Von news.de-Redakteur Oliver Roscher
Das Angebot an Männermagazinen ist um ein neues Exemplar reicher. Trip heißt das gute Stück und möchte als Gegenstück zur perfekt inszenierten Parallelwelt der herkömmlichen Lifestyle- und Männermagazine verstanden werden. News.de hat die erste Ausgabe unter die Lupe genommen.
Seit 1986 ist Trip laut Verlagsangaben das «meinungsbildende Magazin der jungen Generation in Brasilien». Nun hat Thomas Garms das Lifestyle-Produkt von der Copacabana nach Deutschland importiert. Der Ex-Men's Health-Chef kennt sich in der Print-Szene bestens aus und vermutet irgendwo zwischen Neon, Cicero und 11 Freunde eine Lücke, die es zu füllen gilt.
Das Layout des 130 Seiten umfassendes Magazins ist farblich dezent gestaltet – Braun, ein blasses Orange und ein mehrheitlich weißer Hintergrund dominieren das Cover, in dessen Zentrum eine Frau dem Leser tief in die Augen blickt. Von Fleischbeschau kann hier aber keine Rede sein, natürliche Ästhetik steht hier klar im Vordergrund.
Diese Teile runden das Gesamtbild des Heftes, sprich dessen Programmatik, ab, das sich der inszenierten Welt der bisherigen Lifestyle- und Männermagazine entgegenstellt. Kurzum: Erotik ja, aber keine x-mal überarbeiteten Fotos irgendwelcher Playmates, deren Hobbies sowieso keinen interessiert.
Leider fällt der Informationsgehalt auf dem Cover ähnlich dezent aus wie die Farben. Es dauert eine Weile, um den Themenschwerpunkt links unter dem Titel wahrzunehmen. «Obsession» ist dort zu lesen und klingt nach Abenteuer, Lust und Hingabe.
Inhaltlich sucht man vergebens nach einem roten Faden, trotzdem ein großes Kompliment für einige Beiträge. Starke Berichte über einen Drogenpapst in der amerikanischen Wüste oder das 100-jährgie Bestehen des FC St. Pauli fesseln den Leser. Auch das Porträt über die außergewöhnliche Karriere von Fotograf Martin Schoeller oder der Ablauf eines «Gang Bangs» sind exzellent geschrieben. Anhand dieser Stücke wird auch klar, was unter der Leser-Zielgruppe «Moderne Performer und Experimentalisten» zu verstehen ist.
Glücklicherweise gibt es auch nackte Frauen zu sehen. Aber Achtung! Nix Porno oder pralle Busenwunder - zwei Bilderstrecken widmen sich in ästhetischen Bildern der natürlichen Schönheit der Frau und wirken deshalb umso erotischer.
Mit guten Geschichten zum Erfolg
Leider stören die, wenn auch notwendigen, Anzeigen der üblichen Unternehmen ein wenig, die eben doch den Eindruck eines gewöhnlichen Männermagazins suggerieren. Überflüssig sind in jedem Fall stereotype Erzählungen zum Geschlechterkampf. Am Beispiel der Planung einer Hochzeitsfeier wurden zu diesem öden Thema zwei wertvolle Seiten geopfert. Ebenso irritierend sind Tipps für Lifestyle-Produkte, die sich eigentlich kaum einer leisten kann. Da geht der Trip in die falsche Richtung. Auch der abrupte Themenwechsel von einer erotischen Bilderstrecke hin zur folgenden Seite, die sich dem Terror der Roten Khmer widmet, ist fragwürdig.
Das Heft schreibt sich Ehrlichkeit und Authentizität auf die Fahnen und kann dieses Versprechen auch größtenteils einlösen. Hier und da verzettelt sich Trip zu sehr in dem Wunsch, alle Männertypen gleichzeitig anzusprechen. Auf der einen Seite wähnt man sich im 11 Freunde-Magazin, die nächste könnte dem Berliner Vibes-Magazin entsprungen sein, andere Geschichten würden auch in der GQ einen Platz finden. Das ist nicht verwunderlich, versteht sich Trip doch als «journalistisches Experimentierfeld, das im blattmacherischen Prozess gesellschaftliche Werte und Attitüden beständig auf den Prüfstand stellt.»
Fallen störende Geschlechterkampf-Geschichten und Tipps zum Kauf überteuerter Designerstücke weg, hat das Heft auch die individuelle Handschrift, die es propagiert. Wird der Fokus in Zukunft auf gute Geschichten gelegt, die den Leser auf einen spannenden Trip mitnehmen, hat das Magazin auch eine treue Leserschaft verdient.
Die muss allerdings noch warten. Das nächste Heft erscheint erst Mitte September, dann aber monatlich zu einem Preis von 4,80 Euro. Als Auflagenhöhe sind zunächst 100.000 Exemplare geplant.
car/cvd/news.de