Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Bizarre Sex-Affären, schräge Träume und Heißhunger auf Omelette: Die japanische Kultautorin Banana Yoshimoto hat in ihrem Buch Mein Körper weiß alles dreizehn schräge wie zarte Geschichten zusammengestellt.
Wer zu Büchern von Banana Yoshimoto greift, sucht keine Erbauungsliteratur. Da geht es meist um Lebenskrisen, Alkohol, Sex und schlaflose Nächte. So auch in ihrem neuen Werk Mein Körper weiß alles, das im Diogenes-Verlag erschienen ist. Dreizehn Geschichten erzählt uns die japanische Kultautorin, die sich neben Haruki Murakami in den neunziger Jahren einen Namen in Europa gemacht hat. Romane wie Kitchen oder Sly werden mit verschwörerischem Augenzwinkern unter Kennern herumgereicht. Ihre Geschichten sind geisterhaft und düster. Im Mittelpunkt steht meist eine junge Frau, die sich Lebensräume jenseits von exzessiven Arbeitszeiten und starren Familientraditionen sucht.
In ihrem aktuellen Buch erzählt Banana Yoshimoto Geschichten, die für sich stehen, aber dennoch miteinander verwoben sind. In dem Geflecht lernt der Leser junge Frauen kennen (oder ist es immer dieselbe?), die sich in einer Art Taucherglocke befinden, ein Krisenzustand, der sie vom Alltag ausklammert. Da passieren bizarre Affären, verschwören sich Wüstenlilien miteinander und ein Omelette wird zum Lebensretter.
In Der grüne Daumen stirbt die innig geliebte Großmutter und hinterlässt der Enkelin ein besonderes Gespür für Pflanzen. Die Geschichte Mein kleiner Fisch erzählt vom Schmerz über den Verlust eines vermeintlichen körperlichen Makels und in The Sound of Silence erfährt eine Frau ein lang gehütetes Familiengeheimnis.
Eine Stimmung wie in Lost in Translation
Die Sprache ist einfach, zum Teil sind die Dialoge etwas flach und der Zauber hinter den simplen Sätzen entfaltet sich nur zögerlich. Dennoch wählt Banana Yoshimoto viele eindringliche Bilder, streift durch das Unterbewusstsein und hat viele schön schräge Gedanken. Diese Geschichten sind etwas leichtfüßiger als ihre Vorgängerwerke, verlieren dadurch aber auch etwas an Intensität. Die Krisen bleiben an der Oberfläche, werfen keine tief verankerten Schichten auf.
Die Stimmung in den Geschichten ist vergleichbar mit der Atmosphäre des Films Lost in Translation. Hier bewegen sich die Figuren in einer Blase jenseits von Zeit und Raum, in die Außenstehende nicht eindringen können und gönnen sich herrliche Skurrilitäten: Ein herzzerreißendes Gefühl beim Anblick von Ruderboten. Ein Kobold, der hinter der Waschmaschine lebt. Ein Knötchen, das aussieht wie ein kleiner Fisch.
Auch die Autorin leistet sich so einen kleinen Knall: Warum Banana Yoshimoto, die eigentlich Mahoko Yoshimoto, so einen skurillen Künstlernamen wählte, verrät sie uns leider nicht. Es gibt aber Spekulationen, dass sie sich damit in ironischer Weise von ihrem berühmten Vater, dem Philosophen Takaaki Yoshimoto abgrenzen will. Sie selbst hat das natürlich bestritten und verweist stattdessen auf die Schönheit der roten Bananenblüte.
Autor: Banana Yoshimoto
Titel: Mein Körper weiß alles
Verlag: Diogenes
Seitenzahl: 204 Seiten
Preis: 18,90 Euro