Tagesschau und die Tagesthemen werden weiter nicht über die Vergewaltigungsvorwürfe gegen ARD-Moderator Jörg Kachelmann berichten. Der Fall liege anders als beim früheren Pro7-Moderator Andreas Türk. Unterdessen werden Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft laut.
Kai Gniffke, zuständiger Chefredakteur von ARD-aktuell, sagte der Bild-Zeitung zufolge, der Fall liege anders als etwa bei dem Gurkenlaster-Unfall von Daniel Küblböck, über den in der Tagesschau berichtet worden war. «Bei Jörg Kachelmann handelt es sich zum jetzigen Zeitpunkt um einen Verdacht, der Küblböck-Unfall war erwiesen», wird Gniffke zitiert.
Auch mit dem Vergewaltigungsprozess gegen den früheren Pro7-Moderator Andreas Türck sei der Fall Kachelmann nicht vergleichbar: «Erstens liegt der Fall immerhin acht Jahre zurück», sagte Gniffke den Angaben zufolge. «Zweitens wurde gegen den damals populären TV-Star Anklage erhoben. Das ist qualitativ etwas völlig anderes als der bloße Verdacht.»
Die ARD werde zum Fall ihres Wetter-Moderators, wie bisher, in der Sendung Brisant berichten und den Zuschauern dort mitteilen, «warum Kachelmann zunächst nicht mehr auftritt», erklärte der Chefredakteur.
«Unwürdige Situation»
Unterdessen hat der Berliner Medienanwalt Christian Schertz der Staatsanwaltschaft eine öffentliche Zurschaustellung von Jörg Kachelmann vorgeworfen. «Mir ist kein Fall in der deutschen Pressegeschichte bekannt, wo es die Justiz ermöglicht hat, dass ein bloßer Beschuldigter vor laufenden Kameras in eine grüne Minna weggeschlossen wurde», kritisierte Schertz in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Der Staat hat eine unbedingte Schutzpflicht, auch für den Beschuldigten, dass er nicht ohne Not in einer für ihn unwürdigen Situation abgebildet wird.»
Der TV-Wetterexperte Kachelmann sitzt wegen des Verdachts der Vergewaltigung seiner früheren Lebensgefährtin in Untersuchungshaft, bestreitet aber die Vorwürfe und will sich juristisch dagegen zur Wehr setzen. Nach seiner Vernehmung musste der 51-Jährige im Amtsgericht Mannheim am Mittwoch zu einem Gefangenentransporter auf dem Hof laufen. Dort warteten Journalisten mit Kameras und filmten die Szene. Schertz bezeichnete das als «mediale Vorführung» und betonte, die Justiz hätte verhindern müssen, dass solches Bildmaterial hergestellt werden kann. «Offensichtlich war hier aber genau das Gegenteil der Fall, da die grüne Minna vor dem Gerichtsgebäude parkte, so dass die Fotoreporter ungehindert Fotos von Herrn Kachelmann in dieser Situation machen konnten.»
«Das ganze Leben von Jörg ist eine Lüge»
Das Ganze wiege umso schwerer, als es Kachelmann in diesem Moment nicht möglich gewesen sei, sich zur Wehr zu setzen, meinte Schertz, der Prominente wie Günther Jauch und Thomas Gottschalk bei Fragen des Persönlichkeitsrechts vertritt und im vergangenen Jahr Nadja Benaissa von den No Angels beim Vorwurf der Körperverletzung als Presseanwalt zur Seite stand. «Die Medien können sich wahrscheinlich sogar mit Recht darauf berufen, dass es die Justiz war, die dieses Bildmaterial ermöglicht hat.» Üblicherweise erfolgten Haftprüfungstermine auch bei prominenten Beschuldigten bewusst hinter verschlossenen Türen, um die Betroffenen zu schützen. «Dieses wurde im vorliegenden Fall zumindest grob fahrlässig unterlassen.» Das Vorgehen erinnere an den Fall des früheren Postchefs Klaus Zumwinkel, der vor laufenden Kameras festgenommen worden sei, da die Medien zuvor darüber informiert waren, meinte Schertz.
Derweil hat die Schweizer Boulevardzeitung Blick die Mutter von Kachelmanns Ex-Freundin besucht. Sie sagt: «Das ganze Leben von Jörg ist eine Lüge. Er hat die ganzen elf Jahre nur gelogen.» So lange sollen die beiden ein Paar gewesen sein, auch wenn es dafür keine offizielle Bestätigung gibt. Einen Nachbarn der Radiomoderatorin zitiert Blick mit den Worten: «Ich habe hier öfter ein dunkles Auto mit Schweizer Kennzeichen vor der Tür gesehen. Kachelmann hat in ihrer Garage geparkt und war mal länger und mal kürzer da. Auch vor dem Haus hab ich ihn einige Male gesehen und erkannt.» Das scheint auch Vorwürfe zu entkräften, nach denen die Frau gar nicht Kachelmanns Ex-Freundin, sondern eine Stalkerin sein soll.
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