Der große Schrecken im bürgerlichen Leben einer Wohlstandsfamilie: Das Töchterchen verliebt sich in einen Junkie und wird selbst drogenabhängig. Harter Tobak für die Eltern. Sat.1 zeigt zu diesem Thema ein Familiendrama mit dem Titel Mein Kind nicht.
Am Sat.1-Dienstagabend geht es meist romantisch-komödienhaft zu, doch nicht so in dieser Woche: An dem mit dem Verzweiflungsschrei «Nicht meine Tochter!» (Dienstag, 20.15 Uhr) überschriebenen Film von Wolfgang Murnberger (Regie) und Konstanze Breitebner (Buch, nach einer wahren Geschichte), ist nichts romantisch oder gar komisch. Erzählt wird, wie in die bürgerlich abgehobene Welt einer Wohlstandsfamilie der große Schrecken einbricht, als sich das gerade mal 16-jährige Töchterchen in einen hübschen, aber haltlosen Junkie verliebt. Mit der ganzen altklugen Selbstsicherheit ihrer jungen Jahre meint sie ihm helfen zu können, um mit ihm ins ferne Traumland Indien zu starten - und gerät selbst, von den Eltern erst kaum, dann immer erschrockener notiert, in den Teufelskreis von Drogen und wachsender Abhängigkeit.
In der Rolle der Mutter, die zunächst noch glaubt, allen Problemen mit «Verständnis» beikommen zu können: Lisa Martinek. An die Dreharbeiten in Wien erinnert sie sich mit kleinem Schauder: «Ich gehe sowieso nur ungern durch U-Bahn-Tunnel. Hier aber waren wir bis zu 14 Drehstunden im Tunnel am Karlsplatz, da hockte dann das Häuflein Komparsen unseres Films als angeworbene Fixer, aber ringsum waren genug echte Junkies, armselige Gestalten.» Und sie, die selbst nicht Mutter ist, konnte oft den Gedanken nicht unterdrücken: «Wenn das nun dein Sohn oder deine Tochter wären...»
Kämpfende Löwin ohne Schickeria-Getue
Im Film gebärdet sie sich im Kampf um die Tochter wie eine Löwin ohne alles feine Schickeria-Getue, und «diese Szenen», meint sie lachend, «waren mir eigentlich die liebsten». Ihren Film-Ehemann, einen nüchtern rechnenden Finanzmenschen, der zunächst noch abwartet, dann aber die direkteren, zuweilen brutaleren Lösungen aller Probleme anstrebt, spielt Bernhard Schir: «Ich hoffe, ich würde früher erkennen und handeln als hier.»
Beider Film-Tochter ist die erst 16-jährige Nikola Rudle, die noch das Konservatorium besucht. Lisa Martinek spricht voll Anerkennung von der jungen Kollegin: «Sie hat eine gehörige Portion Selbstbewusstsein, und das ist gut, begegnete jedoch uns Älteren durchaus mit einem sehr sympathischen Respekt.»
Auch sonst war es, bis auf das «Elternpaar», ein rein österreichisches Ensemble. Sat.1-Redakteur Jochen Ketschau äußert sich sehr zufrieden über diese neuerliche Koproduktion mit dem ORF: «Es gab ja schon in der Vergangenheit sehr erfolgreiche Zusammenarbeiten mit den österreichischen Kollegen, wie zum Beispiel beim Vierteiler Zodiak - Der Horoskop-Mörder. Umso erfreuter waren wir, als der ORF im Juni 2008 wieder auf uns zukam.» Auf dieser Schiene will man weiterfahren, «auch wenn von allen geplanten Koproduktionen noch nichts ganz spruchreif ist».