So., 27.05.12

Bloke Modisane 06.04.2010 Ein südafrikanisches Ausnahmetalent

Bloke Modisane (Foto)
Bloke Modisane wurde auf dem Friedhof im Dortmunder Stadtteil Syburg begraben. 2011 jährt sich der Todestag des Schriftstellers zum 25. Mal. Bild: Katharina Fink

Von news.de-Mitarbeiterin Katharina Fink

Südafrikanische Geschichte ist näher als man denkt: Wenige Kilometer entfernt von Dortmund liegt Bloke Modisane begraben. Der bekannte Schriftsteller starb einsam im Exil. Sein bedeutendstes Werk war während der Apartheid jahrelang verboten.

William «Bloke» Modisane, einer der bedeutendsten Autoren Südafrikas, hatte eine weite Reise hinter sich, als er an einem kalten Märztag im Jahr 1986 in seiner Wohnung im Dortmunder Norden starb. Kaum einer seiner Nachbarn wusste um seine tragische Geschichte, die von Verfolgung, Exil und Verlust berichtet. Aber auch von einem Ausnahmetalent, das vielleicht im Schreiben eine wahre Heimat gefunden hatte.

Der 1923 in Südafrika geborene Modisane prägte eine Ära mit. In den 1950ern versuchte eine Generation von Künstlern, Politikern und ganz normalen Menschen an Orten wie Sophiatown, Modisanes multikulturellem Viertel in Johannesburg, ein Mindestmaß an Freiheit zu erringen. Nicht erst seit der offiziellen Einführung der Apartheid 1948 war die Mehrheit der Südafrikaner als Nicht-Weiße praktisch rechtlos - Terror, Enteignung und Folter waren Alltag. Wie kaum einem Anderen gelang es Modisane, die Verhältnisse seiner Zeit mit Ironie und Detailschärfe zu analysieren: Die Ungleichheit und das, was sie in der Psyche der Betroffenen anrichtet.

Der Schauspieler, Autor und Journalist war Teil des legendären Drum-Magazins, das ab 1951 ein Forum für afrikanische Kultur darstellte. Hier arbeitete er mit Jürgen Schadeberg zusammen, dem berühmten Mandela-Photographen deutscher Herkunft. Gemeinsam porträtierten sie Sophiatown, diesen Ausnahmeort mitten im strikt nach Hautfarbe getrennten Johannesburg. Dort war man besessen von amerikanischen Kinofilmen, von Mode, Gangstern, Jazz und Literatur - aus diesem Milieu stammt auch Modisanes Spitzname «Bloke», angelehnt an eine Romanfigur, den er bis über den Tod hinaus behalten sollte.

Er starb unerkannt, vereinsamt und in Armut

1955 markierte das Ende von Modisanes geliebt-gehasstem Viertel: Unter dem Vorwand der Stadtentwicklung verloren 65.000 Sophiatowner ihr Hab und Gut und wurden zwangsumgesiedelt. Der verfolgte Modisane ging, wie fast alle Intellektuellen und Künstler, ins Exil. Zunächst nach England, wo es ihm 1963 gelang, seine Autobiographie Blame Me On History (Weiß ist das Gesetz) zu publizieren. In ihr liefert er eine messerscharfe Beschreibung des Lebens in einem System des Ausschlusses - in Südafrika stand das Buch sofort auf dem Index und konnte erst nach Nelson Mandelas Freilassung veröffentlicht werden.

Später zog Modisane nach Dortmund, wo er unerkannt und verarmt lebte, bis einige Kollegen auf ihn aufmerksam wurden. Schriftsteller Heinrich Peuckmann und dem Schrifstellerverband Nordrhein-Westfalen gelang es schließlich, ihm ein ersehntes, existenzsicherndes Stipendium zu verschaffen. Davon Gebrauch machen konnte er nicht mehr: Nur einen Tag, nachdem ihm die frohe Nachricht erreicht hatte, erlag Bloke Modisane einem Asthmaanfall. Peuckmann und seine Kollegen arbeiten seither daran, Modisanes Geschichte, vor allem aber sein Werk als Schriftsteller, bekannter zu machen.

mas/bla/reu/news.de
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