Ein Kontinent wird kleingehalten
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Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Artikel vom 14.04.2010
Milliardenhilfen fließen jährlich an Afrika. Doch das Geld der Welt trägt nicht dazu bei, dem Kontinent aus der Patsche zu helfen. Rupert Neudeck warnt in Die Kraft Afrikas davor, die Staaten der Safaris und Fußballer weiterhin am Tropf hängen zu lassen.
Afrika ist eine Fußballnation. Frühstens seit Kickerstars in der Bundesliga mitmischen, deren Heimat der schwarze Kontinent ist. Spätestens seit Südafrika mit der Weltmeisterschaft für kurze Zeit zum Nabel der Welt wird. Ist das alles, was Afrika zu bieten hat? Was in den meisten Köpfen an Wissen existiert, beschränkt sich auf Safaris, Armut und Elend, und diejenigen, die vor die Tore Europas strömen.
Doch von einer echten Auseinandersetzung mit dem Kontinent der Vielfalt ist das weit entfernt. Mögen die Bibliotheken und das Internet noch so voll sein von Informationen über die 53 Staaten jenseits des Mittelmeers: Immer stärker geht das Interesse an den afrikanischen Staaten verloren, deren Entwicklungsstatus seit Jahrzehnten kaum Besserung erfährt.
Es ist ein klares Resümee, das der Journalist und Mitbegründer des Komitees Cap Anamur, Rupert Neudeck, in seinem Buch Die Kraft Afrikas. Warum der Kontinent noch nicht verloren ist zieht: Europa und die Welt müssen ihr noch immer kolonialistisches Denken ablegen und endlich auf Afrika vertrauen.
Dabei sind die präsentierten Fakten so neu nicht. Ein Land der Gegensätze ist Afrika schließlich nicht erst seit gestern und die Korruption der Führenden, die vom Begriff der Landeselite weit entfernt sind, ist längst keine Überraschung mehr.
Machtstreben hält Afrika klein
Was also kann Neudeck Neues bieten? Dass sich das Afrika, auf das der Journalist blickt, trotz Milliardenhilfen nicht mehr entwickelt? Dass sich Staaten wie Äthiopien und Ägypten nicht mehr als afrikanisch betrachten, sondern für etwas Besseres halten?
Überraschend ist das nicht. Das aber braucht es auch nicht zu sein. Viel eher geht es dem Autor darum, deutlich zu machen, was der Welt im Bezug auf den Kontinent fehlt, der mit Naturschönheiten glänzt und in den Krisen sein absolut hässliches Gesicht zeigt: die gegenwärtige Auseinandersetzung mit den Fehlern, die die nicht-afrikanischen Staaten und Regierungen an Afrika begangen haben.
Sklaverei, Menschenhandel, Verdrängungen durch die Weißen haben Afrikas Entwicklung bis heute geprägt. Hinzu kommt die Kolonialisierung, die Ausdruck allein von Besitzstreben und Unterwerfung ist, bei der die Betroffenen aber freilich kein Wörtchen mitzureden hatten. Und für die habe es - so Neudeck - eine wirkliche Entschuldigung bis heute nicht gegeben.
Inzwischen mögen Afrikas Staaten unabhängig sein. Doch wie viel Wert hat eine Unabhängigkeit, die nichts weiter als das Chaos ist, das die einstigen Kolonialmächte mit ihrem Rückzug hinterlassen haben? Nur ganz wenige afrikanische Staaten haben heute eine funktionierende Infrastruktur, von Bildungsssystemen ganz zu schweigen.
Neudeck spart in seinem Buch nicht damit, Kritik in alle Richtungen zu schießen: auf die vermeintlichen afrikanischen Regierungen, die lieber individuelle Interessen und Machterhalt verfolgen statt sich für ihr Volk einzusetzen; an die europäische Politik, die Menschenrechte verspreche, aber nur die eigenen Interessen gewahrt sehen will; auf die katholische Kirche, die Schutz verspricht, deren Vertreter auf Erden eher aber dem Luxus fröhnen und die im Moment höchster Not ihre christliche Aufgabe scheinbar vergessen.
