Von news.de-Mitarbeiterin Cornelia Wystrichowski
Trockener Humor, schräge Typen und genüsslich gezeichnete Skizzen aus der Provinz: Mord mit Aussicht heißt die skurrile Krimiserie, die vor zwei Jahren im Ersten lief und nun endlich fortgesetzt wird.
In der von Kritikern hochgelobten Krimiserie Mord mit Aussicht verschlägt es die von Caroline Peters gespielte Kölner Großstadtpflanze Sophie Haas in ein Eifelnest, wo sie zwischen Misthaufen, Hühnerstall und Dorfkneipe auf Mörderjagd geht. Damit das Publikum nach der langen Wartezeit wieder in die Handlung findet, wiederholt die ARD zunächst die sechs alten Folgen und knüpft dann nahtlos mit sieben neuen Episoden an – von 18. Mai an immer dienstags um 20.15 Uhr.
Als die Polizistin Sophie von Köln nach Hengasch in einen Landkreis mit dem sprechenden Namen Liebernich versetzt wird, ist sie total frustriert. Mehr Kriminalität als Wirtshausschlägereien und Lausbuben, die Kühe schubsen, scheint es in dem Kaff, in dem die Uhren enervierend langsam ticken, nicht zu geben. Doch aus lauter Langeweile stöbert die forsche Sophie, die mit schicken Klamotten, Pumps und Sonnenbrille im langen blonden Haar nach Hengasch passt wie die Faust aufs Auge, doch ein paar Fälle auf und klärt gleich mal eine 30 Jahre alte Brandstiftung auf.
Den behäbigen Dörflern ist die eifrige Städterin natürlich höchst lästig.
Verfolgungsjagden bei Tempo 30, eine tote Weinkönigin, Jagd auf Wilderer statt auf Mafiosi: Mord mit Aussicht, produziert von Alfred Bioleks in finanzielle Schwierigkeiten geratener Firma Pro GmbH, ist der Gegenentwurf zu düsteren Serien wie KDD oder Im Angesicht des Verbrechens. Statt Action gibt es lakonischen Witz und liebevollen Spott über die Provinz, es wird viel recherchiert und kombiniert.
«Manche würden das vielleicht altmodisch nennen, ich finde es klassisch», sagt Caroline Peters, die festes Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater ist. Die Details über das Provinzleben hat sich Drehbuchautorin Marie Reiners nicht aus den Fingern gesaugt: Sie hat seit 2005 einen Zweitwohnsitz in einem winzigen Eifeldorf und verarbeitet den Kulturschock und ihre Erlebnisse in der Serie: «Fast jede Geschichte hat einen realen Hintergrund», erzählt Reiners.
Die ebenso schrägen wie warmherzigen Provinzkrimis punkten auch mit vielen liebevoll gezeichneten Nebenfiguren, allen voran Sophies vollbärtiger Assistent Dietmar, ein Pantoffelheld wie aus dem Bilderbuch. Schauspieler Bjarne Mädel, bekannt als Unglücksrabe Ernie aus der Sitcom Stromberg, macht aus der Figur des biederen Beamten ein kleines Kabinettstück – herrlich die skurrile Szene, in der Dietmars dralle Ehefrau Heike (Petra Kleinert) ihren «Bären» nach Feierabend mit Wurstbrot füttert, während er im Fernsehen Kegeln schaut. Zum starken Ensemble der Serie gehört außerdem unter anderem Hans Peter Hallwachs als Sophies vom Rentnerdasein gelangweilter Vater, der seiner Tochter aufs Land folgt und sie mit seinen weisen Kommentaren beglückt.
Mord mit Aussicht, dienstags vom 18. Mai an, 20.15 Uhr, Das Erste
car/ruk/reu/news.de