Von news.de-Redakteur Andreas Schloder
«We love to entertain you», das hat sich der Fernsehsender ProSieben groß auf seine Fahnen geschrieben. Mit dem Vorcasting für die neue Popstars-Staffel ist das gelungen - wenn auch auf andere Weise.
Room 2012, Queensberry, Some & Any: Das waren vielleicht Popstars - zumindest in der gleichnamigen Castingshow des Privatsenders. Jetzt muss wieder Nachschub für die breite Teenie-Landschaft her. Doch nach wem soll denn jetzt gefahndet werden? «Unter dem Motto ‹Girls forever› suchen wir Mädchen und junge Frauen mit Talent, die eine gute Stimme und Stimmung mitbringen und das Zeug dazu haben, auf der Bühne zu stehen und das Publikum zu begeistern», erklärt Programm-Manager Daniel Rosemann die Motive für die neunte Staffel des ProSieben-Dauerbrenners Popstars.
Eine Girlie-Band soll es also wieder richten und an die erfolgreichen Zeiten der No Angels und von Monrose anknüpfen. Nach den bisherigen acht Staffeln gingen die Verantwortlichen «ganz neue Wege», wie ProSieben-Sprecher Frank Wolkenhauer erklärt. Vier Wochen lang reiste die Popstars-Crew quer durch die Republik - von Aachen bis Nürnberg, von Mannheim bis Leipzig - und machte Halt in 16 Städten. Das waren gleich vier Mal so viele wie für die vergangene Staffel.
Auch eine Neuerung: das Vorcasting zum Casting. «Bisher blieben den Bewerbern immer nur wenige Sekunden, um die Jury zu überzeugen. Wenn man zu aufgeregt war und trotz Können nicht singen konnte, war der Traum von der Karriere schnell geplatzt. Da gingen uns bestimmt schon einige Talente durch die Lappen», sagt ProSieben-Sprecher Wolkenhauer.
Es gibt aber auch andere Gründe: Aussortieren. Heißt: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. «Mit diesem Off-Air-Casting wollten wir denen die Möglichkeit nehmen, die sich nur vor der Kamera präsentieren wollen», erklärt Wolkenhauer. Nach Angaben des Pressesprechers wäre es bei dieser frisch abgeschlossenen Staffel-Sichtung aber gar nicht nötig gewesen. «Es war überhaupt das Phänomen zu betrachten, dass wir eine hohe Qualität der Bewerber vorfanden.» Und: «Zu viele Leute sollten gar nicht kommen.»
Schlechte Karten für DSDS-Fans
Beim Casting in Leipzig am Muttertag nahm man das wörtlich. Wer überfüllte Kinosäle mit Teenies erwartet hatte, die noch seelischen Beistand ihrer mitgereisten Muttis bekommen, lag komplett falsch. Genauso wie Nummer 41, oder auch Maria im wahren Leben genannt. «Eigentlich wollte ich mal so ein Casting ansehen. Dass ich gleich selber vorsingen muss, war nicht geplant», sagt die aufgelöste 24-Jährige, als sie nach ihrer Gesangsprobe aus dem abgeschotteten Kinoraum wieder herauskommt. Doch ganz unvorbereitet trat die Leipzigerin nicht vor die Juroren. Mit dem Song Für Dich von Yvonne Catterfeld wollte sie verzaubern. «Ich hatte aber dann den Text vergessen», so Nummer 41. Auch die Beurteilung des englischen Titels fiel wahrscheinlich eher dem Politikum als der Stimme zum Opfer: Don't believe von Deutschland sucht den Superstar-Gewinner Mehrzad Marashi.
Auch ihre gleichnamige Freundin, Nummer 42, versuchte es mit Yvonne Catterfeld besser zu machen. «Ich musste unterbrechen, weil mein Sächsisch so deutlich zu hören war, meinte einer der Juroren», sagt Maria.
Juroren? Also Popstars-Papa Detlef D! Soost und die Neukollegen Thomas Stein und Marta Jandova als Dreier-Jury waren selbst da? Weit gefehlt. «Ich habe die noch nie gesehen. Ich dachte eigentlich, ich treffe den D.», antwortet Maria. Nur die Kandidatinnen selbst waren die einzigen und werden es auch bleiben, die die anonyme Jury zu Gesicht bekamen. «Das sind Musikexperten, die schon sehr lange bei uns in der Produktion sitzen und mit Popstars viel Erfahrung haben», entgegnet Pressesprecher Wolkenhauer. Doch was deren musikalische Vorprägung ist, weiß er nicht.
«Isch kann doch meinen Text noch gar nischt!»
Wer jedoch richtig was von Musik versteht, ist Patricia. Die 23-Jährige hat beim Tanken im Radio vom Casting gehört. Und es als gute Probe für den Bundesentscheid im Chorsingen empfunden, an dem sie in der kommenden Woche in Dortmund mit ihrem Ensemble antritt. «Ich freue mich auf das Vorsingen. Wollte schon immer einmal die Akustik in einem Kinosaal testen», sagt die Leipziger Sopranistin, die 14 Jahre lang im Kinderchor des Mitteldeutschen Rundfunks gesungen hat. «Und es kostet ja nichts.»
Fünf Minuten später kommt sie aus dem Saal raus - und hat keinen Zettel dabei, den sie für das große Casting im Juni gebraucht hätte. Doch statt Tränen aus Frust muss sie nur herzlich lachen. Sie hatte Hallelujah ausgesucht und wollte damit Herzen erweichen. Doch das war den Juroren zu klassisch. Was Fetziges war gewünscht. «Ich hatte nichts anderes einstudiert und wurde gefragt: Kennst Du Cascada? Ich musste leider passen, erinnert sich Patricia, während sie in ihrer Erzählung von Nummer 46 irritiert wird, die an ihr hektisch vorbei in Richtung Aufnahmeraum geht: «Isch kann den Text noch gar nischt.»
Als Patricia nach ihrer Textsicherheit zu Killing me softly gefragt wurde, was sie definitiv nicht als fetzigen Song versteht und dann gesungen hatte, wurde ihr nur mitgeteilt: «Du bist eigentlich eine ganz Pfiffige, aber du triffst die Töne nicht».
Im Juni werden an zwei Terminen die Castings weitergehen. Die neunte Staffel von Popstars wird voraussichtlich in 16 Folgen ab August auf ProSieben zu sehen sein.
car/ivb/news.de