Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Fußball, Fußball, Fußball: Die unzähligen Werbefilme und Anzeigen kosten uns momentan so richtig Nerven. Fans fühlen sich nicht ernst genommen und WM-Muffel werden vergrault. Eine unvollständige Liste der nervigsten Kampagnen.
Die WM hat schon längst begonnen, mag man glauben, wenn man sich derzeit umschaut. Die Werbeindustrie überschüttet uns im Vorfeld mit Botschaften, die mehr oder minder eindeutig an den TV-Höhepunkt des Jahres geknüpft sind. Während das Weltmeisterbrötchen mittlerweile in einigen Landstrichen fast schon zum Alltag gehört, fahren die Bäckerinnungen zuverlässig landauf, landab das große Bukett an WM-Teigwaren auf. Schwierigkeiten bei der Namenswahl inklusive. Denn die Kreativität leidet dabei vor allem unter den äußerst strikten Vorgaben des Fußballweltverbandes Fifa, der seine Marke mit Zähnen und Klauen verteidigt. Wer die entsprechenden Namen verwenden will, muss tief in die Tasche greifen.
Doch auch auf dem Bildschirm kennt das Befremden manchmal keine Grenzen. Während sich in den Werbeblöcken einige Fußballfans mit Grausen abwenden, gibt es im Dauerreigen der mittelmäßigen WM-Spots auch einige Glanzleistungen, die dem Genre des Werbespots alle Ehre machen. So gelingt es dem Sportartikelgiganten Nike in einem epischen Drei-Minuten-Film eine ordentliche Idee mit ungewöhnlich viel Tiefgang zu verbinden. Das Ergebnis ist zumindest herausragend. Herausragend aus der Masse von halbgaren und teilweise sogar krampfhaften Versuchen der Werbewirtschaft.
Beispiele gefällig? Einen ähnlichen Versuch wie Nike unternimmt momentan der Brausehersteller Pepsi. Ihm gelingt es trotz ebenso bekannter Gesichter nicht, den Zuschauer zumindest beim ersten Hinsehen in den Bann zu ziehen. Damit knüpft der Spot an den letztmaligen Versuch des Konzerns an, mit Starpower einerseits und einen halbwegs originellen Geschichte andererseits zu punkten. Es blieb zur WM in Deutschland beim Versuch.
Während diese in vielen Ländern ausgestrahlten Spots wenigstens noch die Entschuldigung haben, dass sie in völlig verschiedenen Kulturkreisen funktionieren müssen und deshalb einen kleinsten gemeinsamen Nenner in Sachen Humor haben, kann diese Ausrede für deutsche Werbemaßnahmen nicht gelten. Und so werden wir von Kleinoden wie der mäßig witzigen Nutella-Nationalspieler-Combo heimgesucht, die den geneigten Fachmann nur noch stärker an den ohnehin schwer auszumachenden intellektuellen Fähigkeiten einiger Kicker zweifeln lassen.
Festzuhalten bleibt, dass wirklich keine Branche vor der Verbindung mit dem runden Plastikball zurückschreckt. Berüchtigt unter Fußballfans wie WM-Ignoranten sind die Spots mit dem Bundestrainer Joachim Löw in der Hauptrolle. Der Beiersdorf-Konzern schickt Löw ohne Rücksicht auf Verluste in die Drogerie und lässt ihn dort mit seltsam zusammengehäckselten Fußball-Metaphern auftrumpfen. Da wünscht man sich fast die Supernase von Thomas Gottschalk in seinen triumphal schlechten Haribo-Spots zurück.
In der Dauerschleife rotiert zudem das Nationalgetränk Nummer zwei nach Kaffee. Die Bitburger-Brauerei hat sich dabei schwer ins Zeug gelegt und versucht in einer dreiviertel Minute eine Heldengeschichte mit den deutschen Nationalspielern zu inszenieren. Der Spot fällt allerdings schon beim ersten Sehen durch, denn Mario Gomez macht darin ein Tor. Ein seltenes Ereignis, dass dem teuersten Spieler der Bundesligageschichte zuletzt nur mit gütiger Hilfe gegnerischer Torhüter in sogenannten Freundschaftsspielen vergönnt war.
Neben den sündteuren TV-Kampagnen werden zahllose Rabattaktionen an die WM und das Abschneiden der deutschen Mannschaft geknüpft (unter anderem Deutsche Bahn und Media Markt), ein Schachzug, der sich angesichts der prominenten Ausfälle bei der Nationalelf für die Unternehmen am Ende noch auszahlen könnte. Das soll ebenso Kundschaft ziehen wie Verpackungen, die um schwer verkäufliche Produkte gehüllt werden und in der ein oder anderen Form an einen Fußball erinnern sollen. Es soll auch Firmen geben, die nicht nur das Design, sondern angesichts dieser glorreichen Idee eines Produktmanagers auch gleich den Preis für die Ladenhüter mit anheben.
Anmerkung: Der derzeit verletzte Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack wirbt unter anderem für die Portale ab-in-den-urlaub.de und fluege.de, die wie news.de zur Unister-Gruppe gehören.
bla/reu/news.de
nervt immer. Besonders das extreme Anheben der Lautstärre ist schon fast eine Körperverletzung. Nein Danke.
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