So., 27.05.12

Zeitungsbranche 28.04.2010 Print lebt

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news.de-Redakteur Florian Blaschke. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke

Die gedruckte Zeitung hat eine Zukunft, trotz manch pessimistischer Prognose. Doch liegt diese nicht darin, sie gesund zu sparen. Im Gegenteil. Moderner Journalismus braucht mutige Investitionen und Zeitungsmacher, die einen Blick über den Tellerrand wagen.

Sich inhaltlich auf die eigene Region konzentrieren, bei der Frage, wie man eine Zeitung macht, jedoch auch mal über den eigenen Tellerrand hinausschauen - dieses Credo ließe sich als Fazit aus dem diesjährigen European Newspaper Congress in Wien ziehen. 600 Chefredakteure und Zeitungsmacher haben für zwei Tage diskutiert, welche Zukunft es für ihr Produkt geben kann. Und immerhin haben sie festgestellt: Es gibt überhaupt eine.

Interessant ist - und das ist das zweite Fazit, was sich aus diesen zwei Tagen ziehen lässt -, dass diese Zukunft nicht darin bestehen kann, zu sparen, um zu überleben. Im Gegenteil. Die Zusammenlegung von Redaktionen, die Kürzung bei Recherche-Budgets oder der Ausstieg aus Tarifverträgen, all das führt in die falsche Richtung. Stattdessen scheint das Zauberwort zu lauten: Investitionen.

Schaut man sich die in diesem Jahr als beste Zeitungen Europas ausgezeichneten Blätter aus Schweden, Portugal und auch Deutschland an, bekommt man einen Eindruck davon, wie das aussehen kann. In allen Fällen wurde von den Verlegern Geld in die Hand genommen - viel Geld -, um etwa das Layout, die inhaltliche Struktur oder die redaktionelle Arbeit zu optimieren oder sogar neue Zeitungen zu gründen. Und auch das Internet wird lange nicht mehr von allen Verlagen als Konkurrenz, sondern als Ergänzung gesehen, als Chance. Nicht alle Wege also führen in den Untergang.

Doch sind die Zeiten lange vorbei, in denen sich Verleger und Chefredakteure in dem Glauben zurücklehnen konnten, ein Qualitätsprodukt herzustellen, das sich schon irgendwie verkaufen wird. Auch ein solches muss ständig hinterfragt und verbessert werden, und gerade in Bereichen wie dem Lokal- oder Regionaljournalismus, denen in Deutschland nach wie vor ein reichlich staubiges Image anhaftet, gibt es mehr als genug zu tun.

Doch gerade in diesen Bereichen, die auch noch den stärksten Auflagenrückgang zu verkraften haben, gibt es die größte Hoffnung: Die lokale Nachricht wird vielleicht das wichtigste journalistische Gut der kommenden Jahre, eines, um das sich nicht auch noch die großen Fische im Becken streiten, eines, mit dem Zeitungen ein Alleinstellungsmerkmal haben - dessen Wert sie allerdings erst noch erkennen müssen. Und: Es gibt sie, die positiven Beispiele, die zeigen, dass man auch mit Berichten aus der Nachbarschaft seine Leser begeistern und an sich binden kann. Nur muss man dafür eben über seinen Tellerrand hinausschauen, manchmal bis nach Schweden oder Portugal.

kas/ivb/news.de
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