Seite um Seite wartet der Journalist und Afrika-Aktivist mit historischen Fakten und schlechten Beispielen auf. Und er verlässt sich auch auf die Wirkung, die afrikanische Selbstkritik nach dem Motto «Wir sind nicht so erfolgreich wie die asiatischen Tigerstaaten, weil wir nicht die Disziplin haben, uns unabhängig zu machen» hinterlässt. Ganz zu schweigen davon, dass - zumindest die rohstoffreichen - afrikanischen Staaten schon wieder kurz davor stehen, in die Fänge ausländischer Interessen zu geraten. China, das seinen Ölbedarf zu großen Teilen aus afrikanischen Vorkommen stillt, den Kontinent dafür im Gegenzug mit schlechter Billigware überflutet - und dabei die wenigen zarten Keime heimischer Wirtschaft niedertrampelt -, ist dabei nur ein Beispiel.
Der schwarze Kontinent braucht Selbstdisziplin
Ohne Zweifel ist Die Kraft Afrikas ein Buch, das kontrovers gelesen werden muss. Nicht zuletzt, weil Neudecks Argumentation eine längst bekannte ist. Andererseits: Mit Nachdruck zu betonen, dass sich gerade Europa verstärkt mit dem gegenwärtigen Entwicklungsstand des Kontinents befassen muss, kann gar nicht wichtig genug genommen werden. Denn Europa - und vor allem Deutschland mit seinen sozialen Sicherungssystemen - ist für Menschen das gelobte Land, die in ihrer eigenen Heimat nicht wie Menschen behandelt werden.
Was Afrika braucht, auch das lässt der Journalist deutlich werden, ist die Kraft, sich selbst aus dem Schlammassel zu ziehen, selbst zu bestimmen, welche Hilfen es braucht. Afrika muss die KleptokratenEine Kleptokratie ist eine eine Herrschaftsform, bei der die Herrschenden willkürlich über den Besitz und die Einkünfte der Untergebenen entscheiden und sich auf ihre Kosten bereichern - eines von Neudecks Lieblingsworten - beseitigen. Es darf seine Bemühungen, an sich zu arbeiten, nicht in dem Moment einstellen, in dem Geld von außen zufließt.
Dass Neudeck im Gegenzug vorschlägt, die Welt möge solches Verhalten loben oder im Gegenzug bei Fehlverhalten bestrafen, wiederspricht aber seiner eigenen Kritik, dass Europa Afrika nicht als Partner, sondern als hilfebedürftig betrachtet. Sanktionierung geschieht aber nicht auf gleichrangiger Ebene, sondern immer nur nach eigenen Interessen. Zumal die Bewertung, ob eine Regierung nun gegen die Korruption agiert und investiert, eben nicht aus den afrikanischen Reihen erfolgt, sondern nach europäischen Maßstäben gesetzt wird.
Letztlich aber macht der Autor klar, dass es die eine Lösung nicht geben kann. Probleme von außen beheben zu wollen, sei mit Blick auf die vergangenen Fehlentscheidungen der Weltregierungen kein Weg. Was Afrika tatsächlich braucht, sind die eigenen Eliten - Menschen mit Visionen, wie sie einst Nelson Mandela vertrat.
Autor: Rupert Neudeck
Titel: Die Kraft Afrikas. Warum der Kontinent noch nicht verloren ist
Verlag: C.H. Beck
Seitenzahl: 256 Seiten
Preis: 19,95 Euro
Erscheinungsdatum: 23. März 2010
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Der Redkateur schreibt vom LAND Afrika. Bitte im Atlas nachsehen: es ist ein Kontinent, größer als Europa. Der Fokus des medialen Interesses ist meist auf Deutsch-Afrika beschränkt (Südafrika, Kenia, Tanzania und Namibia). Seit der papierenen Aufhebung des Kollonialismus wird der KONTINENT Afrika von den Kollonialmächten (Besatzungsmächten) als Rohstofflager geplündert. In "friedlicher" Koexistenz beuten USA, F, NL, GB und E den Kontinent systematisch aus. MILLIARDEN an Gewinne schreibt die westliche Industrie in Afrika. Die Verantwortlichen für Millionen Toter: Wir, die Konsumgesellschaft.
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