So., 27.05.12

«Die perfekte Minute» 01.05.2010 Kekse stapeln für die Quote

Spannung, Spiel und Kock am Brink. (Foto)
Spannung, Spiel und Kock am Brink. Bild: Sat.1/Willi Weber

Von news.de Redakteurin Nadine Faßhauer

Bereits der Startschuss der neuen Freitagabendshow auf Sat.1 war voluminös und dramatisch. Beste Voraussetzung für einen spannenden Abend und gute Marktanteile. Trotz einer überdrehten Ulla Kock am Brink.

Ulla Kock am Brink soll den mit miesen Quoten gebeutelten Sat.1-Freitag retten und gegen Wer wird Millionär und Let's Dance auf RTL antreten. Ein mutiges Unterfangen. Die 48-Jährige startet mit einem spannungsgeladenen Intro, viel Applaus und jeder Menge guter Laune den Familienabend. Das Konzept der Show ist einfach: Für jede Aufgabe ist nur eine Minute Zeit. Zweimal darf es schiefgehen. Danach ist der Kandidat raus. Wer alle zehn Spiele schafft, sahnt 250.000 Euro ab. Im Mittelpunkt stehen die Spieler wie in einer Kampfarena. «Der Kandidat hat nur noch ein Leben», sagt eine Computerstimme aus dem Hintergrund. Dann folgt der Countdown, zu dem das Studio in viel Licht getaucht wird.

Den Anfang im Kampf ums große Geld macht die dreifache Mutter Elke. Bevor sie antritt, wird sie im Einspieler vorgestellt. «Eine Rutsche vom Dach direkt in den Pool» lautet der Wunsch, den sie sich und ihrer Familie erfüllen möchte. Dafür muss sie einiges auf sich nehmen: Mit einem Luftballon Becher umpusten, Orangen zwischen die Knie klemmen und damit Treppen steigen, Pizzakartons und Partyhütchen abwechselnd stapeln. «Ich glaub an dich. Mach es uns vor», motiviert Kock am Brink die nervöse Kandidatin. Die Spiele sind kreativ, kurzweilig und animieren den ein oder anderen Chips essenden Fernsehzuschauer vielleicht zum Mitmachen. Eine richtige Familiensendung eben.

Elke macht ihre Sache gleich zu Anfang gut und geht überglücklich mit 25.000 Euro nach Hause. Mindestens genauso euphorisch freut sich die Moderatorin. Die Emotionen wirken zwar echt - dennoch stören die vielen Lacher und das ständige Umarmen der Moderatorin an mancher Stelle. So nah wie Kock am Brink, ist man den Kandidaten von der Couch aus nicht. Trotz der privaten Plauschereien zwischendurch, die an mancher Stelle den Spannungsbogen zwischen den Spielen zerstören. Auch die Kommentierungen während der 60 Sekunden, in denen sich die Kandidaten abrackern, wirken etwas fehl am Platz. «Bis so viel Masse in Schwung kommt, das dauert» oder «Sie zittert, das wird schwierig».

Nach der dreifachen Mutter räumt auch der zweite Spieler des Abends ab: Der 40-jährige Sandro schlägt sich im Eierfegen, Bademattenrutschen, Toilettenpapierweitrollen und Eierstapeln. Kock am Brink wirft vor lauter Freude Klopapier ins Publikum und erinnert zwischendurch immer wieder daran, was alles auf dem Spiel steht. «Ich freu mich jetzt darauf, dass du uns beweist, wie stark du bist.» Animiert davon klettert Sandro auf die Sicherheitsstufe von 25.000 Euro. Dann zeigt die Moderatorin ihre Zocker-Seele, denn der über 2 Meter große Mann kämpft weiter. Die ehemalige Frontfrau der Sendung Verzeih mir dreht kurz vor Showende nochmal richtig auf: «Die Nerven liegen hier absolut blank - es geht um 75.000 Euro.» Der zweifache Familienvater scheitert, obwohl man ihm selbst von zu Hause aus die Daumen gedrückt und es ihm gegönnt hat.

Nach Sandro ist bereits Schluss - die zweistündige Show ist vorbei. Kurzatmig und spannend war es - spektakulär ist Die perfekte Minute aber nicht. Dennoch: Die Show funktioniert. Es braucht keine waghalsigen Stunt-Einlagen wie bei Schlag den Raab. Manchmal reicht es, wenn zittrige Kandidaten mit einer Pinzette rosa Pillen von A nach B bewegen müssen. Wie langatmig sind dagegen einige Wetten beim Quotenkönig Thomas Gottschalk.

An ihren Erfolg in den 1990erJahren mit der 100.000-Mark-Show wird Kock am Brink nicht anknüpfen. Schon allein, weil sie weicher geworden ist. Scheuchte sie einst ihre Kandidaten noch eiskalt durch einen Parcours, werden sie nun freundschaftlich durch ihre Minute begleitet. Dabei muss man es mögen, dass die 48-Jährige sich an die Kandidaten schmiegt, «Ich glaub an dich» sagt oder zur Familie geht, um sich bestätigen zu lassen: «Das hat die Mama gut gemacht, oder?»

Vielleicht reden nun jeden Samstag nach der Sendung die wartenden Menschen an Bushaltestellen darüber, ob man Eier auf Glühbirnen stapeln und mit Badematten im Kreis rutschen kann. Das könnte für Sat.1 dann das Ende des Quotentiefs am Freitagabend bedeuten.

voc/news.de
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