Von news.de-Redakteur Oliver Roscher
Die deutschen Kicker singen nicht mehr. Das war mal anders: Von 1974 bis 1994 war es gute Tradition, zu jedem WM-Turnier einen Song der deutschen Nationalmannschaft beizusteuern. Von König Fußball regiert die Welt bis zu Far away in America. News.de lässt alte Zeiten aufleben.
König Fußball regiert die Welt (1974)
Ein großartiger Titel. Zur Weltmeisterschaft in Deutschland fand dieses mit gehörigem Rumms und Tamtam ausgestattete Lied den Weg in die Gehörgänge der deutschen Öffentlichkeit. Auch visuell wurde hier der Grundstein für alle folgenden WM-Songs gelegt: Eine stocksteife Mannschaft in schlecht geschnittenen Trainigsanzügen, die durch schräge Frisuren, Oberlippenbehaarung und unrhythmische Bewegungen zu beeindrucken wusste. Trotz oder gerade deswegen sprang am Ende der Titel für Franz & Co. heraus.
Buenos días Argentina (1978)
Der Song zur Weltmeisterschaft 1978 von Udo Jürgens für ein Turnier in einem diktaturgeplagten Land kommt recht sehnsüchtig daher, hat aber tatsächlich einen gewissen Anspuch. Leider gibt es kein offizielles Video mit Vogts und Kollegen. Vielleicht haben die Kicker schon geahnt, was auf sie zukommt: Ein völlig verkorkstes Turnier mit einem schlechten Abgang des amtierenden Weltmeisters Deutschland und einem zweifelhaften WM-Titel für den Gastgeber Argentinien. Mit Sonne und so war auch nichts, die Weltmeisterschaft fand im winterlichen Argentinien statt. Udo Jürgens bekam aber noch eine Chance als Vorsänger des DFB-Teams - mit deutlich besserem Ausgang.
Olé España (1982)
Ein Lied von Michael Schanze, als dieser noch ein Star im deutschen TV war. Der Song suggeriert die Sehnsucht nach dem sonnigen Spanien. Offensichtlich angetrieben vom damals «hippen» Vorsänger gurkte, kämpfte und spielte sich die deutsche Nationalmannschaft bis ins Finale. Angeführt von Rückkehrer Paul Breitner verlor man gegen Algerien, sprach ein Ergebnis mit Österreich ab und glänzte gegen Frankreich: ein epochales Turnier.
México mi amor (1986)
Ganz großes Kino - auch die schlechte Qualität des Videos kann diesen Song nebst einzigartiger Performance nicht versauen. Der größte Showmaster aller Zeiten, Peter Alexander, lieferte einen gewohnt professionellen Auftritt mit der DFB-Elf. In der Vorbereitung zum ersten Turnier unter der Regentschaft von Kaiser Franz lieferten die Spieler wahre Glanzleistungen ab, die in Bezug auf Playback-Auftritte Britney Spears und David Hasselhoff die Schamesröte ins Gesicht treiben sollte. Michael Frontzeck klimpert authentisch auf der Akustik-Gitarre, Pierre Littbarski und Lothar Matthäus sehen mit Sombrero und Poncho aus wie echte Mexikaner und Toni Schumacher bläst in die Trompete, als sei er Louis Armstrong persönlich. Wie gesagt: ganz großes Kino.
Wir sind schon auf dem Brenner, wir brennen schon darauf (1990)
Udo Jürgens bekam eine zweite Chance und dieses Mal sang er die deutsche Elf zum völlig verdienten Titel in Italien. Lothar Matthäus wurde Weltsportler (!) und Weltfußballer und Kaiser Franz wurde endgültig zur Lichtgestalt des deutschen Fußballs. Ein toller Song, ein tolles Turnier und das Ende einer Ära: Es war der letzte Titel einer westdeutschen Mannschaft und gute Songs sollte es auch nicht mehr geben, denn was 1994 folgte, war das totale Desaster.
Far away in America (1994)
Der DFB hatte in der Post-Beckenbauer-Ära eine ganz tolle Idee. Eine total angesagte Band aus den USA sollte der Elf musikalisch den Weg zum Titel ebnen. Klar, dass die alten Herren auf die Homo-Combo «Village People» stoßen mussten. Wahrscheinlich kennen sie die noch von feucht-fröhlichen Partyabenden aus dem eigenen Partykeller. Mit dem Song konnte die WM nur in die Hose gehen. Die alternden Helden von 1990 um Rudi Völler und Guido Buchwald eierten durch das gesamte Turnier, um im Viertelfinale schmachvoll gegen Bulgarien auszuscheiden.
car/ivb/news.de