Von news.de-Mitarbeiter Tobias Köberlein
Darf’s ein bisschen mehr sein? Der Bremer Tatort dreht wieder am großen politischen Rad. Inga Lürsen (Sabine Postel) und ihr Kollege Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) stoßen in ein Schlangennest aus alten DDR-Seilschaften. Das Ergebnis ist kurios anzusehen.
Man müsste mal sämtliche privaten Sicherheitsdienste durchleuchten. Könnte ja sein, dass sie von alten Stasi-Leuten gesteuert werden. Verwanzen, bespitzeln und überwachen – das waren schließlich die Kernkompetenzen des «Systems Mielke». Wilfried Huismann, der mit Dagmar Gäbel das Drehbuch zum aktuellen Bremer Tatort geschrieben hat, stellt eine gewagte Hypothese auf. Nach dem Ende der DDR habe die Staatssicherheit 20 Milliarden Westmark beiseite geschafft und damit ein weltumspannendes Firmennetzwerk aufgebaut. Natürlich alles im Dienste der «gerechten» Sache. Irgendwie muss es ja weitergehen mit der Weltrevolution.
«Schlafende Hunde» heißt dieser Tatort. Einmal geweckt, lassen sich die Bestien nicht mehr abschütteln. Ein glatzköpfiger Terrier mit verwegener Gesichtsbepflanzung ist das Haupt der alten Stasi-Clique, die im kapitalistischen Feindesland munter weitermacht. Dieser Herr Schröder (Heinz Werner Kraehkamp) leitet – natürlich – eine Sicherheitsfirma und schraubt in seiner Feizeit Ampullen mit noch zu DDR-Zeiten entwickelten Giften zusammen. Aus seinem «Führerbunker» in einer Bremer Kleingartenkolonie sorgt er zudem dafür, dass kommunistische Indio-Partisanen in Peru mit Boden-Luft-Raketen aus russischer Produktion versorgt werden. So weit, so krude.
Florian Baxmeyer, 2002 Gewinner des Studenten-Oscars in der Kategorie Kurzfilm, hat dieses wild wuchernde Skript verdichtet und einen recht straff inszenierten Film daraus gemacht. Allzu ernst sollte man den Plot allerdings nicht nehmen. Die Mär vom geheimen Stasi-Netzwerk, das sich 20 Jahre nach dem Mauerfall wie eine Krake über Deutschland gelegt haben soll, ist nun wirklich zu abstrus.
«Wer mit dem Teufel essen will, braucht einen langen Löffel», raunt Stasi-Terrier Schröder einmal geheimnisvoll. Adressat ist der Unternehmer Heinz Rodenburg (Jürgen Prochnow), ein alter «Freund» mit zweifelhafter Vergangenheit. Einst ließ er sich von Erich Mielke Orden verleihen, heute handelt er mit Kaffee aus der Fair-Trade-Produktion und legt in seiner mit Giacometti-Plastiken und Mondrian-Repliken veredelten Stadtvilla idealistische linke Aktivistinnen flach. Natürlich hat Stasi-Mann Schröder die Gemächer des Genossen längst verwanzt und mit geheimen Kameras ausgestattet. Schließlich lässt sich der Salon-Linke Rodenburg gut mit Filmchen erpressen, die ihn mit Gespielin (Laura Tonke) beim Koitus am Kaminfeuer zeigen.
Erpressen könnte man diesmal sogar Inga Lürsen. Die Kommissarin hat bekannterweise ebenfalls eine linke Vergangenheit, die diesmal recht ausführlich ausgebreitet wird. Ja, es wird richtig dick aufgetragen in diesem Tatort. Eine alte DDR-Akte taucht auf. Lürsen, einst in der Friedensbewegung aktiv, wurde bei der Stasi unter dem Decknamen «Schneewitchen» als IM geführt. Stedefreund wird misstrauisch, checkt sogar heimlich das Handy der Chefin. Steckt Lürsen gar mit der Stasi-Bande unter einer Decke? Zweifel über Zweifel – und reichlich Verschwörungsstuss, der sich zwar schnell wieder verflüchtigt, aber doch einen schalen Nachgeschmack hinterlässt.
Einen mit viel zu viel Ballast überfrachteten Tatort liefert das Bremer Duo diesmal ab. Politisches und Persönliches fließen ineinander. Der Wille zum großen Wurf – er ist überdeutlich, in beinahe jeder Szene blitzt er auf. Überzeugen kann dieser Fall aber dennoch nicht. Gegen Ende kommt sogar noch eine Inzest-Geschichte hinzu. Es wird melodramatisch – und vollends unglaubwürdig. Besser wär’s, wenn die Bremer beim nächsten Mal wieder an einem kleineren Rad drehen würden.
Tatort: Schlafende Hunde, Sonntag, 30. Mai, 20.15 Uhr, Das Erste
cvd/news.de
Also mit anderen Worten ein Dokumentarfilm. Die arbeiteten mit allen Tricks. Wenn Du Ostgeld in Berlin gegen Westgeld umtauschtest nach dem offiziellen Kurs, wussten es schon die Grenzpolizisten und filzten Dich. Die waren sich so sicher, dass sie etwas finden würden. Überall hatten sie im Westsektor ihre Spitzel rumlaufen und standen mit Walkie-Talkies in Kontakt. Die beschlagnahmten das Ostgeld und mein Westgeld. Räuberbande verfluchte.
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