Fr., 10.02.12

«Hang Cool Teddy Bear» Mit Mamis Lächeln und Papis Wumme

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke

Artikel vom 21.04.2010

Ein Album wie ein Paukenschlag: Nach vier Jahren meldet sich Meat Loaf mit Hang Cool Teddy Bear fulminant zurück. Es ist ein Werk, dem man sogar ein, zwei kleinere Durchhänger verzeiht, weil selbst sie großartig sind. Selten hat Rock so viel Spaß gemacht.

21.04.2010
Meat Loaf
62 und kein bisschen leise
Video: Universal Music Germany

Sicher, Rock ist eine Lebenseinstellung und eine ernste Sache noch dazu. Damit macht man keine Witze. Und doch sollte man nicht glauben, jeder Rockstar sei deshalb gleich ein verkopfter, spaßbefreiter und tunnelblickiger Grübler. Schon gar nicht Meat Loaf.

Sein neues Album Hang Cool Teddy Bear zeigt das wie vielleicht kein zweites zuvor. Und das, obwohl das auf einer Kurzgeschichte von Kilian Kerwins basierende Gerüst, das Meat Loaf um seine 13 Songs spinnt (Ja, es ist mal wieder ein Konzeptalbum geworden), durchaus ernst und melancholisch ist. Um einen Soldaten geht es da, einen verwundeten Soldaten und seine 13 Visionen von seinem zukünftigen Leben.

Und so singt Meat Loaf davon, was vielleicht einmal sein könnte: vom Frieden auf Erden, den er gar nicht haben will, von erfüllter und verweigerter und unmöglicher Liebe, vom Wahn, von ehrlichem Sex und davon, dass er Elvis in Vegas gesehen haben will.

Und doch, so ganz ernst nimmt sich dieser Mann mit seinen 62 Jahren nicht mehr, sich und seine Musik. Schon dem Opener, Peace On Earth, kann man das anhören, mit diesen unvermeidlichen Klavierpassagen, die Jamie Muhoberac so auch bei Joshua Kadison geklaut haben könnte, und einigen Streichern, die klingen, als spielten sie für die Titelmelodie einer 70er-Jahre-Spielshow.

Mit Dr. House am Klavier

Und überhaupt: Sich Special Guests für ein solches Album einzuladen, ist ja schön und gut, doch was bitte haben Spaßrocker Jack Black oder das Multitalent Hugh Laurie (Dr. House) bei dieser Platte zu suchen? Spätestens an diesem Punkt sollte jedem klar sein, dass diese 13 Songs zwar ernst zu nehmen sind, doch ernst gemeint sind lange nicht alle.

Darüber hinaus aber bleibt Meat Loaf seinen vielen klassischen Idealen treu. Mit Living On The Outside etwa, dem zweiten Stück, in dem er wieder einmal dieses wahnsinnige Taktgefühl beweist, einfach mit jeder Silbe aus dem Takt zu hüpfen und doch, am Ende der Strophe, wieder auf den Punkt da zu sein, in dem er davon singt, Mamis Lächeln und Papis Wumme dabei zu haben – ganz zu schweigen von der Tachonadel zwischen seinen Beinen. Und wenn man sich anschaut, mit welcher Energie, welcher diebischen Freude dieser in die Jahre gekommene Rocker immer noch zu Werke geht, kann man sich vorstellen, was Meat Loaf mit alldem meint. Und herzlich darüber lachen.

Er hat für dieses Album alles zusammengerafft, was derzeit bei ihm denkbar scheint. Mit If I Can't Have You eine als Ballade beginnende, später atemlose und kraftvolle Nummer, bei der ihn Dr. House am Klavier und Kara Dioguardi mit ihrer Stimme begleitet, mit Love Is Not Real ein von Brian Mays und Steve Vais Gitarren dominiertes, mitunter düsteres Stück und bei Song Of Madness, ebenfalls begleitet von Steve Vai, denkt man nicht nur einmal an Iron Maiden oder AC/DC – vor 15 Jahren.

