Der Inhalt zählt - immer noch
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Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert, Berlin
Artikel vom 15.04.2010
Als 2007 der erste deutsche Blogvermarkter startete, war von der Zerstörung der Blog-Kultur durch Werbung genauso die Rede, wie die Hoffnung auf das große Geld spürbar. Erfüllt wurde sie nur manchmal. Jetzt ist wieder Goldgräberstimmung.
Da vorne steht einer, der es geschafft hat. Sascha Pallenberg bloggt über Netbooks, wohnt in einem 15-Quadratmeter-Apartment in Taipeh und reist von dort aus nach Europa und in die USA. Gerade macht er Station in Berlin, auf der Netzkonferenz re:publica und erzählt mit der Beiläufigkeit des Erfolgreichen, wie er in den ersten 14 Monaten mit dem Blog Eeepcnews.de 120.000 Euro verdient hat. «Nichts ist so alt wie das Blogposting, das ihr eben publiziert habt», sagt er seinen Zuhörern in der Berliner Kalkscheune, die wissen wollen, wie man mit Blogs Geld verdient.
Content is King lautet immer noch die Antwort, die so alt ist wie die Frage. «Wichtig ist nicht, welches Banner du auf dein Blog packst oder mit welchen Vermarktern du ins Gespräch kommst», sagt Pallenberg im Interview mit dctp.tv. «Wichtig ist, dass du verdammt noch mal guten Content auf deiner Seite hast.»
Die Sache mit den Vermarktern würde Vasco Sommer-Nunes vielleicht anders sehen, aber auch er weiß, wie wichtig es ist, welche Inhalte Blogger erstellen. «Blogger sind authentisch und haben das Vertrauen ihrer Leser. Sie sind die besten Muliplikatoren», sagt der Geschäftsführer des Blogvermarkters Mokono und gleich hinterher: «Das ist ja auch nichts Neues.»
Wenige Besucher können viel wert sein
Ist es nicht. Neu ist aber, dass das auch langsam die Werbewirtschaft versteht. Lange sei es schwierig gewesen, Blogs als Werbeumfeld zu vermitteln. Und ist es noch, zumindest bei konservativen Unternehmen.
«Blogger sind autonom. Da gibt es keine Redaktion, die man anrufen kann, wenn einem etwas nicht passt», sagt Sommer-Nunes. Davor fürchteten sich einige Unternehmen. Aber inzwischen wollten immer mehr Kunden Blogs in ihrem Werbeportfolio, weil sie sie für die wichtigsten Multiplikatoren im Netz hielten.
Mokono selbst will die Schnittstelle sein zwischen der noch zögerlichen Werbewirtschaft und den Bloggern. «Wir nehmen den Mediaagenturen ab, 1000 Blogs abzutelefonieren, sich mit hohem Zeitaufwand mit diesem kleinteiligen Medium zu beschäftigen.» 4,6 Millionen Nutzer erreicht Mokono in Deutschland, 41 Millionen in ganz Europa. Die Blogs des Vermarkters Adnation, der Pionier war auf dem deutschen Markt, erreichen eine Million Nutzer.
Trotzdem ist die Reichweite von Mokono rein quantitativ keine Konkurrenz für die klassischen Werbeumfelder im Netz. Das Nachrichtenmagazin Spiegel Online erreicht allein jeden Monat etwa die gleiche Anzahl von Nutzern wie alle Blogs von Mokono zusammen. Aber das wird bald sowieso nicht mehr so wichtig sein, glaubt Sascha Pallenberg.
«Es wird inzwischen nicht immer nur auf die Zahlen geschielt, die Qualität der Leser zählt», sagt er und entschuldigt sich, dass er Deutschland mal wieder mit Amerika vergleicht. Aber dort sei man halt immer ein bisschen weiter. Tatsächlich wurde in den USA schon 2007 für 200 Millionen US-Dollar in Blogs geworben.
Viel Zukunftsmusik – immer noch
In Deutschland hat der Zentralverband der deutschen Wirtschaft noch im Dezember 2009 moniert, dass viele Unternehmen wegen des Internets nicht mehr wüssten, wie sie werben sollen. Mangels Know-how schreckten sie vor Innovationen und Werbeausgaben zurück.
«Fest steht aber auch: Markt-Kommunikation via Internet ist eine nicht umkehrbare Größe», heißt es in einem Papier des Zentralverbandes. Sie werde kontinuierlich an Bedeutung gewinnen und verspreche eine Ergänzung zu traditionellen Massenmedien. Das hört sich nach Zukunftsmusik an, immer noch.
Für Sommer-Nunes ist diese Zukunft, in der Blogger mit Werbung genug Geld zum Leben verdienen, schon da. Aber nur für den, der das Bloggen zur Profession macht und nicht mal eben so nebenher ein paar Beiträge schreibt.
Eben jemand wie Sascha Pallenberg, der sagt, sein Tag habe 48 Stunden, eigentlich aber brauche er 72. Jedes Mal, wenn er auf die re:publica kommt, sagt der Technik-Blogger, ist er danach extrem hoffnungsvoll, was die Professionalisierung der deutschen Blogosphäre angeht. «Das hält dann immer so zwei Monate an.»
voc/ivb/news.de
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