So., 27.05.12

«Hart aber fair» 29.04.2010 Legt die Banken an die Kette

Hart aber fair (Foto)
Verbraten die Griechen unser Geld?, fragte Frank Plasberg seine Gäste bei Hart aber fair. Bild: news.de

Von news.de-Mitarbeiter Armin Peter

Griechenlands drohende Pleite beschäftigt ganz Europa. Soll den Griechen geholfen werden? Ist das Land am Ende doch ein Fass ohne Boden? Bei Hart aber fair reichte die Debatte von umfassender Hilfe bis zum Rauswurf aus der Währungsunion.

Die Griechenlandkrise setzt die Bundesregierung unter Handlungsdruck. Der Kreditbedarf des Pleitestaates ist dringend. Da hatte Frank Plasberg mit seinem Thema «Wie viele Euros nach Athen - verbraten die Griechen unser Geld?» den Nerv der Woche getroffen. Der Leiter des Bild-Hauptstadtbüros, Nikolaus Blome, stand von Beginn an wegen der Berichterstattung seines Blattes in der Kritik. Er sprach sich gegen einen Hilfsfond aus, forderte stattdessen den Austritt der Griechen aus der Währungsunion und die Wiedereinführung der Drachme: «Die Suppe sollen sie bitte allein auslöffeln.»

Der FDP-Europaabgeordnete Jorge Chatzimarkakis griff Blome scharf an und warf ihm Einseitigkeit vor: «Von Ihnen wird der Eindruck erweckt, dass die Griechen in Saus und Braus leben und unser Geld verjubeln, dabei akzeptiert die Mehrheit der Griechen, dass sie sparen müssen.» Zudem müssten die angeblich üppigen Renten der Griechen in Relation zu anderen EU-Ländern gesehen werden, um sie richtig einzuschätzen.

Dass dies zu kurz greift, konnte Frank Plasberg erklären, der sofort ein sauber recherchiertes Faktenvideo zum griechischen Rentensystem lieferte: So beträgt die Durchschnittsrente zwar nur 800 Euro, allerdings werden schon nach 35 Beitragsjahren 70 bis 80 Prozent des letzten Lohnes plus Urlaubs-, Weihnachts- und Osterzulage fällig. Luxus für einen Staat, der fast zahlungsunfähig ist. Hinzu kommen Probleme mit alltäglicher Korruption und eine gigantische Schattenwirtschaft.

Wette gegen Deutschland

CDU-Generalsekretär Herrmann Gröhe bezeichnete die Hilfe für das angeschlagene EU-Land daher als «Gemeinschaftsanstrengung, die von den Griechen sehr harte Einsparungen verlangen wird». Unter Freunden müsse man die Fakten benennen, auch wenn dies unangenehm sei, so Gröhe weiter. Die Stabilität des Euro sei oberstes Ziel aller Anstrengungen der Bundesregierung.

Chatzimarkakis betonte, eine Staatspleite Griechenlands könne nicht im Interesse der Bundesregierung sein, da deutsche Banken in diesem Fall viel Geld verlieren würden, das sie dort investiert hätten. Ein vergleichsweise zahmer Oskar Lafontaine übte sich dafür einmal mehr in Bankenschelte: Die Banken müssten «an die Kette gelegt werden» und sollten an den Hilfen für Griechenland beteiligt werden, so die Forderungen des Linksparteichefs. Die Ratingagenturen seien oft auch korrupt und verfolgten mit Herabstufung eigene finanzielle Interessen.

Auch Blome traute den Spekulanten an den Finanzmärkten einiges zu: «Ich glaube, die Wette läuft längst nicht mehr gegen zahlungsunfähige Länder, sondern gegen die Bundesrepublik. Man spekuliert und fragt sich: ‹Wie oft wird die Bundesregierung noch finanziell eingreifen?›»

Sicherheit - aber nur in Gold

Einen etwas kontroversen Auftritt leistete sich Kostas Papanastasiou. Der griechische Gastwirt und Schauspieler spannte einen Bogen über Aristoteles, die Abhängigkeit Griechenlands von den Osmanen über den Zweiten Weltkrieg bis hin zur EU, um zu begründen, dass Deutschland verpflichtet sei zu helfen. «Europa soll keine Burg sein, die Geld hütet, sondern Solidarität zeigen.» Als er dann aber behauptete, auch in deutschen Krankenhäusern müsse man bisweilen die in Griechenland üblichen Fakelaki (Bestechungsgelder) bezahlen, war die Grenze seiner Glaubwürdigkeit erreicht.

Doch Griechenland ist nur ein Teil des Gesamtproblems: Portugal, Spanien und Irland sind die nächsten Wackelkandidaten. Da war es kein Wunder, dass Frank Plasberg den Finanzexperten Ulrich Stockheim eingeladen hatte, der ein wenig Appeasement-Politik machen durfte: Die deutschen Anlagen seien sicher, beruhigte er die Zuschauer – und empfahl im gleichen Atemzug, einen Teil des Vermögens in Gold anzulegen.

Dank sachlichem Moderationsstil und einigen schärferen Zurechtweisungen («Halten Sie einen Moment Ihr Pulver trocken!») gelang es Plasberg, die Gäste einigermaßen auf dem Teppich zu halten. Doch das Thema Griechenland wird noch Gesprächsstoff für viele weitere Talkshows liefern.

cvd/ivb/news.de
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