Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Martin Cruz Smith gilt seit Gorki Park als profunder Kenner der russischen Gesellschaft und einer der besten Thriller-Autoren der USA. Nun legt er mit Die Goldene Meile den siebten Roman rund um seinen Moskauer Ermittler Arkadi Renko vor. Ein großer Wurf.
Es herrschte noch kalter, eiskalter Krieg, als Martin Cruz Smith 1981 mit einem literarischen Paukenschlag weltberühmt wurde. Ausgerechnet ein Amerikaner, eigentlich Journalist, veröffentlichte einen Kriminalroman, einen Thriller, mit einem russischen Ermittler. Gorki Park wurde zum Bestseller, Arkadi Renko, seine Hauptfigur, zu einem Helden, und Smith Idee zu einer Reihe. Inzwischen ist mit Die Goldene Meile der siebte Moskauer Thriller erschienen.
Dieser Arkadi Renko, dieser «Spezialist für das Überleben in erodierenden Systemen», wie ihn Tobias Gohlis vor einigen Jahren in der Zeit nannte, ist ein standhafter Brocken von einem Polizisten. Der Zufall führt ihn zu seinem neuen Fall, der 15-jährigen Maya, die, gerade aus einem Bordell entflohen, im Moskauer Yaroslav-Bahnhof in einem leeren Zug erwacht und feststellt, dass ihr ihr Baby geraubt wurde. Bei der Miliz aber glaubt ihr niemand die Geschichte.
Drei Schicksale kreuzen sich
Etwa zur gleichen Zeit finden Polizisten in der Nähe des Bahnhofs die Leiche einer nackten, jungen Frau. Während Renkos Kollegen sie als Drogenabhängige zu den Akten legen wollen, bleibt er skeptisch und beginnt zu ermitteln. Und Maya? Die findet derweil Unterschlupf und Hilfe bei Schenja, Arkadis Ziehsohn. Drei Schicksale kreuzen sich.
Seit Beginn der Arkadi-Renko-Reihe sind die Bücher von Martin Cruz Smith mehr als nur Krimis oder Thriller. Sie sind, verpackt in hochspannende Fälle, exakte Studien der russischen Gesellschaft, der Veränderungen des politischen Systems durch den Kalten Krieg, den Zusammenbruch des Ostblocks und den Wiederaufstieg der einstigen Supermacht hindurch bis heute. Und Die Goldene Meile macht da keine Ausnahme.
Diese goldene Meile nämlich, das luxuriöse Moskauer Wohnviertel, in dem sich die Neureichen ihre Villen gebaut haben, ist ein Zentrum der Ermittlungen Arkadi Renkos. Das zweite ist der sogenannte Platz der drei Bahnhöfe (Der Originaltitel heißt denn auch Three Stations), der Gegenentwurf zu dieser Hochglanzwelt, wo sich Bettler und Taschendiebe herumtreiben, Drogendealer und Straßenkinder, und auch Schenja, der dort Passanten beim Schach das Geld aus der Tasche zieht.
Ein Buch, das ein Bestseller werden dürfte
Dramaturgisch ist das neueste Werk aus der Feder von Martin Cruz Smith gewohnt hochklassige Krimikunst, gerade weil er die verschiedenen Handlungsstränge äußerst spät zusammenführt und den Leser so lange auf die Folter spannt und obwohl er aufgrund des Starts seiner Lesereise durch Deutschland den Roman um ein Drittel kürzer ausfallen lassen musste, als geplant.
Vor allem aber ist es der immer noch sympatischen, geradlinigen Figur des Arkadi Renko zu verdanken, dass dieser Thriller wieder zu einem Bestseller werden dürfte. Ein Thriller, der zwar ein wenig unpolitischer geworden ist als einige seiner Vorgänger, der aber kaum weniger brutal, kaum weniger realistisch und kaum weniger packend ist. Wieder einmal ein großer Wurf.
Autor: Martin Cruz Smith
Titel: Die Goldene Meile
Verlag: C. Bertelsmann
Seitenzahl: 256 Seiten
Preis: 19,95 Euro
Erscheinungsdatum: 1. März 2010