Zudem hat sich Meat Loaf, der sich von Jim Steinman endgültig losgesagt zu haben scheint, mit Rob Cavallo (Goo Goo Dolls, Green Day, My Chemical Romance) einen Produzenten gesucht, der ihm ganz offensichtlich nicht allzusehr in die Hacken getreten hat. Zwar haben ein, zwei Nummern ihre Schwächen, Love Is Not Real etwa hängt in der Mitte leicht durch und fängt sich nur mühsam wieder, If It Rains, das in seinem Duktus ein wenig an Aerosmith in den 1990ern erinnert, klingt streckenweise etwas breiig, dem großen Gesamtvergnügen aber schadet das nicht.

Auf den Spuren der Beastie Boys

Und das vor allem deshalb, weil Meat Loaf noch immer diesen unbedingten Willen zur Theatralik hat, zum Pathetischen. Kein Stück auf diesem Album, das nicht übertrieben wirkt, kein Stück, das nicht die schmunzelnde Hybris dieses Sängers verrät. Doch dazwischen verstecken sich kleine Perlen, der Auftritt von Jack Black etwa, der mit ihm Like A Rose eingespielt hat, das mit der Zeile «You better pray, she took her morning medication» beginnt und mit dem sich Meat Loaf und Black kongenial auf die Spuren der Beastie Boys machen. Hardrock trifft weißen Rap.

Oder California Isn't Big Enough, eines der Stücke, die Meat Loaf den von ihm vermutlich geliebten «Explicit-Content»-Aufkleber für diese Platte eingebracht haben dürften. «I can barely fit my dick in my pants» heißt es da, aber auch «I wanna smash your face», dazu muntere Gitarren, Synthesizer-Klänge und – im Booklet gleich nebenan – das völlig überkitschte Bild einer halbnackten, muskulösen Blondine in einer Fantasie-Landschaft – von hinten.

Ohne dass dieses Album nicht immer noch nach Meat Loaf klingen würde (allein schon seine und die Stimme von Patti Russo sorgen dafür, ebenso wie das wohlvertraute Schlagzeug von John Miceli), leiht sich Meat Loaf Versatzstücke, wo immer es geht. Russische Folklore und der Sound der frühen Arena-Alben für Running Away From Me, die Stimmung von Up Where We Belong für den Einstieg von Let's Be In Love oder ein Stückchen Kid Rock für die ersten Zeilen von Los Angeloser, einer herrlichen Parodie auf die Liebe und ihren – monetären – Wert.

Dieses Album, es hat alles, was ein großer Wurf braucht: Bombastische Opern und stimmige Balladen, griffige Südstaatensounds und richtig altmodischen, knackigen Rock. Mit immerhin sechs Platten hat es der Texaner bisher in die deutschen Charts geschafft, zum ersten Mal mit dem unübertroffenen Bat Out Of Hell (1977, Platz 1), zum bislang letzten Mal 2006 mit Bat out of Hell III: The Monster Is Loose (Platz 2). Es müsste schon mit dem Teufel zugehen (Und zu dessen Rhythmus weiß Meat Loaf ja durchaus zu tanzenIn seinem Stück «Blind As A Bat» sing Meat Loaf, er sei es gewohnt, zum Rythmus des Teufels zu tanzen. ), wenn sich das mit diesem Album nicht wiederholen ließe. Es hat das Zeug zur Nummer eins.

Interpret: Meat Loaf
Titel: Hang Cool Teddy Bear
Plattenfirma: Mercury/Universal
Erscheinungsdatum: 23. April 2010


Für kurze Zeit gibt es Prize Fighter Lover, die B-Seite von Hang Cool Teddy Bear, kostenlos als Download. Zudem verlost Universal ein exklusives Meet & Greet mit dem Altrocker.

car/news.de
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