Von news.de-Redakteurin Kristina Schmidl
Deutsche Musik im Duett, Party und jede Menge Spaß – zumindest für Schlagerfans, die es in Deutschland ja auch geben soll: Das ist Die neue Hitparade, die bei RTL2 in die zweite Runde gestartet ist. Eher dürftig moderiert von Aleksandra Bechtel und Thomas Anders.
Das Deutsche Hitparadenmikro in der Kategorie Duett wurde verliehen - in einer fragwürdigen Sonntagabendshow, bei der sämtliche B-Promis in der Jury völlig unglaubwürdig vorgaukeln, absolute Fans deutscher Schlagermusik zu sein. Gewonnen haben es Tobee und Marry mit Tausendmal Du von der Münchner Freiheit.
Doch bis das Gewinnerpaar feststand, musste der Fernsehzuschauer schon einiges über sich ergehen lassen: Zuallererst hüpft ein Rudel pinkfarbener Stewardessen in Glitzerminis wie wild geworden um Michael Wendler herum, der von einer durchzechten Nacht singt und jammert, dass ihm, nachdem er all sein Geld vertrunken habe, gar nichts mehr bleibe, sollte die Angebetete ihn auch noch verlassen. Ach herrje, der arme Mann.
Kaum ist der letzte Ton verklungen, springt die Big-Brother-Gute-Laune-Allzweckwaffe Jürgen Milski hinter dem Jury-Pult hervor und ruft: «Das ist der beste Wendler, den ich je gesehen habe.» Und an Wendler gerichtet schreit er: «Du geile Sau!» - Hä? Da fragt man sich als TV-Zuschauer schon sehr nach dem Niveau dieser Sendung. Auch, wenn man Schlager vielleicht tatsächlich mag.
«Wirklich eine ganz, ganz tolle Sache»
Im Bottroper Prisma wird zwar kräftig geschunkelt, geklatscht und gejubelt, aber die ach so tolle Stimmung wirkt schon arg gezwungen, teilweise sogar völlig gestellt. Schließlich müssten die Moderatoren die Künstler sonst nicht immer wieder fragen, wie sie Die Neue Hitaparade denn finden, und sich beinahe von jedem einzeln bestätigen lassen, dass das an Dieter Thomas Hecks Hitparade angelehnte Format «wirklich eine ganz, ganz tolle Sache» sei. Allesamt in der Hoffnung auf ein Nachleben auf dem öffentlichen Parkett nach der Heckschen guten alten Zeit des deutschen Schlagers, bleibt wohl keinem eine andere Antwort übrig.
Auch die Jurymitglieder betonen immer wieder brav, dass sie total auf Schlager abfahren. «Hach, war das toll, ich bin ja so ein Karel-Gott-Fan», raspelt etwa das Fotomodell Monica Ivancan Süßholz ins Mikro, nachdem Karel Gott mit DJ Ötzi Fang das Licht interpretiert hat. Glauben mag man ihr das nicht. Und auch als der moderierende Ex-Modern-Talking-Star Thomas Anders mit ihm außer Konkurrenz das Lied von der Biene Maja anstimmt, wirkt es nicht, als hätte die Jury wirklich Spaß.
Schlagerexperte, so macht die Jurybesetzung glauben, wird man übrigens, indem man als irgendetwas oder irgendwer in einer x-beliebigen Sendung des Privatfernsehens auftritt. Das zumindest könnte eine plausible Erklärung dafür sein, warum neben Monica und Jürgen auch Alida-Nadine Kurras, die genau wie Jürgen durch die RTL2-Reality-Soap Big Brother bekannt geworden ist, in die Jury berufen wurde.
Fünf Duette stehen zur Wahl
Genau wie der Fernsehzuschauer haben die Jurymitglieder eine recht schwierige Aufgabe. Sie sollen einschätzen, welches Schlager-Duo das beste ist. In regelmäßigen Abständen fragen Thomas Anders und Aleksandra Bechtel, welches der fünf Duos ihrer Meinung nach am Ende der Sendung das Deutsche Hitparadenmikro gewinnen wird. DJ Ötzi und Karel Gott, Claudia Cacciato und Vittorio «Vito» von «Destivo» mit Basta, Basta, Tobee und Marry mit Tausendmal Du, Antonia aus Tirol und Olaf Henning mit 13 Tage und Nächte oder Jürgen Drews und «Die Atzen» mit Sonnenstudio Marion. Die Auswahl dieser Titel übrigens geht auf eine Abstimmung des RTL2-Publikums zurück. Es konnte vor der Sendung online die fünf schönsten Schlagerduette wählen und während der Sendung entscheiden, wer das Deutsche Hitparadenmikro gewinnt.
Zwischen den fünf Duetten wird die Entscheidung mit Soloauftritten von DJ Ötzi, Wenke Myhre, Michelle und Konsorten gewaltig in die Länge gezogen. Und damit nicht nur die selben Künstler auftreten wie in der ersten Ausgabe, und es auch richtig was zum Gucken gibt, lässt man auch Newcomer wie die halbitalienische Schönheit Diana Sorbello mit Mama Maria auftreten. Nichtsdestotrotz zieht sich die Sendezeit wie Kaugummi. Irgendwann steht das Gewinnerduo dann aber doch fest: Tobee und Marry. Einmal noch treten sie auf die Bühne, das Publikum schunkelt und klatscht noch einmal zu Tausendmal Du im Takt, die Jury grinst in die Kamera. Und dann: Endlich, aber auch endlich ist der Spuk vorbei.
Schlagerfans, die die «Neue deutschen Hitparade» verpasst haben, können sich sämtliche Songs aus der Show auf einer CD zur Sendung anhören. Sie heißt «Die Neue Hitparade - Die Schlager Party der Megastars».
car/reu/news.de