Albern im Cockpit
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Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Artikel vom 31.03.2010
Herrenlose Schrauben unterm Flieger und heilige Kühe auf der Landebahn: Die absurdesten Flugzeuggeschichten haben Stephan Orth und Antje Blinda gesammelt. Diese urkomische Kollektion ist jetzt als Hörbuch erschienen.
Menschen mit Flugangst müssen jetzt ganz stark sein. All das, was die sich in ihren schlimmsten Träumen ausmalen, kommt hier noch viel schlimmer. Abstürze und Tote gibt es zwar nicht, dafür ein ziemlich sadistisches Flugpersonal.
Stephan Orth und Antje Blinda aus der Reiseredaktion von Spiegel Online haben unter ihren Lesern schräge Flugerlebnisse gesammelt. Die urkomische Kollektion von Horrorgeschichten ist erst auf Spiegel Online, dann als Buch und jetzt auch als Hörbuch erschienen.
Will man vom Piloten Dinge wie «Keine Angst, das Flugzeug ist sehr zuverlässig: Es fliegt schon seit zwanzig Jahren» hören, wenn unter einem das leere Nichts gähnt? Nein, aber lustig ist es trotzdem, vor allem wenn man wieder festen Boden unter den Füßen hat. Jeder, der sich schon einmal schweißgebadet an den Sitz gekrallt hat, kennt sie wohl, die alberne Erleichterung, wenn man auf etwas wackeligen Beinen zum Gepäckband stürmt. Selten war Applaus so herzlich, wie nach einem geglückten Landemanöver. Was aber, wenn man sich zu früh gefreut hat und der Kapitän über die Gegensprechanlage sagt: «Vielen Dank für den Applaus, aber es ist relativ normal, dass beim Landeanflug das Fahrgestell ausgefahren wird.» So was landet dann im Hörbuch.
In den Fluggeschichten, die Stephan Orth und Antja Blinda aufgetrieben haben, liegen plötzlich Schrauben unter dem Flugzeug, heilige Kühe blockieren die Landebahn oder der Boardcomputer stürzt ab. Auch Piloten sind mal albern: In einem halb leeren Flugzeug bittet der Pilot die Passagiere, einen Fensterplatz einzunehmen, «damit die Konkurrenz denkt, wir sind ausgebucht».
Nerven aus Stahl brauchten Passagiere, die Geschichten wie diese aus ihrem Urlaub mitbringen: Die Stewardess stürmt zum Fenster und brüllt: «Oh, mein Gott! Die Tragfläche!» und während die erbleichten Passagiere auf die völlig intakten Tragflächen starren, sagt sie: «Entschuldigung, das wollte ich immer schon mal machen.»
Es ist doch so: Im Flugzeug legen wir unser Leben vertrauensvoll in die Hände der Kabinencrew, versuchen jeden Gedanken an einen tausende Meter tiefen Absturz in die hintere Ecke des Unterbewusstseins zu schieben. Es ist eine mehr oder weniger hysterische Grundstimmung, in der die meisten Menschen in den Flieger steigen. Ein fruchtbarer Boden also für üble Scherze aus dem Cockpit. Und genau deshalb funktionieren die schrägen Geschichten auch so gut.
Bei dem Hörbuch gehen die Sprecher Stefan Kaminski, Nina West und Thomas Fränzel aber leider etwas leidenschaftslos an die Sache und so versandet die eine oder andere Pointe, die in schriftlicher Form für Brüller sorgt. Zwischendrin können Hysteriker bei kleinen Infokästen etwas zu Atem kommen: Da erfährt der Hörer, wie sicher eine Flugreise tatsächlich ist, was Flug-Phobiker gegen Panikattacken unternehmen können und warum eine Landung auf dem Meer so heikel ist. Das ist interessant, aber ein bisschen zu ernst. Dennoch ist Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt ein sehr lustiges Hörbuch, als Vorbereitung für den nächsten Flug bestens geeignet. Ganz hart Gesottene hören sich das an, während der Flieger auf die Startbahn rollt.
Titel: Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt
Autoren: Stephan Orth und Antje Blinda
Sprecher: Stefan Kaminski, Nina West und Thomas Fränzel
Verlag: Der Audioverlag
Preis: 14,99 Euro
Spielzeit: 71 Minuten
Erscheinungsdatum: 20. März 2010
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