So., 27.05.12

Abu Dhabi TV 08.04.2010 Verschleiert gegen Rückschritt

TV-Show macht verschleierte Dichterin berühmt (Foto)
Hissa al-Hilal wurde dritte beim Wettbewerb «Dichter für Millionen». Bild: dpa

Todesdrohungen hat Hissa al-Hilal bekommen, weil sie bei einem Lyrikwettbewerb von Abu Dhabi TV Gedichte gegen Rückschrittlichkeit und für die Freiheit vorgetragen hatte. Jetzt ist die verschleierte Journalistin eine kleine Berühmtheit.

Hissa al-Hilal (43) verbirgt ihr Gesicht hinter einem schwarzen Schleier, so wie die meisten Frauen in ihrer Heimat Saudi-Arabien. Deshalb kann niemand ihre Enttäuschung sehen, als nicht sie, sondern ein Dichter aus Kuwait zum «Dichter für Millionen» gewählt wird.

Sie selbst landet in der Endausscheidung des populären arabischen Lyrikwettbewerbs von Abu Dhabi TV auf dem dritten Platz. Doch obwohl sie nicht gewinnt, hat die Sendung die mutige Frau aus Saudi-Arabien weltbekannt gemacht. Als sie in einer früheren Folge der Sendung ein Gedicht gegen fanatische Religionsgelehrte vortrug, die junge Männer zu Selbstmordattentaten anstacheln, tauchten in Islamistenforen im Internet Todesdrohungen auf.

Mit dem Schleier für Freiheit und Versöhnung

Die Journalistin ließ sich davon aber nicht einschüchtern und trug weiterhin Gedichte gegen «Rückschrittlichkeit» und Intoleranz vor. Auch im Finale der Live-Sendung nimmt sie an diesem Abend kein Blatt vor den Mund. Sie fordert mehr Meinungsfreiheit und beschimpft ihre Gegner als «zischende Schlangen» und «bellende Hunde». Al-Hilal ist nicht entgangen, dass man sich im Westen gewundert hat, dass ausgerechnet eine komplett verschleierte Frau aus dem islamischen Königreich Saudi-Arabien mit einer Botschaft für Freiheit und Versöhnung an die Öffentlichkeit tritt.

Doch, was man in London oder Paris über sie denkt, ist ihr egal. «Die im Westen haben sich nur deshalb gewundert, weil sie einfach gar nichts über uns wissen», sagt sie mit einem Achselzucken. «Sie denken, eine Frau, die den Gesichtsschleier trägt, gehört automatisch zu den Extremisten». Den Schleier, der nur einen Sehschlitz frei lässt, trägt Al-Hilal aber, wie sie selbst sagt, gar nicht aus religiösen Gründen, «sondern weil ich aus einer konservativen Stammesgesellschaft komme, wo dies zu den Traditionen gehört».

Liebesgedichte sind verboten

Diese Traditionen verbieten es ihr auch, mit einem Liebesgedicht vor das Fernsehpublikum zu treten, so wie es einige ihrer männlichen Konkurrenten in der Sendung getan haben. «Bei den Männer geht das durch, aber wenn ich als Frau hier vor anderen Männern so ein Gedicht vortragen würde, dann käme das in der Gesellschaft, aus der ich stamme, sicher nicht gut an», erklärt sie. Nach dem Rummel der vergangenen Wochen will sie jetzt erst einmal zwei Monate Urlaub machen und sich ausruhen.

Die drei Millionen Dirham (rund 611.000 Euro) Preisgeld, die sie für den dritten Platz erhalten hat, will sie benutzen, um ihrer kranken Tochter eine gute ärztliche Behandlung zu verschaffen. «Und dann werde ich ein Haus kaufen», sagt sie. Dann klemmt sich Hissa al-Hilal ihre kleine Handtasche unter den Arm, nimmt die goldene Trophäe - ein Netz aus arabischen Buchstaben - und verschwindet in den Kulissen, klein, resolut und schwarz wie ein Schatten.

tfa/bla/reu/news.de/dpa
Leserkommentare (3) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • PROminusBApunktDE
  • Kommentar 3
  • 09.04.2010 10:43
 

@lungus Der beste Schutz gegen die Machtübernahme durch Unterwanderung unserer Parteien durch Muslime ist der politische Druck durch eine rechte Partei in jeden Landtag und dem Bundestag. FDP-Delmenhorst wird von dem türk. Vorsitzenden mit türkisch-chauvinistischen Parolen geführt. Deswegen sind dort vier deutsche Stadtratsmitglieder erst aus der Fraktion und dann aus der FDP ausgetreten und gründen eine eigene Fraktion. Ich selber bin Mitglied bei der Bürgerbewegung Pro-Deutschland.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Longus
  • Kommentar 2
  • 08.04.2010 16:45
 

einmal mehr ein beispiel dafür, was uns hier blüht, sollten muslime sich hier weiterhin vermehren und irgendwann die mehrheit stellen. demokratie u. grundgesetz sind nur lippenbekenntnisse. selbst ein gemässigter moslem wird sich immer den drohungen der radikalen unterwerfen und die schnauze halten. den handvoll mutigen hier in europa wurde ja auch bereits der tod angedroht.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Paul Schneutzlich
  • Kommentar 1
  • 08.04.2010 15:19
 

Offensichtlich muss jede Religion ihr eigenes "Mittelalter" durchleben. Technischer Fortschritt und wissenschaftliche Entwicklung scheinen das nicht zu beschleunigen.

jetzt antwortenKommentar melden
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Wir empfehlen
Anzeige
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige