Der Minister des Äußersten
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Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Artikel vom 12.05.2010
Guido Westerwelle hat nicht viel zu lachen in diesen Tagen. Jetzt haben auch noch zwei Autoren des Satiremagazins Titanic die «offizielle Biographie» des Außenministers geschrieben. Guido außer Rand und Band zeigt: Der Vizekanzler liefert genug Steilvorlagen, um 160 amüsante Seiten zu füllen.
Kann das gutgehen? Eine satirische Betrachtung als Buch? Auch noch über ein einziges Thema? Satire lebt ja davon, gerade in der Titanic, dass sie kurz, aber treffsicher zusticht statt ein Opfer permanent zu umschwirren. Und Guido Westerwelle hat ja wahrlich schon genug Freiwillige auf den Plan gerufen, die ihn bereitwillig durch den Kakao ziehen.
Guido außer Rand und Band funktioniert trotzdem. Zwar wirken ein paar der Wortspiele ein wenig bemüht - da merkt man dann doch, dass Satire besser funktioniert, wenn sie sich ihr Opfer nicht suchen muss, sondern wenn das Opfer sich förmlich selbst aufdrängt. Aber vor allem die Gliederung des Buches sorgt dafür, dass hier keine Langeweile aufkommt. Denn die, wie es auf dem Cover heißt «offizielle Biographie» ist keine verballhornte Lebensgeschichte, sondern nähert sich Guido Westerwelle in jedem Kapitel aus einer anderen Richtung.
So gibt es beispielsweise ein Protokoll davon, was damals im Big-Brother-Container wirklich geschah, die Frage, was eigentlich noch einmal die Projekte 1 bis 17 waren, einen Psychotest für den Leser («Wie viel Westerwelle steckt in ihnen?») und die fast rührende Erzählung Die Leiden des jungen W.
Am besten funktioniert Guido außer Rand und Band, wenn es echte Westerwelle-Zitate mit erfundenen mischt und dabei gekonnt die typische FDP-Rhetorik imitiert. Dann entlarven die Autoren Stefan Gärtner und Oliver Nagel wunderbar die neoliberale Ideologie und lassen all die Forderungen nach Steuersenkungen und Eigenverantwortung absurd wirken.
Wunderbar funktioniert auch die Gastanalyse von Mark-Stefan Tietze. Sein Blick in Westerwelles Psyche namens Der letzte Popper charakerisiert den Vizekanzler in manchen Passagen wohl treffender, als dem lieb sein kann.
Dazu gibt es viele Stellen, an denen man beim Lesen mehr als nur schmunzeln muss. Beispielsweise bei der Behauptung, Guido Westerwelle blicke ab und zu in den Terminkalender von Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel, wenn er Aufheiterung brauche. Oder die grandiose Antwort im Marcel-Proust-Fragebogen. Auf die Frage nach seinem größten Fehler antwortet der imaginäre Westerwelle da mit «Mein großes Herz.» Viel mehr Humor kann in drei Worten kaum stecken.
Titel: Guido außer Rand und Band
Autoren: Stefan Gärtner und Oliver Nagel
Verlag: Rowohlt Berlin
Umfang: 160 Seiten
Preis: 9,95 Euro
Veröffentlichung: Mai 2010
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Tja, nicht umsonst gibt es im Radio die verschiedensten Mini-Hörspiele ("Supermerkel","Angie und die Westerwelle", ...) Kabarettisten und Imitatoren schißen eben immer noch scharf ;-)
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