Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Die Buchmacher sagen Lena Meyer-Landrut bereits einen Sieg in Oslo voraus. Bis dahin aber tingelt die 18-Jährige erst einmal von Auftritt zu Auftritt und alle Welt spricht weiter davon, wie «authentisch» und «echt» sie doch sei. Doch ist das wirklich so?
Es klingt großartig und doch irgendwie lausig. Mit einer Gewinnquote von durchschnittlich 45, für zehn Britische Pfund Wetteinsatz würde ein Spieler bei einem Sieg also 45 als Gewinn ausbezahlt bekommen, liegt Lena Meyer-Landrut knapp vor der Konkurrenz, wie der Stern in dieser Woche schreibt. So weit so gut, doch was ist das für eine Konkurrenz? Aserbaidschan, Israel, Armenien und Dänemark. Pillepalle.
Doch vorsicht, der Eurovision Song Contest ist keine Fußball-WM und Israel – um ein in den vergangenen Jahren bereits erfolgreich gestartetes Land zu nehmen – durchaus ein Schwergewicht im internationalen Sängerwettstreit. Insofern zählt es schon was, wenn die Buchmacher auf der Insel die 18-jährige Abiturientin ganz vorne sehen.
Dazu kommen andere Zahlen, die eine deutliche Sprache sprechen: Ihre Videos, etwa auf YouTube, werden im Millionenbereich geklickt, ihre Single Satellite hat binnen Tagen die Charts gestürmt und derzeit vergeht keine größere Fernseh-Show ohne einen Auftritt der hübschen Sängerin. Heute Verstehen Sie Spaß?, im Mai die NDR Talkshow, Frag doch mal die Maus und Schlag den Raab, es ist eine breit gestreute Zielgruppe, die sie da angeht. Doch schließlich vertritt sie auch ein ganzes Land in Oslo. Klar, dass man da vorher jeden erreichen will.
Schon hat Der Spiegel den schönen Begriff «Lenaismus» geprägt und spricht von einem bürgerlichen Pop-Wunder: «Sie hat eine Saite angeschlagen, die das Land in mächtige Schwingungen versetzt hat, und das hat nichts damit zu tun, dass der lange Zeit ziemlich dämliche Songwettbewerb hier wieder Bedeutung hat. Wahrscheinlich hat es eher damit zu tun, dass sich dieses Land in ein 18-jähriges Mädchen aus Hannover verliebt hat.» Doch warum ist das eigentlich so?
So viel Attitüde war selten
Zwei Worte begegnen einem immer wieder, wenn man sich – etwa im Internet – auf die Suche nach Lena Meyer-Landrut macht. In Foren und Blogs, in Artikeln und bei Twitter, ständig ist die Rede davon, wie «echt» und «authentisch» sie doch sei. Doch ist das wirklich so? Schaut man sich ihre Auftritte einmal genauer an, fällt auf, dass eigentlich gar nichts daran echt ist. So viel Attitüde war selten, von der mädchenhaften Kleidung bis hin zum pseudobritischen Akzent, fast alles an der Schülerin aus Hannover wirkt aufgesetzt und gekünstelt. Zwar kann so eine Fassade wirken sein, dass sich auf der Bühne jedoch der Mensch Lena Meyer-Landrut zeigt, diesem Trugschluss sollte man sich nicht hingeben.
Was dahinter steckt, wie Lena Meyer-Landrut wirklich ist, das wissen nur wenige. «Sie spielt kein Instrument und kann keine Noten lesen», schrieb Der Spiegel. «Sie ist weitsichtig, hat eine Tätowierung auf dem linken, inneren Oberarm und ist in Wirklichkeit noch schmaler als im Fernsehen. Vergangene Woche war sie im Kino und hat sich die Verfilmung von Stieg Larssons Verdammnis angeschaut, die sie ‹toll› fand. Wenn Reporter Freunde von Lena fragen, wie sie denn so sei, ist die Antwort häufig: ‹ein bisschen crazy›. Das ist es schon.» Ein paar Sachen könne man sich noch dazudenken, ein paar muss man wohl einfach offen lassen. So auch die Frage, ob sie wohl einen Freund hat.
