Leben in einer Schattenwelt
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Von Jana Werner
Artikel vom 26.04.2010
Sie kochen und putzen. Sie sitten Babys oder pflegen Senioren. Sie haben keine Einreisepapiere und Aufenthaltserlaubnis: Menschen, die sich illegal in Deutschland aufhalten. Der Film Schutzlos erzählt das Schicksal einer Frau aus Südamerika, das für Hunderttausende andere steht.
Maria (Carolina Vera) ist auf der Flucht - stets von der Angst getrieben, entdeckt zu werden. Die junge Frau stammt aus Honduras und arbeitet als Putzfrau illegal in Deutschland. Wie zigtausend andere lebt sie in einer Schattenwelt mit eigenen Gesetzen: Maria hat keine Papiere, keine Rechte.
Nach Motiven der Biografie Illegal - Die Geschichte einer Frau, die es offiziell nicht geben darf von Steffen Bayer hat Regisseur René Heisig einen bedrückenden Film inszeniert, in dessen Mittelpunkt eine aufopferungsvoll kämpfende Frau steht. Das ZDF zeigt Schutzlos» am 26. April (20.15 Uhr).
Um in Deutschland arbeiten zu können, musste Maria ihre Kinder in Honduras zurücklassen. Als sie erfährt, dass sie von ihrer Stiefmutter misshandelt werden, will sie Pablo und Isabell schnell nach Deutschland holen. Fortan spitzt sich Marias Kampf ums Überleben psychisch wie physisch zu. Ihr Freund Jens (Maximilian Brückner) verlässt sie, weil er sich mit der Situation überfordert fühlt. Erst der Versicherungsmathematiker Peter (Matthias Brandt), bei dem Maria putzt, macht ihr ein überraschendes Angebot.
Die «echte» Maria traf der Autor Bayer vor neun Jahren «irgendwo in einer deutschen Großstadt». Unsicher habe sie ihm ihre Hand gereicht, ihre Ausstrahlung habe ihn sogleich in ihren Bann gezogen, erinnert er sich. Sie habe ihn in eine deutsche Lebenswirklichkeit jenseits von Spaßgesellschaft und Versorgungsmentalität entführt. «Mittlerweile ist Deutschland meine Heimat geworden. Hier fühle ich mich wohl, hier habe ich neu geheiratet, hier leben meine Kinder», sagt Maria, deren Identität geheim gehalten wird. Denn noch heute könnte sie für ihren einst illegalen Aufenthalt abgeschoben werden.
Marias Erfahrungen sind exemplarisch für das Leben von vielen «unsichtbaren» Männern, Frauen und Kindern hierzulande. Zwischen 460.000 und einer Million «Illegale» leben laut Schätzungen in Deutschland. «Schutzlos holt diese Menschen aus dem Schatten», sagt die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU). Der Film stelle dieses Leben sehr realistisch und einfühlsam dar: die Arbeitsbedingungen, die besonderen Schwierigkeiten eines Lebens mit Kindern in der Illegalität sowie die traumatisierende Wirkung dieses heimlichen Lebens. Schutzlos rücke das Thema «Illegalität» in den Blick der breiten Öffentlichkeit.
Heisig zufolge klingt es für die illegal in Deutschland lebenden Menschen «wie ein Versprechen aus dem Paradies», wenn im Grundgesetz von der unantastbaren Würde des Menschen die Rede ist. «Sie sind geflohen vor Grauen, Gewalt, Krieg, Hungersnot, Vertreibung. Menschliches Treibgut, entwurzelt von der Heimat und Familie. Ihre Würde findet hier nicht statt», sagt der Regisseur. Statt Freiheit zähle nur das Versteck, Gleichheit sei ein Fremdwort, betont er.
Diese Ansicht ist deutlich in seinem Film wiederzuerkennen. Nicht nur, dass Maria in kühlen Bildern fast aussichtslos für ein Stück lebenswertes Dasein schuften muss. Es ist ferner ihre Umgebung, die nachdenklich macht: mal nett, mal herrisch und kalt, mal einfach nur gleichgültig. Mit Jens und Peter greift Heisig zwei typische Spießbürger auf, die sich dennoch unterscheiden. Während Jens sich zurückzieht, übernimmt Peter Verantwortung.
Jens ist Brückner zufolge ein Spiegel der Gesellschaft. «Er ist der typische Bürger, der niemandem etwas tut, aber auch nicht die Zivilcourage besitzt, seiner Freundin zu helfen», beschreibt Brückner (Tatort). Brandts Rolle ist zunächst nicht besonders auffällig, geht dann aber im weiteren Verlauf des Films den entscheidenden Schritt. Peter sei mitten aus unserem Alltag gegriffen, sagt Brandt (Die Frau, die im Wald verschwand).
Vor diesem Hintergrund gelingt der Hauptdarstellerin Vera eine fesselnde Leistung. Im Stuttgarter Tatort als sexy Staatsanwältin agierend, zeigt die 37-jährige Mimin chilenischer Herkunft in Schutzlos eine komplett andere Facette.
Schutzlos, 26. April, 20.15 Uhr, ZDF.
car/ivb/news.de/ddp
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