Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Deutschland bekommt einen neuen Frauensender: Sixx ist ein Experiment der Sendergruppe ProSieben/Sat1 und setzt auf Serien, Wiederholungen und ganz viel Gefühl. Für einen erfolgreichen Start sollen Sarah Jessica Parker und Sex and the City sorgen.
Die TV-Konsumentin zwischen 19 und 39 ist in der Marketing-Sprache eine «charming bitch» und ein «tough cookie» - eine reizende Zicke also und zugleich ein harter Hund. Nimmt man das Programm des neuen Frauensenders Sixx unter die Lupe, ist sie vor allem eins: süchtig nach Serien, denn die laufen bei Sixx montags bis sonntags bis zum Abwinken.
Am 7. Mai geht der private digitale Fernsehkanal der ProSieben/Sat1-Gruppe - die Münchner nennen Sixx auch eine «Fernsehsenderin» - mit dem Film Sex and the City (20.15 Uhr) an den Start. Frauen wissen das natürlich längst. Eine Henne mit Perlenkette, lang geschwungenen Wimpern und breit gefächerten Flügeln rührt seit Wochen die Werbetrommel und kündigt in Programmzeitschriften und Frauenmagazinen gackernd an: «Mädels, Euer Fernsehen ist da.» On Air tanzen gleich mehrere Hühner zum Song Satellite von Unser Star für Oslo-Gewinnern Lena Meyer-Landrut.
Hühner als Zielgruppe?
Ein Sender für Hühner also? «Nein, nein», versichert Sixx-Senderchefin Katja Hofem-Best. «Das Huhn steht nicht für Frauen, das Huhn ist die Botschafterin des Senders. Wir sind ein Frauensender und wollen das auch gar nicht verstecken», betont die 39-Jährige. Alle Infos zum Sender würden so auf eine ungewöhnliche und sehr bildstarke Art und Weise kommuniziert - und immer mit einem Augenzwinkern.
Hofem-Best verspricht anspruchsvolle Unterhaltung für Frauen, die Lust haben auf «Kuschelabend», «Wahres Leben» und «Gänsehaut». Das sind drei der Programmschwerpunkte des neuen Frauensenders. Hofem-Best war schon Unterhaltungschefin bei RTL 2, ging dann zu Discovery Channel und machte zuletzt - Ironie der Fernsehgeschichte - fast vier Jahre Männerfernsehen bei Dmax.
Glaubt man der Senderchefin, lässt sich für Männer «relativ einfach» Fernsehen machen, «weil Männer sehr einfach ticken. Man muss ein paar Knöpfe bedienen und dann funktioniert es sehr, sehr gut». Ölverschmierte Typen, qualmende Reifen und am besten noch etwas, das in die Luft fliegt - so simpel seien Männer vorm Fernseher.
Frauen indes «haben einen großen Anspruch ans Programm, an Qualität und an Inhalt, und das hat mich sehr gereizt». Auf die attraktive blonde Frau treffen vermutlich alle Attribute der potenziellen Sixx-Konsumentin zu: selbstbewusst, smart, clever, zart, verletzlich. Auch wenn sie mit 39 gerade noch so zur Kernzielgruppe zählt. Hofem-Best nennt sich selbst einen Fernsehjunkie und Fan der US-Serie Lipstick Jungle. Und natürlich hat Sixx den Sex and the City- Abklatsch auch im überbordenden Serien-Programm.
Frauen mit intellektuellem Anspruch - auch die könnte es in der Kernzielgruppe ja geben - haben's schwer. Keine Kultur, keine Politik - von Sport ganz zu schweigen. Es ist eben ein Unterhaltungssender, ein Komplementärangebot, argumentieren die Münchner. Und wenn sie es anspruchsvoll mag, empfiehlt die Senderchefin die Oprah-Winfrey-Show, die Sixx im Original mit Untertiteln ausstrahlt. Auch die Emmy-prämierte Rachael-Ray-Show läuft bei Sixx.
Sixx ist kein Abspielsender
Eine Programm-Revolution ist nicht zu erwarten. Der neue Sender zeigt hauptsächlich amerikanische Serien, von denen manche wie Desperate Housewives und Grey's Anatomy bereits erfolgreich bei ProSieben liefen. Allerdings gibt Sixx weniger erfolgreichen Formaten wie die ausgezeichnete Krimiserie Damages mit Glenn Close oder Ugly Betty eine zweite Chance - ohne Quotendruck und zur besten Sendezeit. Außerdem sind ein Star- und ein Reisemagazin am Start, es gibt Konzerte und zwei Reportage-Reihen, ein bisschen Teleshopping und mittwochs Spielfilme.
Sixx wird kein «Abspielsender», verspricht Katja Hofem-Best. 380 Erstausstrahlungen seien allein für dieses Jahr geplant. Eine Entdeckung im Seriendschungel könnte die niederländische Reihe S1ngle werden, in der die drei Heldinnen Stella, Fatima und Nienke die europäische Antwort auf Sex and the City geben. Das Beste an Sixx aber ist, dass es zunächst nur Werbung zwischen den Sendungen geben soll, nicht mittendrin. Das mag an der Flaute am Werbemarkt liegen, angesichts des Kostendrucks, der auf der ProSiebenSat1-Gruppe lastet, verwundert es aber schon.
