Mordermittler Wilfling «Ich nehme kein Blatt mehr vor den Mund»

Wilfling (Foto)
Josef Wilfling sieht sich selbst nicht gern als Ermittlerlegende: «Ich lebe ja noch.» Bild: Guido Krzikowski

Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Dass er einmal zur Mordermittler-Legende wird, hätte sich Josef Wilfling nicht träumen lassen. Im news.de-Interview erzählt der ehemalige Münchner Kommissar vom Fall seines Lebens und verrät, wie er mit dem Grauen zurechtkommt.

Sie waren 42 Jahre im Polizeidienst, seit einem Jahr sind Sie in Pension. Ist Ihr Leben langweiliger geworden?

Josef Wilfling: Dank des Buches, das ich über meine Arbeit geschrieben habe, nicht. Eigentlich habe ich mehr Termine als vorher. Das wollte ich so und es freut mich. Und ich habe mich schon immer mit dem Gedanken getragen, dass ich mal schreiben möchte.

Heißt dass, Sie haben Ihre zweite Karriere regelrecht geplant?

Wilfling: Nicht strategisch, aber geschrieben habe ich vorher schon, polizeiinterne Glossen oder ich habe Fälle aufgeschrieben. Nicht nur Polizeiprotokolle. Nach meiner Pensionierung habe ich gedacht, man darf nicht in Trägheit verfallen. Das ist sehr gefährlich, wenn man so engagiert war wie ich. Und so bin ich auch auf die Idee zum Buch gekommen. Bei dem Wort Trägheit ist mir eingefallen, dass es eine der sieben Todsünden ist. Im Buch stelle ich sieben Mordmerkmale heraus, die sich teilweise mit den sieben Todsünden decken. Dann habe ich für jedes Mordmerkmal einen Fall gesucht.

Im Klappentext Ihres Buches werden die Morde an Sedlmayr und Moshammer erwähnt, die Sie aufgeklärt haben. Sie selbst beschreiben aber ganz andere Fälle im Buch.

Wilfling: Ganz bewusst habe ich die Promimorde nicht aufgenommen. Erstens ist der Sedlmayr 20 Jahre zurück und schon verfilmt worden. Zweitens ist der für so eine kurze Geschichte nicht geeignet, das wäre ein Buch für sich. Was den Fall Moshammer betrifft. Das ist kein abgründiger Fall, wie ich sie beschreiben wollte. Das war ein ganz normaler Raubmord, auch wenn das Opfer prominent war.

Haben Sie das Gefühl, nach 42 Jahren Polizeidienst alles gesehen zu haben?

Wilfling: Alles erlebt habe ich natürlich nicht und die Fälle, die ich im Buch beschreibe, sind solche, wo man auch nach 20 Jahren dasteht, den Kopf schüttelt und sagt: Wie ist denn so etwas möglich? Das sind Verhaltensweisen, die die eigene Vorstellungskraft übersteigen und unerklärbar sind. Solche Fälle gibt’s immer wieder. Es gibt Leute, die machen das 50 Jahre und werden immer wieder was Neues erleben, das sie so nicht für möglich gehalten hätten. Der Mensch ist eben so.

Aufgrund der Aufklärung solcher Fälle sind Sie selbst bekannt geworden. Haben Sie während Ihrer Dienstzeit schon geahnt, dass Sie mal als legendär beschrieben werden?
`
Wilfling: Ich war zwar ziemlich bekannt und ich war auch bekannt dafür, dass ich gute Erfolge hatte, aber das Wort legendär habe natürlich nicht ich erfunden. Legendär ist man, wenn man schon tot ist. Ich lebe ja noch. Das sind halt die Medien. Es ist schmeichelhaft, aber ich bin eigentlich nicht für solche Superlative.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig