«Totalversagen der Verleger»
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke, Wien
Artikel vom 28.04.2010
Die Zeitungsbranche übt sich in Nachhilfe und Selbstkritik und schaut nach dem European Newspaper Congress in Wien ein wenig hoffnungsvoller in die Zukunft. Das Signal zumindest ist eindeutig: Die gedruckte Zeitung hat noch lange nicht ausgedient - trotz vieler Fehler und Probleme.
«Print lebt», twitterte der Chefredakteur der Koblenzer Rhein-Zeitung, Christian Lindner, am zweiten Tag des European Newspaper Congress in Wien - und wenn man aus diesen zwei Worten etwas herauslesen konnte, dann so etwas wie Dankbarkeit. Für ein wenig Licht in dunklen Zeiten, die der Zeitungsbranche von allen Seiten aufgeschwatzt werden. Zeiten des Umbruchs, der rasanten Veränderungen sind es allemal, in denen vor allem die sinkenden Auflagen und die vermeintliche Konkurrenz durch das Internet für Diskussionsstoff sorgen. Doch für zwei Tage hat die Zeitungsbranche nun das Tempo herausgenommen und sich einmal in Ruhe umgeschaut. Und was sie sieht, ist nicht nur düster.
Das Liebste, was Journalisten haben, so könnte man nach diesen zwei Tagen zusammenfassen, sind fremde Zitate. Was wurde da nicht alles in den Raum geworfen, kaum ein Referent am ersten Tag, der ohne weise Worte von Springer-Chef Matthias Döpfner (Beispiel: «Alle reden von Krise. Wir nicht.») daherkam, kaum ein Referent überhaupt, der nicht irgendjemand anderes für sich hatte reden lassen. Zum Glück jedoch, und von daher bleibt diese Beobachtung eine Randnotiz, waren all die Verweise kein Ersatz für die eigene Meinung.
Auch Johann Oberauer, österreichischer Verleger und Organisator des Kongresses, übt sich in vorsichtigem Optimismus und zieht ein positives Fazit - und das nicht nur, weil die Veranstaltung nach all der Unsicherheit durch den Vulkan Eyjafjallajoekull und seine Aschewolke überhaupt stattfinden konnte: «Wir hatten wieder eine Rekordbeteiligung, was ich als ein großes Kompliment für die Themen empfinde», sagt er. «Zudem waren viele, viele junge Journalisten vor Ort, was mir wieder einmal bewusst macht, wie wichtig es für uns ist, unseren Berufsstand ständig zu hinterfragen.»
«Verlängerung des Dauerpraktikums»
Dieses Hinterfragen, der stete Wandel im Journalismus, ist für Oberauer eines der wichtigsten Themen dieser Tage: «Wir haben quer durch die Medien einen Generationenwechsel geschafft», sagt er. «Die Alten, Saturierten, die ja eigentlich immer nur Zuwächse erlebt haben, sind weg.» Nun stehe die junge Generation, Oberauer meint damit die 40- bis 50-Jährigen, am Ruder, und die habe «ein stärkeres Bewusstsein dafür, etwas zu bewegen und damit umzugehen, dass die Zeiten härter geworden sind, ohne zu verzweifeln».
Die härteren Zeiten spürt auch Thomas Leif, Chefreporter des Südwestrundfunks, und er findet deutlichere Worte. Von einem «Totalversagen der Verleger» spricht er, wenn es darum geht, auch in schwierigen Zeiten und einem schwierigen Umfeld Umsätze zu generieren. Die Folge: Vor allem bei freien Journalisten spüre er durch den steigenden Druck, der nach unten ausgeübt werde, eine merkliche Aggression, die Stimmung sei «sehr schlecht». Zudem würden gerade im Online-Bereich immer mehr Journalisten zu reinen Content-Managern: «Ich würde von einer Konfektionierung der Inhalte sprechen.» Sorgen macht Leif sich darüber hinaus auch um den Nachwuchs: «Bei den jungen, guten Leuten gibt es eine totale Enttäuschung darüber, dass es kaum noch Möglichkeiten gibt, in den Beruf einzusteigen.» Er fürchte eine «Verlängerung des Dauerpraktikums», zudem sei eine «ständige Andrehung der Leistungsschraube» in den Redaktionen zu bemerken.
