Von Reinhard Kleber
In der Kinokomödie Tandoori Love singt und tanzt das halbe Bergdorf, umringt von glücklichen Kühen. Und ein indischer Koch bringt die Welt einer Schweizer Kellnerin mit einer Prise Curry ordentlich durcheinander.
Bollywood ist nicht nur hierzulande, sondern auch in der Schweiz «in». Die Alpenrepublik hat sogar weit größere Erfahrungen mit dem indischen Kommerzkino, denn die indische Filmindustrie nutzt schon seit den 1960er Jahren die schweizerische Bergwelt gerne als exotische Kulisse für ihre farbenprächtigen Herz-Schmerzdramen. Der Schweizer Autor und Regisseur Oliver Paulus vereint sein Faible für das Kochen und das indische Kino in einer skurrilen kulinarischen Komödie, die sich um eine interkulturelle Romanze dreht.
Im Berner Oberland begegnet der Inder Rajah (Vijay Raaz), der als Koch eines indischen Filmteams gerade in einem Supermarkt einkauft, der frisch verlobten Sonja (Lavinia Wilson). Rajah verliebt sich auf Anhieb in die adrette Sonja, fällt vor ihr auf die Knie und beginnt, ihr seine Gefühle vorzusingen. Um ihr näher zu kommen, heuert Rajah als Koch im Gasthof «Hirschen» an, den ihr Verlobter Markus (Martin Schick) betreibt. Allerdings weiß der nichts von den Gefühlen des Inders, der die unterkühlte Sonja mit seiner Kochkunst zu gewinnen hofft, schließlich geht Liebe ja durch den Magen.
Auch Rajah bekommt zunächst nicht mit, dass Sonja mit Markus verlobt ist. Nach anfänglicher Distanz beginnt Sonja, den exotischen Charme des Kochs zu schätzen, kann sich aber nicht von Markus trennen. Derweil läuft der Gasthof dank der indischen Spezialitäten Rajahs so gut wie noch nie. Dafür geraten die Dreharbeiten ins Stocken, denn die Bollywood-Diva Priya (Shweta Agarwal) verweigert den Einsatz vor der Kamera, seit ihr Leibkoch verschwunden ist.
Angereichert mit hintergründigem Humor lässt Regisseur Oliver Paulus (Wir werden uns wiederseh'n) indische Lebensfreude und alpenländische Behaglichkeit aufeinanderprallen, wobei er in einem eigenwilligen Stilmix Elemente des Dorfschwanks mit schwungvollen Tanz- und Musikeinlagen à la Bollywood kombiniert.
Mit einer guten Portion Selbstironie nimmt die Regie die Vorurteile stockbiederer Dörfler gegenüber exotischen Gästen aufs Korn und würzt die Culture-Clash-Burleske mit witzigen Einfällen wie zum Beispiel Musikern, die im indischen Stil jodeln. Manche Gags wie ein feister Mops im Rollstuhl werden als Running Gag aber rasch überstrapaziert. Auch das indische Team bekommt sein satirisches Fett weg, wird doch der Regisseur als Rabauke skizziert, der von der Diva stets «Mehr Tränen!» fordert.
Am besten gelungen in kunterbunten Filmcocktail sind die ausgelassenen Szenen, in denen der sinnliche Koch mit feinsten Leckereien Sonja und den Zuschauern das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Dass Liebe durch den Magen geht, zeigen zum Beispiel Tomaten, die bei verführerischen Kochzeremonien im Takt der Musik tanzen, oder Fischfilets, die sich ein- und ausrollen. Die kulinarische Opulenz gleicht zumindest zum Teil das Defizit an erotischer Spannung zwischen der zierlichen Lavinia Wilson (Lulu und Jimi) und dem nicht sonderlich attraktiven indischen Star Vijay Raaz (Monsoon Wedding) aus.
Die Tanz- und Gesangsszenen erreichen leider nicht die Dynamik der indischen Vorbilder, ihre Einbindung in die Dorfromanze wirkt oft genug holprig. Und nach einem beschwingten ersten Drittel gehen der weitgehend absehbaren Story allmählich die Ideen aus. Die Inszenierung schwächelt zudem umso mehr, je länger Sonja scheinbar unentschlossen zwischen den Männern schwankt, obwohl das Votum ihres Herzens dem Publikum längst klar ist.
Titel: Tandoori Love
Regie: Oliver Paulus
Darsteller: Lavinia Wilson, Martin Schick, Vijay Raaz, Shweta Agarwal, Verena Zimmermann
Produktionsland: Schweiz/Deutschland/Österreich 2008
Laufzeit: 92 Minuten
FSK: ab 6 Jahren
Kinostart: 27. Mai 2010