Von Lorenz Eichhorn
Anna Fischer zählt zu den großen Nachwuchstalenten des deutschen Films. Jetzt ist sie in der ARD-Romanverfilmung Masserberg zu sehen. Im Interview spricht sie über die Rolle der schrillen Mel, ihre Erinnerungen an die DDR und ihre Band Panda.
Die Figur der Mel ist die einer explodierenden Teenagerin. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Anna Fischer: Gar nicht. Ich habe auch mit Absicht das Buch nicht vorher gelesen. Ich wollte es lesen, aber der Regisseur Martin Enlen meinte, dass ich so frei wie möglich an die Rolle rangehen soll. Der Film ist zwar nach dem gleichnamigen Roman von Else Buschheuer, aber nicht eins zu eins. Daher dachte ich, wenn es der Regisseur so frei wie möglich haben will, dann gehe ich da so frei wie möglich rein.
Was hat Sie an der Rolle des erblindenden Mädchens in einer DDR-Augenklinik der 1980er Jahre gereizt?
Fischer: Es ist eine super tolle Hauptrolle und ein niveauvolles Buch. Die Rolle ist dramatisch und sehr ernst zugleich. Mel versucht immer, alles irgendwie herauszukitzeln. Immer wieder zerbricht sie daran und weiß nicht, wie es weitergeht. Und trotzdem findet sie einen Weg. Die Rolle der Mel ist einfach genial.
Der Film zeigt ein Stück DDR-Geschichte. Als die Mauer fiel, waren Sie drei Jahre alt. Was bedeutet die DDR für Sie?
Fischer: Das Problem ist doch, dass sich Dinge nicht von heute auf morgen ändern. Die Kindergärtner haben nach der Wende trotzdem noch so weitergearbeitet. Du kannst nicht von den Menschen erwarten, dass sie nach 40 Jahren ihr Leben komplett ändern, es sind komplette Welten zusammengebrochen. Der Mufo, der Multifunktionstisch, den gab es noch zehn Jahre nach der Wende in unserer Wohnung. Ich habe viel von meinen Eltern gehört und mich mit meiner eigenen Geschichte beschäftigt.
Waren in Ihrer eigenen Familie politisch-gesellschaftliche Fragen nach dem Zusammenbruch der DDR ein Thema?
Fischer: Absolut. Es fing doch schon damit an, dass man nur spezielle Musik hören durfte. Und mein Vater musste in der Armee dienen und war auch kurze Zeit an der Grenze stationiert. Er fand es furchtbar. Darüber redet man natürlich und will es Revue passieren lassen. Ich denke, in jeder Familie gab es irgendwo jemanden, bei dem man dachte, der gehört doch zur Stasi. Das Thema DDR wurde einfach aufgenommen, und jeder hatte damit zu tun.
Ist die DDR, so wie sie in dem Film gezeigt wird, eher Fiktion oder Wirklichkeit?
Fischer: Man will für den Zuschauer etwas klarstellen. Der Zuschauer soll verstehen, um was es da geht. Dass zum Beispiel Menschen ausspioniert wurden, dass Akten gehalten wurden, dass Gespräche geführt wurden über Menschen, dass ausgehorcht wurde. All dies sind Fakten, die wir kennen. Jeder hat aber seine eigene Geschichte. Du wirst auf Menschen treffen, die sagen, es war alles viel schlimmer als im Film dargestellt. Und auf welche, die sagen, es war doch gar nicht so schlimm, es ist alles überdeutlich dargestellt. Du wirst immer auf Menschen treffen, die dir etwas anderes von der DDR erzählen.
Sie sind nicht nur Schauspielerin, sondern auch Sängerin und Songwriterin der Band Panda. Welche Projekte verfolgen Sie aktuell und in welchen Filmen werden Sie zu sehen sein?
Fischer: Man darf gespannt sein. Bei der Musik ist es nicht wie mit einem Film, den man mal drei Monate macht. Musik ist ein Prozess, der passiert. Viele Musikerkollegen sagen: Ich kann eine Woche ins Studio gehen und danach habe ich ein Album voll. Bei mir ist es nicht so, ich brauche Zeit. Das nächste Album dauert noch. Es kommen aber noch zwei Filme mit mir ins Kino. Zum einen die wunderschöne Walt-Disney-Verfilmung Groupies bleiben nicht zum Frühstück von Regisseur Marc Rothemund. Dann noch Wir sind die Nacht von Dennis Gansel, eine tolle Vampirgeschichte.
Der Durchbruch gelang Schauspielerin Anna Fischer mit ihren Rollen in Liebeskind und Fleisch ist mein Gemüse. Am 19. Mai, 20.15 Uhr, zeigt die ARD nach dem gleichnamigen Roman von Else Buschheuer das Melodram Masserberg mit der 23-Jährigen in der Rolle eines rebellierenden Teenagers.
car/reu/news.de/ddp