In den Führungsetagen jedoch ist von einer wirklich schlechten Stimmung nichts zu spüren. «Eine grundsätzliche Jammerei ist nicht zu erkennen», sagt Johann Oberauer. «Und man darf sich trotz knapper Ressourcen auch nicht erpressen lassen. Wenn Verleger nicht mehr in der Lage sind, den Job des Journalisten sicherzustellen, dann müssen wir eben der Gesellschaft klarmachen, wie wichtig er für sie ist.» Doch auch an die Adresse der Journalisten gab es in Wien ausreichend und scharfe Kritik, etwa von Tom Schimmeck, Autor des Branchenberichts Am besten nichts neues. Das Recycling sei heutzutage die wichtigste Arbeit in den Redaktionen geworden: «Die Journalisten in Deutschland sind mittlerweile die letzten, die merken, dass etwas passiert - es sei denn, es gibt eine Pressemitteilung dazu.»
Beruf des Journalisten in Gefahr
Auch von der Unsicherheit, die das Internetzeitalter für die alte Dame Zeitung bereithält, ist in Wien etwas zu spüren. «Der Eindruck einer Konzeptlosigkeit ist sehr stark», sagt etwa der Wiener NZZ-Korrespondent Charles E. Ritterband. Und auch in den Diskussionen spürt man, wie wichtig neue Impulse - etwa aus dem Online-Bereich oder von gerade frisch renovierten Zeitungen - zwar sind, wie zögerlich und vorsichtig diese jedoch aufgenommen werden.
Dabei hat die Branche neben fast durchweg sinkenden Auflagen ausreichend Beispiele zu bieten, wie man auch heute noch erfolgreich Zeitung machen kann. Nicht nur die großen deutschen Wochenzeitungen Die Zeit und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, auch kleine Regional- und Lokalzeitungen sind alles andere als am Ende, wie die Beispiele der schwedischen Smålandsposten oder der portugisischen informação zeigen. Doch gerade bei diesen Blättern ist es eine junge Generation, teils sogar deutlich unter 40, die für frischen Wind in den Redaktionsstuben sorgt und keine Angst davor hat, das Internet für sich zu nutzen - statt es als reine Konkurrenz zu sehen.
Die Stimmung in der Branche - sie reicht derzeit vom Optimismus eines Matthias Döpfner bis zum Pessimismus eines Bernd Ziesemer, Chefredakteur beim Handelsblatt, der kürzlich verlauten ließ, er habe sogar Angst, dass der Beruf des Journalisten gänzlich in Gefahr sein könnte. Doch immerhin, in Wien konnte man dieser Tage so etwas wie Aufbruchsstimmung erkennen.
voc/ivb/news.de
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Die poltische Korrektness hat auch dazu geführt, daß viele Themen gar nicht mehr oder nur sehr ungern angesprochen werden. Manchmal kommen mir die Zeitungen wie gleichgeschaltet vor. Ich denke da z.B. auch an die Berichte über Geert Wilders, der in allen dt. Medien immer nur als angeblicher REchtspopulist dargestellt wurde.
jetzt antwortenKommentar melden«Die Journalisten in Deutschland sind mittlerweile die letzten, die merken, dass etwas passiert" hört sich so zwar gut an greift das Problem aber nicht auf das darin besteht,daß man hierzulande bei vielen Themen knapp am beruflichen Selbstmord dahinschlittert.Wenn man nicht das richtige "Gespür" für das Wollen der Selbstgerechten hat schadet es nur wenn man die Nase in Dinge steckt die woanders eben anders gesehen werden.Dagegen braucht man kaum formulieren zu können um immer termingerecht die AP-,EIP-,INA-, usw. Meldungen weiter zu geben
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