Es soll wohl einfach niemand wissen, wer sie wirklich ist. Schließlich ist es schon auffällig, wie wenig der neue Star an Deutschlands Pop-Himmel preisgibt, wie konsequent sie sich Interviews verweigert. Und wenn, dann bleibt sie ungefähr, weicht aus, belässt es bei Allgemeinplätzen. Vielleicht ist das auch gut so, hat man doch schon oft erlebt, wie sich Prominente im Gespräch mit Journalisten binnen Minuten selbst entzaubern. Zumindest dieser Gefahr ist Lena Meyer-Landrut bis heute erfolgreich aus dem Weg gegangen.
«Die Naivität ist Teil ihrer Faszination»
Und was sollte sie auch zu sagen haben? Eine 18-jährige Abiturientin, die zwar singen kann und eine bezaubernde Ausstrahlung hat, die aber ihre Lieder (noch) nicht selbst schreibt und sich bisher kaum Gedanken darüber gemacht haben dürfte, ob sie der Welt etwas mitzuteilen hat. Ein größere Botschaft? Außer der, dass sie die Bühne zu lieben scheint? Wohl kaum. Marius Müller-Westernhagen hat – obwohl auch er von Authentizität spricht – wohl Recht, wenn er sagt: «Die Naivität, die Lena ausstrahlt, ist ein Teil ihrer Faszination. Die Naivität darf sie in dem Rummel um ihre Person nicht verlieren, das wäre sehr schade.»
Und so bewegt sich Lena Meyer-Landrut erst einmal weiter auf gewohntem Terrain, auf dem sie so begeistert empfangen wird, offenbar nicht nur in Deutschland. Was danach kommt, nach Oslo, nach dem Abi, wird sich zeigen. Doch schon hat man manchmal das Gefühl, es könnte zuviel des Guten sein, eine gewisse Gereiztheit meint man zu spüren, wenn wieder einmal die Kameras auf sie gerichtet sind und sie singt: «I went everywhere for you, I even did my hair for you, I bought new underwear, they’re blue and I wore ‘em just the other day» und dabei das «day» so gedehnt und mit offenem A ausspricht, als sei sie ihr halbes Leben zwischen Irland, Schottland und England gependelt.
Vielleicht aber ist es auch alles ganz anders. Vielleicht macht sie einfach Schluss nach Oslo? Nach dem Motto: Augen zu und durch und weg? Nein, das würde sie uns nicht antun, oder? Nicht, nachdem sie für Deutschland zum ersten Mal seit Nicole den ersten Platz geholt hat.
car/news.de
Ich fühle mich bei Lenas Kleinmädchengetue einfach nur peinlich berührt. So etwas kann sich (höchstens) leisten, wer sich mal eine Pause von seiner ansonsten offenkundigen Intelligenz gönnen will und - das vor allem - als Sängerin mit einer kräftigen Stimme alle Töne trifft. Sicher ist eine 19-Jährige noch keine ausgereifte Persönlichkeit, aber über Kindergartengebaren, das auch schon in diesem Alter einfältig wirkt, sollte sie hinaus sein. Dass Lena es offenbar nicht ist, nützt vor allem Stefan Raab, dem die €-Zeichen in die Augen springen, sobald er in Lenas Nähe ist.
jetzt antwortenKommentar meldenWenn man bedenkt wie "Neulinge" von der Presse verrissen werden, wen wundert es da, wenn Lena sich bewußt mit persönlichen Aussagen/Interviews zurück hält. Jeder vernünftig denkende Mensch würde dies tun. Hier kann man Ablästern und der Redakteur fängt damit an, wers braucht ist hier wohl herzlich willkommen. LG Kai
jetzt antwortenKommentar meldenDa sie in Oslo gewinnt, daran glaubt sie selbst wahrscheinlich am wenigsten. Der ESC-Ausgang ist und bleibt m.E. ein reines Roulette. Lena 'Attitüde' zu unterstellen, halte ich für unverschämt. Dann müsste sie bei ihren Schulband-Auftritten 2009 schon gewußt haben, das sie 2010 zu USfO wird und bei Gottschalk, Crantz, usw. auftritt. Denn dort bewegt, spricht, singt sie schon so, wie wir sie kennen und lieben. Mann merkt ihr, wenn sie sich unterhält, an das sie andere Menschen respektiert, ohne unterwürfig zu werden. Das ist bei einem so jungen Menschen schon recht außergewöhnlich
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