So., 27.05.12

Familiendrama 30.04.2010 Ein Kind ist kein Kochtopf

Der verlorene Vater (Foto)
Arndt (Edgar Selge) kämpft um seine beiden Kinder (Louis Hofmann und Paraschiva Dragus). Bild: ddp/WDR/Thomas Kost

Von news.de-Mitarbeiter Armin Peter

Wenn sich in einer Familie die Eltern nicht mehr ertragen können, geht oft der erbitterte Streit um die Betreuung der Sprösslinge los. Das ist auch in dem Familiendrama Der verlorene Vater so. Sehenswert: Edgar Selge in der Rolle des Scheidungskriegers.

Eine Scheidung kann sich um sehr banale Dinge drehen: «Bettina hat die Kochtöpfe nicht rausgerückt, dabei hab ich doch immer zu mindestens 60 Prozent gekocht», so die Klage des Ehemannes.

Doch der Fernsehfilm Der verlorene Vater zeigt vor allem die ernste Seite einer kaputten Ehe: Die panische Angst, seine leiblichen Kinder zu verlieren, schwingt bei Arndt (Edgar Selge) von Anfang an mit. Er hat sich frisch von Bettina (Jeanette Hain) getrennt und bereits eine neue Frau kennengelernt. Doch wenn ein von der Scheidung waidwunder Mann eine andere Frau hat, ist das noch lange kein neuer Lebensabschnitt: Die Sorgerechtsfrage ist ungeklärt und Ehemann Arndt liegt mit seiner Exfrau in erbittertem Streit um die beiden acht und zehn Jahre alten Kinder. Die Beziehung zwischen Arndt und Elke (Ulrike Krumbiegel), seiner neuen Freundin, ist von Anfang an davon belastet.

Elke ist hin- und hergerissen: Einerseits möchte sie, frisch verliebt, mit Arndt einen Neubeginn wagen - andererseits aber ist sie befremdet von seinen fanatischen Bemühungen, die Kinder zu sich zu holen. Arndt nährt sich vom Hass auf die Mutter seiner Kinder, geht dabei immer rücksichtsloser zu Werke, entwirft förmlich Schlachtpläne, um seiner Exfrau die Kinder wegzunehmen. Vom Jugendamt oder einem Sorgerechtsprozess hält er nichts, lieber regelt Arndt die Dinge selbst. Ein Kind ist aber kein Kochtopf, daher muss sich Elke immer wieder entscheiden, wie weit sie seine drastischen Pläne mittragen möchte.

Edgar Selge überzeugt in der Rolle als immer tiefer in Paranoia versinkender Scheidungskrieger. Seine Stimmung schwankt zwischen Liebesschwüren an die neue Freundin, Hasstiraden gegen die Exfrau und unkontrollierten Tobsuchtsanfällen in der Öffentlichkeit. Er schimpft auf die «paranoide Gesellschaft» und wittert doch selbst überall Verrat. Jede Kritik wird als Angriff gesehen: «Bist du für oder gegen mich?», lautet die harte Frage an die Freundin. In seiner kompromisslosen Verbissenheit schreckt er bald vor nichts mehr zurück - selbst als er seine Kinder aus dem Garten der Großeltern entführt, wähnt er sich noch im Recht.

Ulrike Krumbiegel spielt meisterhaft die sensible Rolle der neuen Freundin: Selbst ihr Leben lang kinderlos geblieben, gefällt sie sich mehr und mehr als Ersatzmutter für die Kinder des geschiedenen Partners. Doch die beiden Kinder kommen mit der Situation nicht klar und wollen die neue Frau an Papas Seite nicht ohne Weiteres akzeptieren.

Und überhaupt: Die Kinder stehen zwischen allen Fronten und erleben den Rosenkrieg besonders bitter - denn sie sind zum Streitobjekt von Mutter und Vater geworden, Mittel zum Zweck der Verwundung des jeweiligen Gegners.
Der Film zeigt, dass der Vater viel mehr verloren hat als nur seine Ehe: Ihm ist jedes Augenmaß für die Gefühle seiner Mitmenschen, auch und besonders der eigenen Kinder, abhanden gekommen. Regisseurin Hermine Huntgeburth hat ein Familiendrama gedreht, das unter die Haut geht.

 

Der verlorene Vater, 30. April, 20.15 Uhr, Arte. Wiederholung am 4. Mai, 14.45 Uhr, Arte

car/ivb/news.de
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