötzlich eins, steuert auf das große Finale zu. Die Ungerechtigkeit, die Salander ihr ganzes Leben lang widerfahren ist, hält das Ganze zusammen. Der Zuschauer will, dass es endet, will endlich, dass der Gerechtigkeit genüge getan wird, dass abgerechnet wird. Doch Rache ist bekanntlich ein Gericht, das am besten kalt serviert wird. Dementsprechend köchelt die Spannung die ganze Zeit über vor sich hin. Ab und an macht es Blubb und der Topf kocht über, aber Regisseur Daniel Alfredson dreht sofort das Gas wieder zurück. Aber immer nur ein Stück, damit nichts anbrennt. So macht man packende Unterhaltung.
Titel: Vergebung
Regie: Daniel Alfredson
Darsteller: Noomi Rapace, Michael Nyqvist, Annika Hallin
Länge: 146 Min.
FSK: ab 16 Jahren
Kinostart: 3. Juni 2010