Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Francis Fulton-Smith kämpft mal wieder an mehreren Fronten: Nicht nur, dass er einen Täter suchen muss, der Männern ihr bestes Stück abschneidet und sie dann verbluten lässt. Er hat auch noch mit seinen Gefühlen zu kämpfen - denn seine attraktive Nachbarin macht ihm verdammt hübsche Augen.
Da ist er wieder, dieser Blick, den Kommissar LaBréa immer dann aufsetzt, wenn er seinem Gegenüber klarmachen will: «Mich führen Sie nicht aufs Glatteis, Freundchen.» Diese Mischung aus Dackelblick und Allwissenheit, mit dem er den Gefängnisdirektor ansieht und sagt: «Ich denke, es ist Zeit, dass wir Klartext sprechen, Monsieur. Also: Was verschweigen Sie uns?»
Hinter LaBréa (Francis Fulton-Smith), auf seiner Pritsche, liegt ein mehrfacher Vergewaltiger, der sich angeblich in seiner Zelle erhängt haben soll. Doch der Fall kommt neben LaBréa auch der Gerichtsmedizinerin Brigitte Foucart (Gudrun Landgrebe) spanisch vor. Nicht nur, dass sie beim Gefangenen Blutergüsse findet, nein, seine Genitalien sind auch noch mit Sprühlack veredelt worden. Und schließlich gesteht der Direktor: «Vergewaltiger und Kinderschänder sind Freiwild für die anderen Gefangenen.» Und Lancerot, so heißt der Tote, sei mehrfach von anderen Insassen angegriffen worden, was ihn zunehmend depressiv gemacht habe.
Keine fünf Minuten später hat der Pariser Kommissar schon die zweite Leiche auf dem Teller: Der gerade erst entlassene Ex-Sträfling Pascal Masson liegt nackt, gefesselt und mit verstümmelten Genitalien in seinem Bett: Er ist verblutet. «Kastration scheint gerade in Mode zu sein in Paris», witzelt Brigitte Foucart. «Nur ist es diesmal eine echte.» Doch nach Zufall sieht das nicht aus, was da in der französischen Hauptstadt passiert.
Schwer verliebt, Herr Kommissar?
Und so macht sich LaBréa auf die Suche nach dem Mörder, der am Tatort eine Kassette zurückgelassen hat, auf der Ravels Bolero zu hören ist. Vielleicht ein Eifersuchtsdrama? Hat sich hier eine wütende Ehefrau ausgetobt? Oder ein wütender Ehemann? Oder steckt diese militante Frauengruppe hinter dem grausamen Verbrechen, die durchaus auch zu Selbstjustiz greifen, um für Gerechtigkeit zu sorgen?
Mit den Frauen hat LaBréa ohnehin zu kämpfen in diesem Fall. Nicht nur mit der Psychologin Christine Payan (Sabine Vitua), die mehr über diese Gruppe zu wissen scheint, als sie preisgibt. Auch mit seiner bezaubernden Nachbarin Céline Charpentier (Valerie Niehaus), die ihm schöne Augen macht und bei der sich LaBréas Dackelblick in ein leicht debiles Grinsen verwandelt. Schwer verliebt, Herr Kommissar, was? Nur das Fräulein Tochter bleibt skeptisch. Doch auch das wird sich sicher noch ändern.
Auch LaBréa hat eigentlich so recht keinen Sinn für eine neue Beziehung, jährt sich doch ausgerechnet jetzt der Todestag seiner Frau. Ganz schön viele Baustellen für den Ermittler, der schließlich in dem Fall um die ermordeten Verbrecher doch noch eine richtig heiße Spur findet: Doch die führt über den toten Serben Stefan Vlankovic nicht nur zum Balkankrieg und zum Europäischen Gerichtshof in Den Haag, sondern auch zu ziemlich unangenehmen Entdeckungen.
Ein Fall, der den Zuschauer lange im Dunkeln lässt
Todesträume am Montparnasse, der dritte Fall für Kommissar LaBréa, ist von Regisseur Dennis Satin nach bewährtem Muster verfilmt worden. Noch immer ist LaBréa glatter und optimistischer als in den Romanvorlagen von Alexandra von Grote, in denen er eher dem skandinavischen, kaputten Typus des Ermittlers am Abgrund gleicht, denn diesem gut aussehenden Kommissar, der alles im Griff hat.
Und auch im dritten Fall hat Satin mit einer soliden Besetzung und schönen Bildern einen durchaus ansehnlichen, wenn auch streckenweise seichten Krimi geschaffen. Ansehnlich vor allem aufgrund der guten Vorlage, aufgrund eines Falls, der den Zuschauer lange in Atem hält. Seicht aufgrund der ein oder anderen Erzählebene neben dem eigentlichen Verbrechen - so macht LaBréas neuer Kollege Franck Zechira (Oliver Bootz) beispielsweise der aparten, aber etwas undurchsichtigen Gefängnisärztin Hélène Clément (Natalia Avelon) schöne Augen. Und doch hat man nach 90 Minuten das Gefühl, solide unterhalten worden zu sein.
Und irgendwie entwickelt der Zuschauer im Laufe der Serie ja auch eine Art Beziehung zu LaBréa, der von Francis Fulton-Smith genauso gespielt wird wie sein Dr. Kleist oder sein Pater Castell. Für diesen Mann, der zwar manchmal etwas zu perfekt wirkt, damit aber auch so manche Illusion bedient, die man im Alltag kaum findet, kann man eigentlich nur Sympathien entwickeln. Ein Krimi zum Abschalten - von der Realität.
Kommissar LaBréa – Todesträume am Montparnasse, Donnerstag, 29. April, 20.15 Uhr, Das Erste