Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Ein echter Stargast, viele bewährte Elemente und noch mehr Dildos gab es zum Auftakt der neuen Staffel von Willkommen bei Mario Barth. Das wurde passable Unterhaltung - vor allem dank des vollkommen uneitlen Gastgebers.
Mario Barth ist zurück. Dank Media-Markt-Werbung und des Kinofilms Männersache konnte man zwar glauben, der Comedy-Senkrechtstarter sei gar nicht weg gewesen. Doch seit gestern Abend ist er wieder Stammgast bei RTL und blödelt dort auf dem Sendeplatz, der zuletzt die Zeit zwischen den Auftritten und der Entscheidung bei Deutschland sucht den Superstar überbrücken musste.
«Neue Folgen» steht rechts oben – und das ist ein wichtiger Hinweis. Denn viel geändert hat sich bei Willkommen bei Mario Barth nicht. Der erste Abend der neuen Staffel steht unter dem Motto «Ladies Night», sonst ist alles wie immer: Der Gastgeber wirbt in der Pause für sein Wörterbuch Deutsch – Frau, Frau – Deutsch, diesmal für Fortgeschrittene. Er trägt noch immer leicht speckige T-Shirts und fängt nach spätestens zwei Minuten an, über seine Freundin zu erzählen. Er lädt Comedians ein, sorgt per Einspieler für Amüsement und wirkt am Schluss höchstselbst musikalisch beim Auftritt eines internationalen Topstars mit.
Zur Premiere der neuen Staffel klappt das jeweils im Verhältnis 50:50. Sehr lustig gerät Barths Anruf bei einer Astrologie-Hotline, mit dem er seine Flirt-Chancen bei Studiogast Jana Ina Zarella erkunden will. Dass die sich zuvor als Horoskop-Fan geoutet hatte und nun von der Wahrsagerin erfährt, dass ihr Gatte «nicht beziehungstauglich» und ihre Ehe «in spätestens zwei Jahren» zu Ende ist, zaubert dem Gastgeber das eine oder andere fette Grinsen ins Gesicht – und Jana Ina kann den dezenten Schrecken nicht verbergen. Barths Ausflug als Hippie nach San Francisco fällt allerdings komplett in die Kategorie «verschwendete Produktionsgelder».
«Bitch-Volleyball» mit Atze Schröder
Ähnlich sieht es bei den Comedy-Kollegen aus, denen Barth eine Bühne gibt: Bülent Ceylan macht seine mickrigen Witze noch immer ausschließlich über seine langen Haare und die Tatsache, dass er ein Türke aus Mannheim ist – das langweilt. Atze Schröder hingegen hat fast zu viele Pointen (und zu wenig Timing), sorgt aber trotzdem für sehr solide Lacher.
Vor allem steht er am Ende zum «Bitch-Volleyball» bereit. Das bedeutet: Verkleidet als Frau nimmt er an der Seite von Jana Ina den sportlichen Kampf gegen Barth (der sich ebenfalls in ein Puffmutter-Kostüm geworfen hat) und Ke$ha auf.
Die Sängerin ist ein Stargast, der diesen Namen auch verdient – schließlich hat sie mit Tik Tok gerade in sieben Ländern die Spitze der Charts erobert. Vor allem aber nimmt Ke$ha das, was ihr da begegnet, höchst professionell hin: Beim Talk auf der Couch ist das zunächst jede Menge Sexspielzeug, mit dem sich Barth und Jana Ina schon zuvor ausgiebig beschäftigt hatten. Später auf dem Volleyballfeld sind es die Geschlechtsteile von Atze Schröder, die sich ihren Weg unter dem zu kurzen Rock hervor bahnen. Am Schluss posiert die Amerikanerin trotzdem noch für ein Gruppenfoto. Zuhause wird sie wohl leicht befremdet erzählen, dass man im deutschen Fernsehen ungestraft «Penis» sagen darf, und dass die Deutschen sonst ziemlich schräg sind.
Um Gäste der Kategorie, die sonst hierzulande nur noch Thomas Gottschalk zu bieten hat, muss Mario Barth (nächste Woche kommt Robbie Williams) trotzdem nicht bange sein. Denn die Sendung zeigte wieder, warum sein Humor so gut funktioniert: Er traut sich eine Menge, ohne dabei aber zum respektlosen Rotzlöffel à la Oliver Pocher zu mutieren. Und er ist für alles zu haben, ohne sich deshalb zu prostituieren.
Mario Barth hat Spaß an dem, was er da treibt – und das ist sein Erfolgsrezept. Er kann über Furz-Witze lachen und vor den Gästen auf die Knie fallen, ohne sich verstellen zu müssen und ohne ständig von der eigenen Eitelkeit gebremst zu werden. Er ist einfach ein gut gelaunter Mensch – und das färbt ab.
hav/news.de
Vorweg, ich hab´s nicht gesehen,(und werde es auch in Zukunft nicht ansehen!) trotzdem frage ich, wie tief muß mann sinken, um das als gepflegte Unterhaltung zu verstehen ? Eine Anleihe von Qualität guter Unterhaltung, wo mann Tränen lachen kann, könnten die Privaten beim BR3 wie z.B. Freitags Comedy mit Grünwald u.s.w., holen.
jetzt antwortenKommentar meldenDass unsere Nation in geistig-kultureller Hinsicht bereits in der alleruntersten Schublade gelandet ist, verdanken wir nicht zuletzt auch solchen Darbietungen, wie sie Mario Barth präsentieren darf! Meine Auffassung mag manchen Leuten antiquiert erscheinen, dennoch finde ich, dass das ,was heute als "Comedy) angeboten wird die Grenze des "guten Geschmacks" bereits weit überschritten hat. Wir sollten uns ein Beispiel an den Franzosen nehmen (TV Monde ).Die sind bestimmt nicht humorlos und kommen ohne obszöne Begriffe und ohne Fäkalien-Sprache sehr gut aus. Ich schäme mich,Deutscher zu sein!
jetzt antwortenKommentar meldenMarios Witze haben selbst so nen Bart...
jetzt antwortenKommentar meldenEin schöner Text - da bekommt ja fast ein ausgemachter Barth-Verächter wie ich Lust, die Sendung mal zu schauen vor allem, wenn Robbie kommt!). Der Typ überlebt sich wohl nur deshalb nicht, weil er die "einer-von-uns"-nummer bis aufs letzte ausreizt. Außerdem lacht deutschland halt gern über geschlechtsteile. naja.
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