Aus dem Kittel ins Kurzzeitgedächtnis
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Von news.de-Mitarbeiterin Anna K. Bernzen
Artikel vom 21.05.2010
Allzweckmittel Arzt: Mit «Deutschlands größtem Gedächtnistest» moderierte Dr. Eckart von Hirschhausen bereits seine zweite große Show in der ARD. Anstelle von Röntgenbildern war räumliches Vorstellungsvermögen gefragt, den Wattebausch ersetzte ein Witzereigen.
Als Gülcan Kamps auf dem Bildschirm auftauchte, schien der Verlierer von «Deutschlands größtem Gedächtnistest», bei dem Promis mit ihren geistigen Fähigkeiten gegeneinander antreten, schon festgelegt. Wie alt bin ich im Kopf? Unter diesem Motto stand die gestrige Show. Dazu mussten sich die prominenten Gäste, wie der Zuschauer zuhause, Sachen merken wie die Anzahl der weiblichen Mitglieder eines kurz zuvor gezeigten Orchesters oder die Zutaten für ein Rezept. So viel Hirnleistung traute von Hirschhausen der jungen Moderatorin offenbar nicht zu, doch – Überraschung! Die Einstiegsaufgabe, bei der man sich Promi-Geburtstage merken musste, löste sie gekonnt – im Gegensatz zu ihren männlichen Mitspielern Guido Cantz, Markus Lanz und Gunther Emmerlich. «Richtig peinlich», fand Moderator Dr. Eckart von Hirschhausen, dass gerade sie richtig geraten hatte.
Ein Fettnäpfchen? Wohl eher kalkulierte Provokation. Um das Image des Über-Arztes abzuschütteln, versuchte von Hirschhausen sich gleich zu Beginn an flachen Gags, zweideutige Witze inbegriffen: «Was war denn das für eine Handbewegung?», grinste er schuljungenhaft, als Sternekoch Lafer mit einer Salatgurke hantierte. Ein weiteres Erfolgsrezept: Die Anleihe bei anderen beliebten Moderatoren, hier Michael Schanze: «Ob ihr Recht habt oder nicht, sagt euch gleich das Licht», witzelte er.
Doktorspiele mit Kassenpatienten
Doch so ganz konnte er dann nicht von den Arzt-Witzen ablassen. Als Gülcan mutmaßte, der Doktor wolle doch nur, dass sie sich ausziehe, antwortete der wie aus der Pistole geschossen: «Privat oder Kasse?» Wie gründlich von Hirschhausen seine Witze im Vorfeld überdacht hatte, merkte man jedoch am Ziegelstein-Gag. Um Gäste für einen Test auszuwählen, drohte er, einen mitgebrachten Ziegelstein ins Publikum zu werfen. Der Witz war so flach wie die Würfe, mit denen er stattdessen Bälle ins Publikum beförderte.
Dumm nur der direkte Vergleich mit Kollege Guido Cantz: Der übertraf den Moderator nämlich sowohl in Qualität als auch in Quantität seiner Gags. Schon früh hatte er sich auf die Seite von Gülcan geschlagen und versprochen, sie «vor dem bösen Doktor» zu beschützen.
Im verzweifelten Versuch, die rheinische Allianz aufzuspalten, gab von Hirschhausen sich versöhnlich: «Ich hätte das nicht gekonnt. Fantastisch, Gülcan!», lobte er ihr Ergebnis. Von Cantz wollte er sich dafür wohl etwas abgucken: Wie er denn so auf seine Witze komme, erkundigte von Hirschhausen sich und schob gleich einen eigenen nach: «Komisch, dass gerade die Griechen die Bilanzen getürkt haben.» Da mussten auch seine geistig so fitten Gäste kurz drüber nachdenken.
Ulk-Unterricht beim ARD-Kollegen
Dem wissenschaftlichen Anspruch der Show durfte von Hirschhausen bei gelegentlichen Einwürfen des Braunschweiger Gedächtnisprofessors Martin Korte frönen: Kein Gedächtnisdoping mit Medikamenten, und vor allem: viel trinken, «bei meiner Statur 3 Liter am Tag, bei ihrer immerhin noch 2,5», stichelte der Professor.
Von Hirschhausen nahm’s gelassen und legte stattdessen eine flotte Sohle mit Kandidatin Isabel Varell auf den glatten Studioboden. Deutlich eleganter war da allerdings Prima Donna, der Jack Russel von Supertalent-Gewinner Ivo Antoni, der für die Kandidaten Pirouetten drehte.
Ein Highlight, kurz vor der großen Ab- oder vielmehr Berechnung: «Bin ich 74?», fürchtete Guido Cantz sich vor seinem geistigen Alter. «Du bist einer der Schnelleren im Kopf», lobte hingegen von Hirschhausen. Schneller und vor allem lustiger. Gut nur, dass beide bei der ARD unter Vertrag stehen: Da ist sicher noch die eine oder andere Stunde Ulk-Unterricht fällig.
cvd/reu/news.de
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