Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh
David Hasselhoff hat in seinem Leben einiges erlebt: große Erfolge als Sänger und Schauspieler, dann der Karriereknick, Ehe und Alkoholprobleme. Jetzt arbeitet er an seinem Comeback. Da kommt die Veröffentlichung seiner Autobiographie gerade richtig.
David Hasselhoff war in den 1980er und 1990er Jahren der wohl weltweit bekannteste TV-Star. Knight Rider und Baywatch bescherten ihm sogar einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde - als meistgesehenster Fernsehstar der Welt, der Eintrag gilt bis heute. Im Jahr 1996 etwa hatte Baywatch wöchentlich mehr als 1,1 Milliarden Zuschauer in 142 Ländern.
Doch ein wirklicher Superstar ist «The Hoff», wie ihn seine Fans gerne liebevoll nennen, schon längst nicht mehr. Zumindest machte er in den vergangenen Jahren nicht als Serienstar oder Sänger Schlagzeilen, sondern sorgte nur noch als Promi mit einem erheblichen Alkoholproblem auf den Klatschseiten für Furore.
Längst legendär ist das «Burger-Video», dass den 57-Jährigen im extrem alkoholisierten Zustand beim Essen eines Hamburgers zeigt. Das Video wurde von seiner Tochter Taylor Ann aufgenommen. Sie wollte ihrem Vater damit zeigen, in was für einen furchtbaren Zustand der Alkohol ihn bringt. Doch dann landete der Film auf Youtube und plötzlich war Hasselhoff weltweit wieder eine tagesaktuelle Berühmtheit.
Flucht nach vorn
Nun soll Hasselhoff sein Alkoholproblem aber in den Griff bekommen haben - also der perfekte Zeitpunkt, die Flucht nach vorne anzutreten, um sein Image wieder aufzupolieren. Ein neues Album soll es geben, eine TV-Reality-Show, die den «wahren» David Hasselhoff zeigen soll, eine Gastrolle in der US-Serie Schatten der Leidenschaft, in der seine TV-Karriere einst begann, und ein Knight-Rider-Musical in Las Vegas.
Und zu jedem guten Comeback gehört natürlich auch eine Autobiographie. Und die hat Hasselhoff nun mit Wellengang meines Lebens vorgelegt, mit der er vor allem eines sagen will: «Ja, ich habe schwere Jahre hinter mir, aber ich bin immer noch der gute alte David aus Knight Rider und Baywatch. Habt mich wieder lieb, denn ich stehe offen zu meinen Abstürzen und bereue sie auch.»
Eines ist klar: Mit seiner Biografie will Hasselhoff in erster Linie sein angeschlagenes Ego rehabilitieren. Doch der Schauspieler und Sänger hat in den vergangenen Jahrzehnten auch sehr viel erlebt, das es wert ist, erzählt zu werden. Doch das Problem des 400 Seiten starken Buches ist, dass sein Autor tatsächlich keine Episode seines Lebens auslässt - vor allem die unspannenden, wie seine erste Liebe (wo nichts lief), jedes kleinste Detail seines Aufstieges in Hollywood oder seine Reise nach Australien.
«Dad, bist Du schwul?»
Doch es gibt auch interessante Passagen im Buch. Etwa wenn Hasselhoff über die Baywatch-Dreharbeiten schreibt: «Der Sand war höllisch heiß, das Wasser mit Giftstoffen verseucht. Jede Woche erschien eines der Mädchen mit einer veränderten Körbchengröße zur Arbeit, mit einer neuen Tätowierung, die abgedeckt werden musste, oder einer persönlichen Krise». Oder wenn er über seine emotionale Ader spricht: «Meine sensible Ader habe ich von meinem Vater. Meine Töchter haben mich schon gefragt: ‹Dad, bist Du schwul?› Ich antwortete: ‹Nein, warum?› Sie: ‹Weil Du über alles mögliche weinst!›»
Und auch die Dramatik kommt in Hasselhoffs Biographie nicht zu kurz - während der Baywatch-Dreharbeiten kam es zu einer Situation, die ihn in Todesangst versetzte: «Eine Sauerstoffflasche schlug mir gegen den Kopf. Als ich ein paar Minuten später wieder zu mir kam, trieb ich unter Wasser mit dem Gesicht zur Oberfläche und atmete Wasser statt Luft ein. Ich fing an zu husten, und mein erster Gedanke war: ‹Die Einschaltquoten werden garantiert raketenartig nach oben schnellen, wenn ich es nicht schaffe.›»
Über seine Alkoholsucht spricht er natürlich auch: «Wenn ich mit der Band auf Tournee war oder bei Dreharbeiten, zogen viele Jungs in den Nächten um die Häuser und erzählten am nächsten Morgen von den Mädchen, die sie in Bars und Clubs getroffen hatten. Ich grinste dann, und sie fragten: ‹Und was hast Du die letzte Nacht gemacht?› Ich sagte: ‹Ich bin über die Minibar hergefallen.›»
Kein spannender Lesefluss
Für richtige «The Hoff»-Fans ist die Biographie sicherlich ein Muss, für alle anderen kann das Lesen des dicken Buches zur Qual werden. Zwar sind viele Details aus Hasselhoffs Leben tatsächlich lesenswert, aber zu viele unwichtige Einzelheiten verhindern einen spannenden Lesefluss. 200 Seiten weniger hätten Wellengang meines Lebens lesenswerter gemacht. Die vielen interessanten Bilder aus dem Leben von Hasselhoff (mit Lady Diana, den Clintons oder auch Muhammed Ali) werden jedoch auch gelangweilte Leser wieder aufmuntern.
Aber auf der anderen Seite muss man Hasselhoff auch dafür loben, dass er erst mit 57 Jahren seine Biographie vorlegt. Viele seiner Promi-Kollegen haben zu diesem Zeitpunkt schon die dritte Fortsetzung ihrer Memoiren auf den Markt geworfen. Unter diesem Gesichtspunkt sieht man Hasselhoff die 400 Seiten gerne nach.
Autor: David Hasselhoff
Titel: Wellengang meines Lebens
Verlag: Edition Koch
Seitenzahl: 400 Seiten
Preis: 24,95 Euro
Erscheinungsdatum: Mai 2010