Ohnehin drängt sich die Frage auf, was ein Medienkonzern, der mit seinen Sendern in Deutschland einen Marktanteil von 30,1 Prozent erzielt, mit einem so kleinen Kanal anfangen will? Nach Senderangaben hat Sixx zum Start eine technische Reichweite von 40 Prozent der deutschen TV-Haushalte (14 Millionen Haushalte); er wird ausschließlich für Haushalte mit digitalem Fernsehanschluss über Kabel oder Satellit empfangbar sein.
Ein Test in vielfacher Hinsicht
Warum also lässt sich ProSieben/Sat1 auf ein solches Abenteuer ein? Für die Sendergruppe könnte der Kanal gleich in mehrfacher Hinsicht ein Test sein. Ein Test, bei dem es um die Frage geht, wie sich das Fernsehen der Zukunft finanzieren lässt. Die Inhalte sind bei dieser Frage zweitrangig; Sixx soll Unternehmen, die mit ihren Produkten bisher vor allem in gedruckten Medien präsent waren, den Einstieg in die Fernsehwerbung erleichtern. Zum Beispiel aus den Branchen Kosmetik und Bekleidung.
Die Neugründung soll aber auch ein Experimentierfeld für unkonventionelle Werbeformen sein. Dazu zählen Sponsorings, bei denen Unternehmen ganze Abende präsentieren - wie es etwa bei dem Spielfilmkanal Tele 5 üblich ist. Oder Dauerwerbesendungen, die länger sein sollen als bei ProSieben und Sat1. Ob das fruchtet, wird sich zeigen.
Als die ersten zarten Ideen-Knospen zu sprießen begannen - das war im Herbst vergangenen Jahres - da sollte der Sender noch FemTV heißen. Doch dann behagte den Machern nicht, dass man so die einfachsten Fernsehkonsumenten, die Männer, von vornherein aussperren würde. Sixx ist viel besser: Das klingt ein bisschen nach Mietauto, ein wenig nach Sixpack und ein bisschen nach... na ja. Und die Erkennungsfarbe grün ist unisex. Anfangs hätten die Kreativen mit rosa und lila und Blümchen und Schmetterlingen experimentiert, berichtet Sixx-Sprecherin Tina Land. Doch gegen «Lillifee für Große» hätte die Senderchefin ihr Veto eingelegt.
Neu ist der Versuch, in Deutschland einen Frauensender zu etablieren, nicht. 1993 ging TM3 auf Sendung, später gab's dort die Fußball-Champions-League, und 2001 wurde der Kanal in den Gewinnspielsender 9Live umgewandelt. Da der auch zur ProSieben/Sat1- Gruppe gehört, hat Sixx ein warnendes Beispiel im eigenen Hause.
bitch = Schlampe {f} [ugs.], Hure {f}, Matratze {f} [ugs.: mannstolle Frau, Mädchen], Zicke {f} [ugs.: zänkische Frau], Hippe {f} [abwertend: Frau], Mensch {n} [ugs., abwertend], Biest {n} [ugs.: durchtriebene, liederliche Frau / Mädchen], Weibsstück {n} [pej.] Luder {n} [pej.: liederliche Frau, Flittchen], Aas {n} [ugs.: gemeine oder raffinierte Frau], [black English: woman], Tussi {f} [ugs., pej.: Frau], [malicious / arrogant woman], Miststück {n}, Hündin [ugs. läufige Hündin], etc. Da hat man mit Zicke wohl die am wenigsten anstößige Übersetzung gewählt, gefällige Hure würde auch stimmen!
jetzt antwortenKommentar meldenFrau Katja Hofem-Best, Sie haben ja ein merkwürdiges Männerbild in Bezug auf Fernsehkonsum. Es mag vielleicht dem Umstand geschuldet sein, dass Sie aus Ihrer eigenen TV-Zielgruppe bald entwachsen sind. Im Gegenteil zu Frauen, wie etwa Lena Meyer-Landrut, die, am unteren Ende der TV-Zielgruppe, dem Tusse-von-nebenan-Frauenbild so gar nicht entsprechen wollen. Diese finden sich dann sicherlich bei einer anderen Programmgestalung besser aufgehoben, ebenso wie Männer, die über den RTL II-Horizont hinausblicken. Bleibt die Frage: Ist die Marktforschung fehlbar, oder sind TV-Zielgruppen gemein ?
jetzt antwortenKommentar meldenSixx ist der falsche Name, nennt das Teil Mc.Bainbrait, im heutigen "Pillenzeitalter der Onenigthstands" und des Querbetgevö.... erscheint mir diese Bezeichnung angebrachter. Zickensender? Wie bescheuert und einfallslos muß man sein um TV-Boss werden zu dürfen?
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