Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Michael Hanekes Drama Das weiße Band geht als großer Favorit ins Rennen um den 60. Deutschen Filmpreis. In 13 Kategorien ist der Schwarz-Weiß-Film über ein Dorf kurz vor dem Ersten Weltkrieg nominiert. News.de erklärt, wer sonst noch Chancen auf die Lola hat.
Der Deutsche Filmpreis wird zum 60. Mal verliehen und wer sich ein wenig für den einheimischen Film interessiert, der wird vielleicht schon etwas aufgeregt sein. Natürlich ist die Stimmung nicht die gleiche wie beim Oscar, aber das schreckt die deutsche Filmprominenz nicht.
Immerhin: Zum Jubiläum hat sich auch die Bundeskanzlerin angesagt. Angela Merkel soll bei der Gala zum Deutschen Filmpreis im Friedrichstadtpalast in Berlin die Lola für den besten Spielfilm verleihen. Hoher Favorit auf die begehrte Trophäe ist das Drama Das weiße Band des österreichischen Regisseurs Michael Haneke. Die Schwarz-Weiß-Produktion, die bereits in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, ist nicht nur in der Königskategorie dabei, sondern wurde noch zwölf weitere Male nominiert.
Vermutlich wird Haneke nicht nur den Preis für den besten Spielfilm entgegennehmen, auch in den Kategorien «Beste Regie» und «Bestes Drehbuch» ist ihm eine Lola so gut wie sicher. Immerhin hat Das weiße Band fast alle wichtigen Preise gewonnen: Hanekes in Deutschland gedrehter Film über mysteriöse Vorfälle in einem Dorf vor dem Ersten Weltkrieg gewann auch den Golden Globe Award und war als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert - wo er allerdings leer ausging.
Bei den Darsteller-Kategorien stehen die Favoriten nicht so eindeutig fest. Hoch im Kurs bei den Schauspielerinnen stehen Birgit Minichmayr für ihre Leistung in Maren Ades Beziehungsfilm Alle Anderen – sie wurde dafür auch mit einem Silbernen Bären auf der Berlinale ausgezeichnet – und Sibel Kekilli für ihre Darstellung in Feo Aladags Ehrenmord-Film Die Fremde. Zwischen beiden wird das Rennen um die Lola für die beste weibliche Hauptrolle wohl ausgemacht. Corinna Harfouch (This is Love) und Susanne Lothar (Das weiße Band) haben eher geringe Chancen.
Bei den Männern ist alles offen. Natürlich ist Burghart Klaußner (Das weiße Band) der große Favorit für die beste männliche Hauptrolle. Aber die jungen Darsteller machen ihm doch gehörig Konkurrenz: Fabian Hinrichs (Schwerkraft) und Devid Striesow (So glücklich war ich noch nie) könnten nach der kleinen Statue greifen. Henry Hübchen (Whisky mit Wodka) scheint – obwohl er wieder als Charmeur brilliert – abgeschlagen.
Nur einer kann sich seiner Auszeichnung sicher sein: Produzent, Drehbuchautor und Regisseur Bernd Eichinger (Der Untergang, Der Baader Meinhof Komplex) erhält den Ehrenpreis für hervorragende Verdienste um den deutschen Film.
Insgesamt wird der mit knapp 2,9 Millionen Euro höchst dotierte Kulturpreis in Deutschland in 16 Sparten vergeben. Eine Nominierung in der Kategorie «Bester Spielfilm» bringt 250.000 Euro, in den Sparten «Kinder- und Dokumentarfilm» 125.000 beziehungsweise 100.000 Euro. Die Gewinner kassieren den gleichen Betrag noch einmal.
Verständlich, dass die Filmbranche sich diese Veranstaltung nicht entgehen lässt: 1800 Schauspieler, Regisseure, Kameraleute. Drehbuchautoren und Produzenten sind Gäste der Filmpreis-Verleihung. Oscar-Preisträger Christoph Waltz gehört ebenso zu den Laudatoren wie der kroatisch-amerikanische Produzent Branko Lustig (Schindlers Liste) und der frühere James Bond-Szenenbildner Sir Ken Adam. Die Moderation übernimmt die hochschwangere Barbara Schöneberger. Im Mai soll die Geburt ihres ersten Kindes sein. Kein Wunder, dass Gäste der Gala sich schon besorgt gefragt haben: Es wird doch nicht etwa auf der Bühne zur Welt kommen?
Das Erste strahlt die Gala zeitversetzt ab 21.45 Uhr aus.
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