Von news.de-Mitarbeiter Armin Peter
Drei Tage vor einer wichtigen Landtagswahl kann eine Polit-Talkshow schnell in wüste Streiterei ausarten - mit skurrilen Ausrutschern. Maybritt Illner musste bei Beantwortung der Frage «Sind wir die Griechen von Morgen?» um Gehör bei ihren Gästen kämpfen.
Dass in Krisenzeiten der Ruf nach einem starken Bundeskanzler wie Helmut Kohl ertönt, muss einen zunächst nicht verwundern. Es wirkt dann allerdings doch etwas skurril, wenn sich plötzlich ausgerechnet die Spitzen von SPD und Grünen als Kohl-Fans outen. So geschehen bei Maybrit Illner: Jürgen Trittin wünschte sich von der CDU «mehr Helmut Kohl und weniger Stammtisch».
Kohl, so Trittin weiter, hätte nicht gezögert, Griechenland schnell und entschlossen zu helfen. Merkel hingegen habe durch ihr zögerliches Handeln Spekulanten in die Hände gespielt und den Preis für die Hilfe in die Höhe getrieben.
Auch Sigmar Gabriel, Parteivorsitzender der SPD, fand warme Worte für Altkanzler Kohl: «Er hätte den Bürgern sofort die Wahrheit gesagt, und schnell eine gemeinsame europäische Lösung angestrebt.» Merkel und die FDP aber hätten durch taktieren gehofft, die Kredite für Griechenland auf die Zeit nach der NRW-Wahl verschieben zu können.
Falsch, meinte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe: «Dadurch, dass wir nicht gleich das Scheckbuch gezückt haben, konnte sichergestellt werden, dass sich die Griechen auch wirklich ein hartes Sparprogramm auflegen würden. Das hat mit der Wahl nichts zu tun!»
Ach ja, die Landtagswahl. Hätte sie nicht allen anwesenden Politikern merklich im Nacken gesessen, wie friedlich hätte die Debatte werden können: «Sind wir die Griechen von morgen?» Mehr wollte Maybrit Illner von ihren Gästen gar nicht wissen.
Morgen ist noch weit, eine deutsche Staatspleite erstmal nicht in Sicht. Wohl aber die NRW-Wahl: Der kleine Zusatz «Kassensturz vor der NRW-Wahl» zeigte, in welche Richtung die Diskussion gelenkt werden sollte.
Und diese Starthilfe wäre nicht einmal nötig gewesen: Schon nach kürzester Zeit hatten sich Gabriel und Trittin an FDP-Generalsekretär Christian Lindner festgebissen, der wieder einmal in prächtigsten Wahlkampfphrasen für die Steuersenkungspläne der FDP abgewatscht wurde. Der Druck war erheblich, denn der eloquente FDP-General sollte einfach an allem schuld sein: Die angebliche Verzögerung der Griechenland-Hilfe wurde seiner Partei ebenso angelastet wie die prekäre Finanzlage der Kommunen, die durch die Steuersenkungspläne der schwarz-gelben Regierung noch verschärft werden würde, so der SPD-Vorsitzende.
Auf Unterstützung konnte Lindner kaum hoffen: Der übermüdet wirkende CDU-Generalsekretär war ihm keine große Hilfe. Gröhe versicherte nur ein ums andere Mal, dass 2011 die Handlungsfähigkeit der Kommunen Vorrang habe. Erst dann könne man über Spielraum für Steuerentlastungen überhaupt erst nachdenken.
Gespräch mit Hobby-Rapper und Jurastudentin
Maybrit Illner hatte zum besseren Verständnis der Lage im Land Bürger aus NRW eingeladen, die in der Sendung von ihren finanziellen Sorgen und Nöten erzählten. Der unterbezahlte Feuerwehrmann aus Hagen kam dabei ebenso zu Wort wie die verschuldete Jurastudentin aus Düsseldorf oder der Hobby-Rapper aus der Pleite-Stadt Wuppertal.
Grundtenor aller Extra-Gäste war, dass der Staat sich doch bitte auch um die Belange der eigenen Bürger kümmern und nicht nur Milliarden nach Griechenland pumpen solle. Viele Kommunen stehen an den Grenzen ihrer finanziellen Belastbarkeit und reagieren mit Lohnkürzungen und Schließungen von öffentlichen Einrichtungen, wie die Bürger berichteten. «Wuppertal stirbt», warnte etwa der 26-jährige Rapper David Mehlmann.
Mehr Geld für die Kommunen also, und das möglichst schnell - aber wie?
Eine Steilvorlage für die Wahlkämpfer in der Runde. Gesine Lötzsch, haushaltspolitische Sprecherin der Linksfraktion, verstieg sich gar zu der markigen Forderung nach einer «30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, um Arbeit gerechter zu verteilen.» Als aber Feuerwehrmann Marcel Göbel spontan wissen wollte, wer denn die dadurch entstehenden Mehrkosten für Personal bezahlen solle, war schnell die Luft raus: Lötzsch fiel schlicht keine stichhaltige Antwort ein.
Doch neben Populismus machte Maybrit Illner vor allem die gewaltige Streitlust ihrer Gäste zu schaffen: Zeitweilig scheiterte sie daran, den erbitterten Hahnenkampf zwischen Trittin und Gabriel auf der einen und Lindner auf der anderen Seite zu schlichten. Die Diskussion glitt ab in platte Schuldzuweisungen, bei denen sich der Lauteste durchsetzte: Platzhirsch Gabriel war, einmal in Fahrt gekommen, erst nach mehreren Ermahnungen durch die Moderatorin halbwegs zu zügeln.
Und was ist dabei herausgekommen? Die Frage des Abends wurde jedenfalls nicht annähernd beantwortet, der NRW-Wahlkampf hat selbst den Dauerbrenner Griechenland in den Hintergrund gedrängt. Stattdessen wurden Zahlen in den Raum geworfen, mit denen der Durchschnittsbürger ohne Erklärung herzlich wenig anfangen kann – eine straffere Moderation und mehr Hintergrundrecherche hätten der Sendung gut getan.
Maybrit Illner: erfrischend gute Diskussionsrunde-ein bißchen mehr Rededisziplin wäre jedoch angebracht gewesen!Das liegt nicht an M.I.,sondern an den geladenen Gästen,denn das durcheinander von Wortmeldungenn und ins Wortfallen bringt dem (aufmerksamen) Zuschauer/Hörer nichts!Schwach -aber trotzdem achtbar geschlagen:Der FPD "General"Christian Lindner, auf den die Vorwürfe niederprasselten, den besonders "Altprofi" Gabriel /SPD in die Zange nahm!Gerade in der Debatte um die Kommunen wirkte der FDP-Mann nicht gerade kompetent (wie die gesammte FDP halt auch.....) Kritik der Sendung: recht gut!
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