Von news.de-Mitarbeiterin Stephanie Bremerich
Jedes sechste Kind in Deutschland lebt unterhalb der Armutsgrenze. Wie betroffene Familien ihren Alltag bewältigen und was es für Kinder bedeutet, arm zu sein, zeigt die Super Nanny in einer Spezialausgabe.
«Hartzen» leitet sich von Hartz IV ab und bedeutet soviel wie «arbeitslos sein» oder «rumhängen». Der Begriff wurde im vergangenen Jahr vom Langenscheid Verlag gewählt – und zwar nicht zum Unwort, sondern zum Jugendwort 2009.
Für die Kinder und Jugendlichen, die Katia Saalfrank diese Woche besucht, der blanke Hohn: Keiner von ihnen verwendet den Begriff. Wenn sie über ihren Alltag, ihre Sorgen, Wünsche und Hoffnungen sprechen, geht es um kleine Dinge und große Träume. Die 16-jährige Jacqueline möchte später Rechtsanwältin werden, der elfjährige Philipp träumt von einem eigenen Zimmer. Und die sechsjährige Lisa-Marie wünscht sich einfach nur einen neuen Schreibtisch, damit sie nach ihrer Einschulung ihre Hausaufgaben nicht auf dem Pappkarton machen muss, der ihr momentan als Malunterlage dient.
Dass die Super Nanny mehr kann, als mit erhobenem Zeigefinger überforderte Eltern in die Schranken zu weisen, zeigt sich in der dieswöchigen Sondersendung. Mit einer Spezialausgabe zum Thema Kinderarmut gelingt es dem RTL-Format tatsächlich einmal, mehr «Doku» als «Soap» zu sein. «Heute sollen die Kinder zu Wort kommen», sagt Katia Saalfrank. Dafür besucht sie verschiedene Familien in ganz Deutschland, die sich mit Hartz IV mehr schlecht als recht über Wasser halten.
Über elf Millionen Deutsche leben laut einer aktuellen Erhebung des Wirtschaftsinstituts DIW derzeit unterhalb der Armutsgrenze – das ist rund ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren und entspricht 14 Prozent der Gesamtbevölkerung. Vor allem junge Menschen und Familien sind betroffen: Statistisch gesehen ist jedes sechste Kind in Deutschland arm.
Hinter diesen Zahlen verbergen sich Einzelschicksale wie das der Familie Garm aus Berlin. Die Eltern und ihre vier Kinder leben in einer winzigen Dreizimmerwohnung; damit die ältesten Töchter ihr eigenes Reich haben können, verzichten die Eltern auf ihre Privatsphäre und teilen sich das Schlafzimmer mit den beiden Jüngsten. Der wöchentliche Gang zur Tafel, die beengte Wohnsituation, die Scham gegenüber der Gesellschaft – für Eltern und Kinder gleichermaßen eine Belastung. «Kinder nehmen Armut dabei meist ganz anders wahr», meint Katia Saalfrank.
Und diese Wahrnehmung hat nicht immer zwangsläufig etwas mit Geld zu tun. «Manchmal guckt Mama so traurig», bemerkt die kleine Anna, und das findet sie viel schlimmer, als dass es «heute nur Kartoffelsuppe» gibt. Werte, das macht die Spezialausgabe der Super Nanny deutlich, lassen sich nicht immer in Euro bemessen. Tatsächlich geht es die meiste Zeit um Solidarität innerhalb der Familien. Die Garms und ihre Kinder halten zusammen. Sie brauchen, ebenso wie die meisten anderen Familien, die Katia Saalfrank in dieser Sendung besucht, keine Erziehungsunterstützung. Sie brauchen schlicht Geld.
Das kann Katia Saalfrank ihnen zwar auch nicht verschaffen, doch dafür stellt sie einige ehrenamtliche Institutionen vor, die den Familien das Leben etwas erleichtern. Zum Beispiel den «Großelterndienst» in Berlin oder das private Betreuungsprojekt «Sonnenblume» in Bremerhaven, in dem Jugendliche freiwillig bei den Hausaufgaben helfen oder mit den Kindern basteln und spielen – ein Blick, der über den Tellerrand geht und auch auf Solidarität außerhalb der Familie in der Gesellschaft verweist.
Sicher, auch in dieser Ausgabe der Super Nanny wird ordentlich auf die Tränendrüse gedrückt. Doch dass die Sendung dabei statt auf Krawall auf die leisen Töne setzt, dass sie die feinen Nuancierungen in Einzelschicksalen aufzeigt, die sie sonst gern mit stereotyper Schwarzweißmalerei überblendet – all das macht sie zu einer Sendung, die den Titel «Doku-Soap» tatsächlich einmal verdient hat. Im positiven Sinn.
cvd/news.de
HartzIV ist ein großes Problem doch das Problem der fehlenden u unzureichenden Erziehung der Eltern ist wesentlich schlimmer.Unterhalb der Armutsgrenze zu leben ist schlimm,doch warum scheren sich viele Eltern ein "scheiß" um ihre Kinder.In den Büchern von Bernd Siggelkow(Gründer der Arche)wird sehr gut dargestellt wie wichtig richtige Erziehung ist.Die Menschen sollten dahingehend unterstützt werden sich um ihre Kinder zu kümmern!Positve Kommunikation ist wichtig!Statt dessen sehen sie lieber fern und schicken ihre Kinder nach draußen..ganz allein..das ist keine Erziehung!Kinder sind Zukunft
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