Eine Turnstunde mit «Dorfdepp» Jauch
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Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh
Artikel vom 01.06.2010
Zum zwanzigsten Mal spielten Promis mit Günther Jauch um eine Million Euro. Sarah Wiener, Fabian Hambüchen, Dieter Nuhr und Jürgen Vogel sorgten für einen langatmigen Fernsehabend, konnten aber immerhin 439.000 Euro für den guten Zweck erspielen.
Über 18 Millionen Euro haben Stars wie Thomas Gottschalk, Oliver Pocher, Harald Schmidt, Dieter Bohlen, Anke Engelke oder Hape Kerkeling in den vergangenen zehn Jahren beim Promi-Special von Wer wird Millionär? für den guten Zweck erspielt. Und dabei auch für den ein oder anderen Glanzmoment im deutschen Fernsehen gesorgt. Man denke nur an Hape Kerkelings Auftritt vor etwa vier Jahren, als er mit seinem Alter Ego Horst Schlämmer bei der Millionenfrage die Plätze mit Günther Jauch tauschte. Oder als Oliver Pocher 2008 als erster Promi die 1-Million-Euro knackte oder Thomas Gottschalk ein halbes Jahr später nachzog.
Doch nun scheinen Jauch langsam die Promis auszugehen, zum großem Jubiläum - der immerhin 20. Promi-Ausgabe - nahmen nicht etwa Promi-Größen wie Boris Becker, Michael Schumacher oder Herbert Grönemeyer auf dem heißen Ratestuhl Platz, sondern TV-Köchin Sarah Wiener, Comedian Dieter Nuhr, Schauspieler Jürgen Vogel und Olympia-Kunstturner Fabian Hambüchen.
Zwar hat die Promi-Ausgabe von Wer wird Millionär? noch lange nicht das Niveau von Das perfekte Promi-Dinner erreicht, wo es schon erstaunlich ist, wenn man einen der vier angeblichen Promis immerhin vom Sehen her kennt - aber glamourös und spektakulär geht es bei Jauch nicht mehr zu. Die Prominenten bekommen entweder extrem leichte oder extrem schwere Fragen gestellt, zum Horst muss sich niemand mehr machen und das obwohl gerade in der Blamage der Stars der Charme des Formats steckt. Ohne Schmach bleibt lediglich solides und zum Teil auch ermüdendes Unterhaltungsfernsehen übrig. Drei Stunden können bei Jauch mittlerweile sehr lang sein.
Hambüchen mit Rolling Stones gequält
So auch bei der gestrigen 20. Promi-Ausgabe. Den Anfang machte Olympia-Sieger Fabian Hambüchen, der von seinem Vater Wolfgang begleitet wurde. Mit dessen Hilfe konnte er für den Verein «Johannes Hablik» 125.000 Euro sichern. In den Plauder-Pausen erfuhr der Zuschauer, dass der Vorgarten der Familie Hambüchen aussieht wie ein Friedhof, der Vater den Sohn beim Training mit Musik von den Rolling Stones quält und Hambüchen gerne, aber zu selten Pizza isst. Aber zugegeben, seine Turneinlage, der Olympia-Sieger zeigte auf dem Ratestuhl einen Handstand, war nicht schlecht.
Comedian Dieter Nuhr, der 64.000 Euro für die SOS-Kinderdörfer erspielte, war überraschend unlustig - und das obwohl er vorab die Schuhgrößen aller Oscarpreisträger seit 1984 auswendig gelernt hatte. Jürgen Vogel dagegen sorgte für den ein oder anderen Lacher: Seine erste Lederjacke sei aus Gummi gewesen, das habe er aber erst nach einem Beißtest erfahren - seine Zähne seien dabei auf der Strecke geblieben, scherzte der Schauspieler. Sonst konnte Jauch Schulabbrecher Vogel, der 125.000 Euro für «Junge Helden Berlin» und das «Kinderhospiz Sternenbrücke In Hamburg» erspielte, entlocken, dass er nicht gerne Alkohol trinkt, früher als Küchenhilfe für Sarah Wiener gearbeitet hat und in seiner Jugend eine Hühnerbrust hatte. Immerhin.
Österreicherin Sarah Wiener, die 125.000 Euro für die «Sarah Wiener Stiftung» erzielte, wurde von Jauch als gebürtige Norddeutsche enttarnt und getadelt, weil sie nicht alle deutschen Skiflug-Weltmeister auswendig wusste. Jauch dagegen verriet im Gegenzug, dass sein Familienname so viel wie «Dorfdepp» bedeutet. Das war dann auch mal geklärt. Wieners Telefonjoker Johannes B. Kerner hätte vielleicht noch für einen Höhepunkt gesorgt, doch der TV-Moderator kam nicht zum Zug.
Highlights vorab in der Bild-Zeitung zu lesen
Die 20. Promi-Ausgabe der Quizshow war zum Teil unterhaltend, aber mindestens ebenso zäh und langatmig. Richtig große Lacher gab es nicht und das «Highlight» der Show war auch keine wirkliche Überraschung mehr, dafür hatte die fleißige RTL-Presseabteilung vorab gesorgt. Dass Fabian Hambüchen nicht die Millionen einheimst, dafür aber einen Handstand auf dem Ratestuhl vorführt, konnte man bereits vor Ausstrahlung der Sendung in der Bild lesen.
Und das war kein Einzelfall. Die Boulevard-Zeitung stürzt sich seit einigen Monaten auch auf die «normalen» Wer-wird-Millionär-?-Kandidaten. Früher musste man schon die Millionen geknackt haben, um es in die Bild-Zeitung zu schaffen, heute reicht schon eine skurille Geschichte. Ob Sex-Geständnis, Fußphobie-Erzählung oder Perücken-Beichte auf Jauchs Ratestuhl - fast scheint es so, dass die Kandidaten wie bei DSDS danach ausgewählt werden, ob sie etwas Spannendes zu erzählen haben.
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