Ein ganzer Kerl und Papi
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 22.04.2010
Wer mit Francis Fulton-Smith alias Kommissar LaBréa auf Verbrecherjagd geht, muss sich auf einiges gefasst machen. Auf schöne Menschen, ein ziemlich deutsches Paris und einen Ermittler, der alles im Griff hat. Gute Unterhaltung – wenn man sie nicht zu ernst nimmt.
Das ist nicht das Paris, das wir kennen. Sicher, wir sehen die Champs-Élysées, wir sehen den Arc de Triomphe, es ist spätabends, und immer noch schieben sich die Autos langsam über die zehnspurige Prachstraße. Doch im Hintergrund droht Unheil, düstere Streicher sind ein eindeutiges Indiz. Und dann sehen wir es auch: drei Männer im Streit, Drohungen, Machtgehabe.
Wenig später ist einer der Männer tot: der berühmte Produzent Jacques Molin (Markus Graf). Und wir haben den Mord auch gesehen, haben gesehen, wie Molin seinen Mörder gedemütigt hat, haben gesehen, wie der dessen Waffe aus dem Schreibtisch genommen und abgedrückt hat. Nur den Mörder, den kennen wir nicht.
Maurice LaBréa (Francis Fulton-Smith) kennt ihn natürlich auch nicht, wäre ja auch zu langweilig gewesen. Doch er hat Spuren, und die führen beispielsweise zu Molins wenig treuer Witwe Germaine (Katja Flint) und ihrem wenig kooperativen Liebhaber Vincent Brihac (Simon Verhoeven). Oder zum Filmteam des Produzenten, mit dem er gerade an einem aktuellen Projekt gearbeitet hat. Trauer? Fehlanzeige, auf allen Seiten.
Routiniert produzierte Krimikost
Außerdem ist die sündhaft teure, goldene Uhr von Molin nicht mehr da, der Safe ist leer. Vielleicht doch ein Raubmord? Oder war es Caroline Becker (Felicitas Woll), der neue Star an Frankreichs Schauspielhimmel? Irgendwie kommt LaBréa ihr Parfum bekannt vor – aus Molins Schlafzimmer.
Fragen über Fragen für LaBréa, und der fühlt sich von Anfang an sichtlich wohl in diesem Fall, dem Mord in der Rue St. Lazare. Dieser Mann, der früher aufsteht als sein Hund, um eine Runde an der Seine entlang zu joggen, der nach einigen schwierigen Phasen inzwischen alles im Griff zu haben scheint – den Job, das Privatleben, sogar die nicht immer einfache Tochter Jenny (Leonie Brill). Und wenn mal gar nichts mehr hilft, gibt es ja immer noch das Blaulicht. Ein ganzer Kerl und Papi halt.
Es gibt wohl kaum eine Krimiserie im deutschen Fernsehen, die so routiniert produziert wird wie Kommissar LaBréa. Keine Brüche, Erklärungen für alles, und ein eingespieltes Team, aus dem höchstens Bruno Bruni als LaBréas Assistent Jean-Marc Lagarde ein wenig übereifrig heraussticht.
Ein Akkordeon und ein paar Bröckchen Französisch
Darüber hinaus hat sich Regisseur Dennis Satin einige mehr oder weniger prominente Darsteller ins Boot geholt, die mehr oder weniger gut mitspielen. Felicitas Woll als Filmstar geht vollkommen unter, Gudrun Landgrebe als Gerichtsmedizinerin Dr. Brigitte Foucart spult ihr Programm gewohnt professionell ab, Jule Ronstedt als Molins Assistentin Nadine Capelli gibt eine überzeugende Partie, Katja Flint bleibt ein wenig unter ihren Möglichkeiten.
Es gibt jedoch wohl auch kaum eine Krimiserie im deutschen Fernsehen, bei der Bilder und Atmosphäre derart auseinanderklaffen. Paris? Frankreich? Nun, man sieht, das ist Paris. Man sieht, das ist Frankreich. Und auch all die Namen, deutsch klingt das nicht. Doch Flair will nur selten aufkommen, da helfen auch die vereinzelt eingestreuten Akkordeon-Klänge nichts, die immer wieder hingeworfenen Bröckchen Französisch, all die schönen, gut angezogenen Menschen. Nein, das ist nicht das Paris, das wir kennen.
Und doch, Kommissar LaBrea, der im vergangenen Jahr eine ordentliche Quote von 4,9 Millionen Zuschauern eingefahren hatte, ist durchaus sehenswerte Unterhaltung. Man darf bloß nicht alles zu ernst nehmen in diesen Krimis, deren Fälle ihre Qualität haben und deren Bildsprache äußerst ansprechend ist. Ein Rosamunde-Pilcher-Film erzählt uns schließlich auch nichts über die wahre Liebe – auch wenn wir das nur allzu gerne glauben würden.
Kommissar LaBréa – Mord in der Rue St. Lazare, Donnerstag, 22. April, 20.15 Uhr, Das Erste.
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