Das F-Wort
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Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert, Berlin
Artikel vom 16.04.2010
Digitale Kultur, Datenschutz und Bürgerrechte waren im Netz schon lange Thema, bevor «Zensursula» es in die klassischen Medien geschafft hat. Gerade geht es in Blogs auch um Gleichberechtigung und Diskriminierung. Nur ein Schlagwort fehlt noch.
Manchem mag die Netzkonferenz re:publica irgendwie noch immer entrückt vorkommen. Tatsächlich lässt sich vieles, über das gerade in Berlin diskutiert wird, nicht prompt an dem testen, was hier gelegentlich «Real Life» heißt, dem «wirklichen Leben» also. Beim Thema Feministische Netzkultur ist das anders.
Oben, im nicht ganz gefüllten Großen Saal der Berliner Kalkscheune, haben gerade vier Frauen und ein Mann darüber gesprochen, wie schwierig es ist, sich gegen die verbreitete Meinung durchzusetzen, für Gleichberechtigung sei doch zumindest in Deutschland im Prinzip alles getan. Unten, in der mit geschäftig Plaudernden befüllten Lounge, sehen die Leute schnell unangemessen betroffen aus, fällt das F-Wort. «Feminismus, naja, das hat irgendwie schon ein Geschmäckle, gerade heutzutage, ne?», sagt eine Frau. «Ich merke ja inzwischen an mir selbst, dass es mit Karrierechancen und dem Lohn manchmal schwierig ist. Aber Feminismus? Brauchen wir das noch?», bemerkt eine andere.
Helga Hansen kennt das. «Das ist die größte Herausforderung heutzutage, Dinge zu ändern, die noch nicht stimmen, obwohl alle irgendwie für Gleichbehandlung und gegen Sexismus sind.» Sie schreibt für das feministische Blog Mädchenmannschaft auf, was noch nicht stimmt: Dass Frauen in Deutschland für die gleiche Arbeit immer noch 23 Prozent weniger Lohn bekommen als ihre männlichen Kollegen zum Beispiel. Oder dass Vergewaltigungen manchmal mit dem zu kurzen Rock des Opfers entschuldigt werden.
Vernetzung ja, Einigkeit nein
Die re:publica 2009 musste sich den Vorwurf gefallen lassen, dass zu wenige Frauen auf den Podien und in den Vorträgen vertreten waren. Seitdem hat sich eine Menge getan. Das Wichtigste sei die bessere Vernetzung unter Feministischen Bloggern, sagt Chris Köver vom Missy Magazin. Die Macherinnen der Mädchenmannschaft hatten die Facebook-Gruppe Girls On Web Society gegründet, es gibt das Blog-Projekt, Girls Can Blog, das Blogs und Autoren vorstellt und zur Vernetzung beitragen will.
Dass die stärker werdende Präsenz feministischer Blogs im Netz eine Bewegung ist, wird im Untertitel der Veranstaltung auf der re:publica schlicht unterstellt. Auf dem Podium selbst mag diese Formulierung niemand so richtig. Aber tatsächlich wird die «feministische Szene», wie Chris Köver es lieber nennen würde, inzwischen auch von einflussreichen Blogs wahrgenommen, die Themen finden im Netz statt.
Die Art von Aufmerksamkeit, die klassische Medien und Öffentlichkeit den Netzthemen rund um Internetsperren und Datenschutz angedeihen lassen, fehlt aber. «Feministische Themen sind überhaupt noch nicht in der breiten Öffentlichkeit angekommen», sagt Helga Hansen. Meistens würden die Themen zwar frauenbezogen, aber nicht feministisch behandelt. «Ursula von der Leyen hat zwar die Partnermonate eingeführt, was eigentlich ein feministisches Thema ist. Aber die würde sich eher den Fuß abhacken, als zu sagen, dass es das ist.»
USA: Feministinnen feste Größe in den Medien
Ein Schlagwort à la Zensursula, das weiter als bis zum Rand der Blogosphäre durchdringt, fehlt dem Anliegen also noch. Das liegt zum einen schlicht am Feminismus selbst, sagt Chris Köver: «Entgegen der öffentlichen Meinung ist der Feminismus nie eine einheitliche Bewegung gewesen.»
Auch jetzt sei es schwer, die verschiedenen Strömungen auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören und so öffentlichkeitswirksame Kampagnen zu stemmen. Außerdem sagt sie, seien die Themen heute abstrakt im Gegensatz zu denen in den 1980er Jahren, als Frauen gegen klare gesetzliche Ungerechtigkeiten kämpften. «Das macht es schwierig, sie anzupacken», so Köver.
Als die re:publica 2007 zum ersten Mal stattfand, lasen sich die Presseberichte darüber noch so, als gehe es um eine infantile Randerscheinung. «Sie kennen sich untereinander aus dem Internet - und wollen sich im echten Leben treffen», schrieb damals der Tagesspiegel, «konsequent unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle», kommentierte die FAZ.
Eine Netzsperrendebatte später ist noch immer nicht alles gut, aber die Themen der großen deutschen Blogs schaffen es regelmäßig auch in klassische Medien. Vielleicht sind es ja die feministischen Inhalte, die als nächstes ein bisschen rausrücken können aus der Nische. «Das wäre zu hoffen», sagt Helga. «In Amerika, das ja immer ein bisschen voraus ist, ist genau das passiert: Am Anfang gab es feministische Blogs, die immer größer geworden sind. Und inzwischen finden die Themen statt und Feministinnen schreiben Kommentare für große Zeitungen.»
amg/ivb/news.de
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Stephanie von der Mädchenmannschaft hat heute noch mal zu diesem Thema gebloggt: http://maedchenmannschaft.net/in-was-fur-einer-gesellschaft-wollen-wir-leben/ Und ich habe die Fortsetzung dazu geschrieben: http://www.piratenweib.de/?p=1396
jetzt antwortenKommentar meldenAls Nebenerscheinung des Panels "Sexismus im Netz" gab´s auch noch das: http://www.piratenweib.de/?p=1341 und http://www.piratenweib.de/?p=1378
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