Von news.de-Mitarbeiterin Stephanie Bremerich
Pünktlich zur New York Fashion Week hat sich Frau Klum mit ihren Mädchen im Big Apple eingefunden, wo neue Shoots, Challenges, Walks und Competitions warten. Oder auch nicht.
Wenn’s beim Kämmen ziept und zurrt, wissen die Muttis dieser Welt: Wer schön sein will muss leiden. Wer Supermodel werden will, so scheint es, muss sogar super viel leiden. Bevor Heidi ihr Hühnerhaus nämlich auf die Cat Walks der Modemetropole loslässt, heißt es erst mal: Federn lassen. Oder besser: Haare ab. Star-Coiffeur Michel Aleman (superwichtig, hat schon mit Star X, Y und Z zusammengearbeitet) wartet schon, um die 15 Mädchen für die New York Fashion Week auf Linie zu bürsten. Ein neuer Look muss her, «weg vom Wald- und Wiesenfrisör», wie Frau Klum sagt, damit aus den Mädchen endlich «Typen» werden. Beim Anblick von Lockenstab, Schere und Toupierkamm verlässt einige der Mädchen jedoch bereits der Mut: «Kann mir mal jemand ’nen Schnaps bringen?», fragt Miriam noch gallig, während bei Nesthäkchen Lara erste Tränen fließen. Es sollen nicht die letzten sein: Für Lara wird es am Ende der Sendung kein Foto geben.
New York Fashion Week! Das klingt aufregend, nach kosmpolitem Glanz und urbanem Flair. Bei GNTM merkt man davon allerdings nicht besonders viel. Die frisch ondulierten Mädchen werden erst mal mit Juror Q zum Klinkenputzen geschickt, um sich für einen potenziellen «Walk» vorstellig zu machen. Es hat etwas Verzweifeltes und ist auf eine bezeichnende Weise traurig, wie sie sich von Designer zu Designer (alle superwichtig, haben schon mit Star X, Y und Z zusammengearbeitet) hangeln, zwischen Kleiderständern in improvisierten Umkleideräumen auf- und abstöckeln, anschließend im graubetonierten Treppenhaus warten und frieren, um dann schlussendlich doch ein «No» statt «Go» zu hören. Glamour sieht anders aus.
Damit New York sich aber doch noch irgendwie lohnt, gibt’s ein besonderes Bonbon für die Mädchen. Paparazzi-Fotos, lautet das Thema des «Shoots» in Chinatown (natürlich mit einem supersuperwichtigem Fotografen), bei dem die Models ihr schauspielerisches Geschick beweisen sollen. Die Aufgabe: vor einem Club nach durchzechter Nacht die Hüter des Gesetzes niederpöbeln. Was klingt wie die Inszenierung einer beliebigen Amy-Lindsay-Kate-Headline, sieht nicht minder entwürdigend aus. In dünnen Kleidchen torkeln die Mädchen auf die Straße, wo sie von massigen Polizisten in Handschellen gelegt und unter massivem Widerstand auf die Motorhaube gedrückt werden, frenetisch angefeuert von der Modelmama im Hintergrund («Schrei! Schrei! Schrei!»). Jetzt besser nicht an Alice Schwarzer denken.
Was bleibt, sind jede Menge peinliche Fotos und offene Fragen: Ist Heidi Klum am Ende etwa doch gar nicht so gut vernetzt, wie sie uns glauben machen will? Oder hat man die Namen dieser ultrawichtigen Szene-Designer-Fotografen-Casting-Direktoren nur deshalb noch nie gehört, weil sie eben, nunja, Szene-Designer-Fotografen-Casting-Direktoren sind? Knifflig, knifflig. Von den Model-Aspirantinnen denkt selbstverständlich niemand daran, die Vertrauensfrage zu stellen. Ist wahrscheinlich auch besser – Kritik kommt bei der Jury nämlich gar nicht gut an, wie die renitente Luisa erfahren muss, als sie nach ihrem «Live-Walk» gegen Q aufmuckt. Da wird es Winter in Frau Klums Gesicht, und auch, wenn Luisa noch einmal ein heiß begehrtes Foto bekommt, sind ihre Tage bei GNTM vermutlich gezählt – um das zu wissen, braucht man keine exklusive Top-5-Liste der Bild-Zeitung.
cvd/news.de
Klum hat für mich keinerlei Vorbildfunktion. Sie sagt für mich nichts aus!
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