Mit Annette Frier und Henning Baum startet Sat.1 in seinen neuen Serien-Montag. Noch vor einem Jahr scheiterte der Privatsender mit deutschen Serien am Donnerstag. Vorsicht ist also geboten: Frier und Baum müssen sich in einer Testphase beweisen.
Vor einem Jahr ließ Sat.1 groß auffahren. Mit gleich fünf neuen Produktionen hoffte der Privatsender, den Donnerstag als Top-Serienplatz gleichsam im Sturm zu erobern. Doch das Experiment schlug fehl. Drei der neuen Serien floppten. Die beiden anderen wurden gar nicht erst ins Rennen geschickt - doch nun bekommen sie endlich ihre Chance: Von heute an dürfen Annette Frier als muntere Rechtsberaterin Danni Lowinski und Henning Baum als Der letzte Bulle um Gerechtigkeit kämpfen.
Beide sollen erst einmal bis zur Fußball-WM, also acht Wochen lang, getestet werden. Mit Frier und Baum hofft Joachim Kosack, Leiter der deutschen Fiktion bei Sat.1, den Montag als Serienplatz fest zu etablieren. Dass gerade dieser Wochentag bei den Kollegen von der öffentlich-rechtlichen ARD als Schleudersitz für Serienunterhaltung gilt, irritiert ihn nicht weiter: «Wir bei Sat.1 denken lieber an solche Montagserfolge wie SK Kölsch oder Edel & Starck zurück.»
Bei SK Kölsch wurde kräftig gekillt und geballert. Danni Lowinski, mit Edel & Starck-Schöpfer Marc Terjung als Hauptautor, gibt sich friedlicher, wenn auch ähnlich militant: Kurzerhand eröffnet die arbeitslose Juristin in einer Einkaufspassage eine ambulante Rechtsberatung und nimmt dort pro Beratung gerade mal einen Euro pro Minute. «Nein, das ist nicht so ganz unrealistisch», widerspricht Annette Frier, selbst Anwaltstochter, der dann aber doch die ganze Juristerei «zu öde» war, «telefonische Rechtsberatung gibt es schließlich schon».
Ein moderner Rip van Winkle
Ob sie selber zu einer solchen Beratung gehen würde? «Zu mir selbst alle Mal», sagt sie lachend. Ihre Danni umweht zugleich ein Hauch Robin Hood, «wenn sie auch so edel nicht ist, sondern im Kern durchaus egoistisch». Aber auch sie nimmt sich der sozial Schwachen an und so komisch-komödiantisch wie noch in der ersten Folge, geht es nicht immer zu: «Wir erzählen etwa auch die Geschichte einer achtzehnjährigen Spastikerin mit gerade mal noch vier Jahren Lebenserwartung, deren Versicherung eine Schönheitsoperation verweigert.»
Jeden Montag um 21.15 Uhr startet sie zu neuen Gefechten mit ihrem zunächst nur zynisch auf Erfolg und Geld bedachten Widerpart, dem stromlinienförmigen Anwalt Oliver (Jan Sosniok).
Der letzte Bulle geht ihr um 20.15 Uhr voraus: Dort erwacht nach 20 Jahren Polizist Mick Brisgau aus dem Koma, eine Art moderner Rip van Winkle, der die neue Zeit nicht mehr so richtig versteht. Aber er meistert sie, mit altbewährten Tricks und vielen coolen Sprüchen. Anders als in der Serie Mit Herz und Handschellen spielt Henning Baum diesmal keinen schwulen Cop. Dafür dreht er aber schon mal einem den Arm um, der einen schwulen Freund zu verspotten gewagt hatte.