Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Das «El Clasico», Real Madrid gegen den FC Barcelona, haben am Wochenende Millionen in aller Welt geschaut. In Deutschland konnte man es kostenlos im Internet-Stream bei LaOla1.tv ansehen. Wir haben einen Macher der österreichischen Seite gesprochen.
LaOla1.tv hat am vergangenen Wochenende die Kapazitäten des deutschsprachigen Internets nach eigenen Angaben an die Belastungsgrenze gebracht. Der österreichische Anbieter zeigte das Top-Spiel der spanischen Primera Division, Real Madrid gegen FC Barcelona, live und kostenlos. Darüber und über illegale Konkurrenz sprachen wir mit dem Geschäftsführer des Unternehmens, Karl Wieseneder.
Wie lief es denn am Samstag?
Wieseneder: Sehr gut, danke.
Was heißt denn «sehr gut»?
Wieseneder: Wir hatten 2,2 Millionen Zugriffe auf unseren Stream.
Wie viel von dieser Zahl würden Sie dem Superstar Lionel Messi zuschreiben?
Wieseneder: Ich würde es nicht nur, aber auch ihm zuschreiben. Wir hatten das Spiel exklusiv, das war das eine. Und es hat eine Rolle gespielt, dass die Konstellation mit Real und Barca so eng war mit der Punktgleichheit. Aber natürlich hat Messi mit seinen vier Toren in der Champions League dazu beigetragen, dass es in der ganzen Welt einen großen Hype um dieses Spiel gab.
Haben Sie sich das Spiel in ihrem eigenen Stream angeschaut?
Wieseneder: Ja, na klar.
Und, waren sie zufrieden? Bei mir war der Stream alles andere als perfekt.
Wieseneder: Ich habe das Spiel mit über 100 Menschen geschaut und das hat eigentlich sehr gut funktioniert. In einigen Städten gab es zugegebenermaßen Probleme, da die Streams wegen fehlender Bandbreite nicht sauber ausgeliefert wurden.
Sie senden oft mit österreichischen Kommentatoren. Sind denn schon Beschwerden von deutschen Zuschauern aufgelaufen?
Wieseneder: In der Anfangszeit gab es tatsächlich einige Beschwerden. Aber wir senden immer abwechselnd mit deutschen und österreichischen Kommentatoren, da gehen die Beschwerden mittlerweile eher in die fachliche Richtung.
Was außer spanischem Fußball streamen Sie noch?
Wieseneder: Seit zwei Jahren zeigen wir die Champions League im Volleyball. Das Beispiel zeigt auch, dass man in solchen Sportarten weltweit präsent sein muss, um eine kritische Masse an Zuschauern zu erreichen. Dann haben wir schon den Louis-Vuitton-Cup im Segeln übertragen, der angesichts des reduzierten America's Cup das wichtigste Segelereignis des Jahres ist. Und derzeit übertragen wir die Türkei-Rundfahrt im Radsport. Aber in Österreich zeigen wir in Kooperation mit Sat.1 auch die Europa League im Fußball live.
Welche Sportarten wären denn für Sie in Zukunft interessant?
Wieseneder: Profiligen und große Ereignisse werden schwer finanzierbar sein. Wir werden uns vorerst auf kleinen Sportarten konzentrieren, denen wir quasi ein Wohnzimmer bieten können. Das kann im Radsport noch mehr werden. Oder auch im Volleyball und im Beachvolleyball. Vielleicht noch Badminton.
Bezahlen oder kostenlos? Wie sieht es langfristig aus?
Wieseneder: Derzeit bieten wir die meisten Sachen kostenlos, aber werbefinanziert an. Künftig wollen wir verstärkt sogenannte Hybrid-Angebote machen, bei denen der Nutzer entscheiden kann, ob er die Werbung akzeptiert oder etwas zahlen möchte. Da könnte dann auch eine bessere Qualität des Streams geliefert werden. Es wird aber Sportarten geben, die nur über Bezahlangebote funktionieren werden. Schon jetzt haben wir oft Gespräche mit Veranstaltern, die darauf drängen, nur in Bezahlangeboten präsent zu sein. Wir sind aber nach allen Seiten offen. Derzeit bemühen wir uns, über kostenlose Angebote Reichweite zu schaffen.
Sie beobachten sicher auch die legale und illegale Konkurrenz im Internet ...
Wieseneder: Es ist derzeit so, dass es einige illegale Portale gibt, die versuchen, irgendwelche Links zu grapschen. Da gibt es aber oft nicht die Qualität, die eigentlich nachgefragt wird. Und gegen diese Portale laufen teilweise schon Klagen. Letztlich geht es aber auch darum, dass wenn man Sport schaut, diesen damit auch finanziert.
Karl Wieseneder (45) ist seit Januar 2001 geschäftsführender Gesellschafter bei LaOla1.tv, einem Streaming-Portal im Internet. Derzeit überträgt das Portal bis zu sieben Spiele pro Spieltag aus der spanischen ersten Fußball-Liga.
voc/ivb/news.de
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